20.03.2020, Hessen, Frankfurt/Main: Gähnende Leere herrscht am Abend in der Elbestraße im Frankfurter Bahnhofsviertel vor dem Bordell „Eros Center“.
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Gerade im Bahnhofsviertel von Frankfurt sind die Auswirkungen der Corona-Krise besonders spürbar.

Verschärfte Kontrollen

Corona: Drastische Auswirkungen im Bahnhofsviertel – Polizei zieht Bilanz

  • Sophia Lother
    vonSophia Lother
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Im Bahnhofsviertel und rund um den Hauptbahnhof Frankfurt sind die Folgen von Corona besonders Spürbar. Die Polizei hat die Kontrollen verschärft und zieht jetzt eine erste Bilanz.

  • In Frankfurt* steigen die Corona-Zahlen* und mit ihnen verschärfen sich die Auswirkungen der Pandemie.
  • Gerade im bereich des Hauptbahnhof Frankfurt* und im Bahnhofsviertel spitzt sich die Lage zu.
  • Die Polizei zieht Bilanz mit einem neuen Einsatzkonzept und mehr Personal.

Frankfurt - Die Corona-Krise hat überall in der Stadt bereits Spuren hinterlassen. Seien es die leere Zeil in Frankfurt* oder die geschlossenen Restaurants, Bars und Clubs. Doch ein Viertel scheint besonders unter den Folgen der Pandemie zu leiden – und mit ihm seine Bewohner. Die Rede ist vom Bahnhofsviertel von Frankfurt.

Frankfurt: Corona im Bahnhofviertel – Viertel besonders hart von der Krise getroffen

Wie die Polizei mitteilt, habe sich die Situation im Bahnhofsviertel und am Hauptbahnhof Frankfurt durch das Coronavirus nochmals zugespitzt. Die Beschwerden von Anwohnern, Ladenbesitzern und Pendlern hätten seit dem Frühjahr zugenommen. Hinzu käme außerdem die sich drastisch verschlechternde Lage von Drogenkonsumenten. Bereits im September hatte Polizeipräsident Gerhard Bereswill davor gewarnt, dass sich im Bahnhofsviertel von Frankfurt die Anzahl der Drogenkonsumenten auf der Straße* verdoppelt habe.

Ende Juni habe die Polizei Frankfurt nach eigener Aussage ein erweitertes Einsatzkonzept und zusätzliches Personal aktiviert, um auf die Situation im Bahnhofsviertel* und rund um den Hauptbahnhof Frankfurt zu reagieren. Etwa zehn zusätzliche Beamten seien in dem Bereich unterwegs gewesen. Jetzt zieht die Polizei Bilanz.

Corona in Frankfurt: Stärkere Kontrollen im Bahnhofsviertel – Polizei zieht Bilanz

Nach Angaben der Polizei seien zwischen Ende Juni und Ende Oktober 15.500 Menschen kontrolliert worden. Außerdem seien über 2.600 Platzverweise ausgesprochen und 1.800 Strafverfahren eingeleitet worden. Hinsichtlich welcher Gesetzesverstöße die Verfahren im Speziellen eingeleitet wurden, macht die Polizei in ihrer Pressemitteilung allerdings nicht klar. Auch nicht, wie viele der Kontrollen zu tatsächlichen Tätern oder Tatverdächtigen führten.

  • Bilanz der Polizei Frankfurt
  • Über 15.500 Personenkontrollen
  • Fast 2.600 Platzverweise
  • Über 1.800 Strafverfahren eingeleitet
  • 120 Haftbefehle vollstreckt

Im Bereich um den Hauptbahnhof Frankfurt und im Bahnhofsviertel legte die Polizei einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung des Drogenhandels. Zwischen Juni und Oktober wurden laut Polizei 100 Strafverfahren wegen illegalen und teilweise sogar gewerblichen Handels von Drogen eingeleitet. Sieben Kilogramm Rauschgift und 1000 Tabletten wurden im Rahmen dieser Maßnahmen beschlagnahmt.

Frankfurt: Corona rund um den Hauptbahnhof und im Bahnhofviertel – Straßenprostitution steigt

Eine Folge der Corona-Maßnahmen in Frankfurt bekam die Polizei im Bahnhofsviertel deutlich zu spüren. Denn die Straßenprostitution in Frankfurt* nahm enorm zu. Vielen Frauen wurde aufgrund der verschärften Corona-Regeln, die eine Schließung der Bordelle zur Folge hatte, ihre Wohn- und Lebensgrundlage entzogen. Sie versuchten deshalb auf der Straße oder in Hotels ihre Freier zu treffen. Um das zu verhindern, kontrollierte die Polizei Frankfurt, teilweise zusammen mit dem Ordnungsamt, die Straßen.

Bis zu 50 Prostituierte seien täglich im Bahnhofsviertel in Frankfurt auf die Straße gegangen, meldet die Polizei. Zahlreiche Ordnungswidrigkeitsverfahren seien daraufhin nach Kontrollen eingeleitet worden. Ein Strafverfahren wird erst dann eingeleitet, wenn eine Person dreimal bei Ordnungswidrigkeiten im Bereich der Straßenprostitution erwischt wurde. Von diesen Verfahren seien insgesamt sieben eingeleitet worden.

Frankfurt: Verstärkte Kontrollen im Bahnhofsviertel

Ob die verschärften Polizei-Maßnahmen auch direkt für mehr Sicherheit sorgen, ist ungewiss. Um dies abzuschätzen, wäre eine statistische Auswertung und ein Vergleich der Polizeistatistiken in den vergangenen Jahren nötig. Was der Polizei allerdings berichtet wurde, war, dass Ladenbesitzer, Gastronomen und Pendler sich subjektiv sicherer fühlten. Das will die Polizei Frankfurt nach eigener Aussage weiter bestärken. (Sophia Lother)*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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