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Badia Ouahi (Mitte) und ihre Mitstreiterinnen (v.l.): Dani Ferschke, Rosemarie Heilig, Barbara Brisley und Desire Bender.

Große Nachfrage

Corona-Hilfe: Frankfurter Café kocht kostenloses Mittagessen für Bedürftige

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Das Schirn-Café Badias bietet in der Corona-Krise einen Mittagstisch für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen. Die Nachfrage ist hoch.

Frankfurt - Dort, wo am stylischen Café an der Schirm in Zeiten ohne Corona Kuchen verkauft wird, stehen kleine Kästchen mit Namen, Mundschutz und Handschuhen. Im Café Badias ist derzeit alles anders. Seit dem 1. April wird hier nicht für zahlende Kundschaft gekocht, sondern für Bedürftige. "Mittagstisch" ist ein simples Wort für eine warme Mahlzeit. Ohne Tamtam hat Inhaberin Badia Ouahi aus dem Nichts ein soziales Projekt gestartet.

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"Bevor ich zur Gastronomie kam, war ich Sozialarbeiterin", so die ideenreiche Frau mit dicken lockigen Haaren. "Ich wollte etwas tun und habe das ein paar Freunden gesagt." Eine davon ist Rosemarie Heilig. Von Berufs wegen Grünen-Stadträtin und Umwelt- und Gesundheitsdezernentin, privat mit Rat und Tat für Freunde da. Es entstand bei beiden über Nacht die Idee, Mittagessen für diejenigen zu kochen, die sonst oft vergessen werden. Für Einzelpersonen, Rentner, Obdachlose, Einrichtungen mit Selbstversorgung, Übernachtungsstätten, Übergangswohnheime und Organisationen, die sich um Bedürftige kümmern.

Corona-Hilfe der Schirn: Auch Hundefutter gibt es

"Mittlerweile fahren wir jeden Tag etwa 300 Essen in ganz Frankfurt aus", so Ouahi. Bis einschließlich 19. April können Bedürftige zwischen 12 und 15 Uhr ihre Mahlzeit am Restaurant selbst abholen. "Ab dem 20. April stellen wir das um, weil es immer mehr wird. Selbstabholung geht dann nicht mehr, dafür liefern wir mehr an Hilfsstellen aus, um Gedränge zu vermeiden." Ihre 20 Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit. Sie und Freunde helfen beim Kochen und Ausfahren. "Mein Sommelier steht an der Spüle, der Sous-Chef vom Frankfurter Hof, der ehemalige Küchenchef vom Showroom in München stehen in der Küche. 

Solidarisch in der Corona-Krise: Mittagstisch für bedürftige Menschen

Eine Friseurin, eine Mitarbeiterin eines Reiseveranstalters, ein Anwalt, eine Politikerin und bis zu zwölf weitere füllen Suppe ab, fahren Essen aus oder gehen Einkaufen." Minestrone, Salate, Börek, selbst gemachte Pita und Focaccia stehen ebenso auf dem Speiseplan wie Pilzgerichte oder Käsesaucen. "Gemüse bekommen wir zum Einkaufspreis von Marco Reitz in der Kleinmarkthalle. Ein Weinhändler hat uns eine Palette Traubensaft gebracht", sagt Oahi. Um die Kosten decken zu können, wirbt sie auf Plakaten um Spenden. 10 000 Euro sind bereits zusammengekommen. "Als wir gemerkt haben, dass viele Bedürftige auch Hunde haben und für ihr Wohl selbst auf alles Mögliche verzichten, haben wir auch angefangen, Hundefutter einzukaufen. Das verteilen wir jetzt portionsweise gleich mit."

Corona in Frankfurt: Schirn-Café und Street Angels kochen zusammen

Via Mundpropaganda haben sich in zwei Wochen immer mehr Kontakte ergeben. "Die Solidarität ist enorm", freut sie sich. "Eine Mutter Theresa bin ich nicht. Aber in solchen ungewissen Zeiten zu helfen, sollte selbstverständlich sein."

Zwischen Fechenheim und Sindlingen pendeln die freiwilligen Helfer, um jeden Tag warmes Mittagessen an Haushalte und Einrichtungen zu liefern. Pro Adresse werden täglich zwischen einem und 77 Gerichte frisch vorbereitet, gekocht, verpackt und geliefert. "Die meisten freuen sich sehr. Manche haben Tränen in den Augen", erzählt Denise Bender. Die Friseurin hat letzten Juni ihren eigenen Salon auf der Schweizer Straße eröffnet. "Ich wollte etwas tun. Sonst würde ich die ganze Zeit zu Hause sitzen und heulen." In den ersten Tagen sei es ihr schwer gefallen, Leute auf der Straße anzusprechen, ob sie ein warmes Mittagessen wollen. Dann hat sie gemerkt, dass es den Angesprochenen oft peinlich ist, etwas anzunehmen.

Ab dem 20. April wird Badias auch für die Street Angel ehrenamtlich kochen. Der Verein versorgt seit sechs Jahren Obdachlose in der Innenstadt und im Bahnhofsviertel

Von Sabine Schramek

Bitte um Spenden

Wer für Badias Mittagstisch spenden möchte, kann das unter den Stichwort "Spende Mittagstisch" unter der IBAN DE25 5019 0000 0077 0101 14 tun.

Neben dem Badias haben auch andere Gastronominnen in Frankfurt* die Initiative ergriffen, um bedürftigen Menschen zu helfen. Im öffentlichen Nahverkehr in und um Frankfurt gilt wegen Corona die Maskenpflicht ab Montag (27.04.2020). Das werden laut VGF auch die Kontrolleure überprüfen.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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