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Chaos um Corona-Impfstoff – Biontech-Konkurrent aus Frankfurt springt ein

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Biontech aus Mainz hat Probleme bei der Produktion des Corona-Impfstoffs. Um die Versprechen an Bund und Länder einzuhalten, hilft nun ein Konkurrent aus Frankfurt.

  • Biontech produziert den Impfstoff gegen Corona* für Deutschland.
  • Das Unternehmen aus Mainz hat Probleme bei der Liefermenge.
  • Nun hilft die Konkurrenz aus Frankfurt.

Frankfurt – Es könnten schon viel mehr Menschen gegen Corona geimpft sein. Seit dem 19. Januar sind in Hessen sechs regionale Impfzentren geöffnet. Zunächst sind die Impfungen Menschen, die älter als 80 Jahre sind, vorbehalten. Doch weil die Impfstoffproduzenten Biontech aus Mainz und Pfizer seine angekündigte Liefermenge nicht aufrechterhalten konnte, stoppte beispielsweise Rheinland-Pfalz die Corona-Impfung. Nun soll die Konkurrent Sanofi mit seinem Werk in Frankfurt bei der Produktion helfen.

Der Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und Pfizer soll demnächst auch in Frankfurt abgefüllt werden. Wie am Mittwoch (28.01.2021) bekannt wurde, soll Biontech einen Vertrag mit seinem französischen Konkurrenten Sanofi unterschrieben, der ein Werk in Frankfurt-Höchst betreibt. Das sagte Sanofi-Chef Paul Hudson der französischen Zeitung „Le Figaro“. Ab Juli soll der Impfstoff gegen Corona demnach dort abgefüllt werden. Sanofi sei mit der Entwicklung eines eigenen Impfstoffs mehrere Monate in Verzug, weshalb das Unternehmen nach Möglichkeiten gesucht habe, sich an anderer Stelle nützlich zu machen.

Corona-Impfstoff von Sanofi in Frankfurt – 125 Millionen Dosen Impfstoff

Die Arbeit am eigenen Impfstoff wolle Sanofi fortsetzen. Gemeinsam mit dem britischen Konzern GlaxoSmithKline arbeitet das französische Unternehmen an zwei Corona-Impfstoffen. Diese zeigten aber bei älteren Erwachsenen keine ausreichende Reaktion des Immunsystems, was die Fertigstellung des Impfstoffs im Dezember 2020 weiter verzögerte. Nach derzeitigen Informationen hoffen die beiden Unternehmen auf eine Zulassung im vierten Quartal dieses Jahres.

Im Werk in Frankfurt sollen 125 Millionen Dosen produziert werden, die für die gesamte Europäische Union bestimmt sein sollen, teilte Sanofi mit. Da die Produktionsstätte im Industriepark Höchst nur rund 30 Minuten Autofahrt vom Biontech-Hauptsitz in Mainz liege, werde das die Sache erleichtern, hofft man bei Sanofi. Allerdings bedeute das nicht, dass diese Menge an Impfstoff zusätzlich produziert wird, berichtet der „Hessische Rundfunk“ unter Berufung auf eine Biontech-Sprecherin. Es bleibe bei den vereinbarten zwei Milliarden Impfdosen für die Europäische Union (EU).

Impfungen in Hessen: Kritik an Biontech – Auch Sanofi muss umbauen

Dass erst im Sommer mit der Produktion des Impfstoffs von Biontech bei Sanofi begonnen wird, liegt an den aufwendigen Umrüstungsarbeiten im Werk in Frankfurt. Weil auch Biontech im Januar kurzfristig bekannt gab, ein Werk in Belgien für eine höhere Produktionskapazität auszubauen, musste die ursprünglich mit Bund und Ländern vereinbarte Liefermenge deutlich reduziert werden. Das Vorgehen sorgte für viel Kritik und beispielsweise in Nordrhein-Westfalen für den zwischenzeitlichen Stopp der Impfungen gegen Corona.

Ab der Woche vom 15. Februar soll die ausgelieferte Menge wieder erhöht werden. Biontech versichert, dass „wir in der Lage sein werden, die volle zugesagte Menge an Impfstoffdosen im ersten Quartal und deutlich mehr im zweiten Quartal zu liefern“. Mit einem weiteren Produktionsstandort in Marburg will man im ersten Halbjahr dieses Jahres 250 Millionen weitere Corona-Impfdosen herstellen. Im Februar soll in dem ehemaligen Produktionsstandort des Pharmakonzerns Novartis die Impfstoff-Produktion beginnen. Am 15. Januar bekam Biontech vom Regierungspräsidium Gießen die Genehmigung.

Biontech aus Mainz hat Probleme bei der Lieferung der zugesagten Menge an Impfstoff gegen Corona. (Symbolbild)

Corona-Impfstoff: Auch Astrazeneca mit Problemen bei Produktion

Ein Grund für die geringere Liefermenge ist auch eine Stellungnahme der EU-Arzneimittelbehörde EMA. Dort heißt es, dass aus jedem Fläschchen des Impfstoffs gegen Corona sechs Ampullen gezogen werden könnten, die Berechnungen für den Lieferumfang bezogen sich jedoch auf fünf Impfdosen pro Fläschchen.

Biontech argumentiert allerdings laut mehreren Medienberichten, dass der vereinbarte Lieferumfang auf eine bestimmte Menge ausgelegt sei, nicht auf Ampullen. Die Gesundheitsminister der Länder seien offenbar davon ausgegangen, dass durch die Entnahme einer zusätzlichen Dose pro Ampulle mehr Impfstoff zur Verfügung stünde. Biontech reduzierte aber die Zahl der gelieferten Ampullen. Zudem wird es dauern, bis sich die Unterstützung durch Sanofis in Frankfurt im Lieferumfang bemerkbar macht.

Chaos um Corona-Impfstoff: Aus Astrazeneca mit Problemen bei Produktion

Auch der britische Impfstoff-Hersteller Astrazeneca musste zuletzt seine angekündigten Liefermengen nach unten korrigieren, AstraZeneca hatte vergangene Woche angekündigt 60 Prozent weniger Impfstoff zu liefern als zuvor zugesagt. Es gebe Produktionsprobleme in einem Werk in Belgien. innerhalb der EU ist der Impfstoff gegen Corona zudem noch nicht zugelassen.

„Sobald wir in den nächsten Tagen die Zulassung erhalten, liefern wir drei Millionen Dosen. Dann jede Woche mehr, bis wir bei 17 Millionen sind. Die werden nach Bevölkerungszahl verteilt, für Deutschland mithin ungefähr drei Millionen in einem Monat“, sagte Unternehmenschef Pascal Soriot in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“. Das würde auch die hessischen Impfzentren in Frankfurt, Darmstadt oder Kassel entlasten.

Corona in Hessen: Bislang rund 100.000 Menschen geimpft

In Hessen sind bislang etwas mehr als 100.000 Menschen gegen das Corona-Virus geimpft worden, rund 30.000 Personen hätten bereits die zweite Impfdosis erhalten, wie das Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Dienstag (26.01.2021) mitteilte. „Die offenkundigen Lieferprobleme und Neuberechnungen der Dosen für Deutschland zeigen, dass unsere vorausschauende Strategie richtig ist. Wir halbieren jede Lieferung, um die wichtige Zweitimpfung garantieren zu können“, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Mit der Produktion von Sanofi in Frankfurt könnte sich die Lage zumindest im Sommer etwas entspannen. (Erik Scharf)

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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