Corona-Krise

Lernen Zuhause: Bessere Vorgaben gefordert – „Die Eltern laufen alle auf dem Zahnfleisch“ 

Wegen der Corona-Krise sind die Schulen in Frankfurt dicht. Milkica Romic fordert mehr Entlastung und einheitliche Vorgaben für das Lernen Zuhause. 

  • Schulen wegen Corona geschlossen: Kinder müssen zu Hause lernen
  • Eltern in Frankfurt überfordert
  • Vorsitzende des Elternbeirats am Römerhof Gymnasium schreibt Brandbrief

Frankfurt - Mit einem Brandbrief hat sich Milkica Romic, Vorsitzende des Elternbeirats am Römerhof Gymnasium, an den Frankfurter Stadtelternbeirat, das hessische Kultusministerium und den Landeselternbeirat gewandt. Viele Eltern seien damit überfordert, ihre Kinder Zuhause zu unterrichten, nebenbei zu arbeiten und den Alltag zu managen. Deshalb müsse man dringend für Abhilfe sorgen.

Frau Romic, in Ihrem Brandbrief schreiben Sie, dass der häusliche Unterricht, der den Eltern durch die Schließung der Schulen wegen der Corona-Pandemie auferlegt ist, kaum mehr zu bewältigen ist. Warum?

Zurzeit telefoniere ich bestimmt zehnmal am Tag mit Eltern, die einfach überfordert sind. Am vielen Schulen ist es so, dass jeder Lehrer sein eigenes Süppchen kocht und seine Aufgaben für die Kinder über E-Mails verschickt. Andere Lehrer schreiben die Aufgaben handschriftlich auf einen Zettel und fotografieren den einfach ab. Es werden Videos mit so hohem Volumen verschickt, dass sie gar nicht zu öffnen sind. Am meisten betroffen sind Familien mit mehreren Kindern. Die kommen zu nichts mehr.

Frankfurt: Kinder müssen aufgrund der Corona-Krise zu Hause lernen – das ist nicht immer einfach

Wie läuft es dort?

Ein Vater hat mir geschrieben, dass er innerhalb von zwei Tagen 27 Mails für die Unterrichtsmaterialien seiner drei Kinder erhalten hat: mit Word- und PDF-Dokumenten sowie Bildern und Videos. Er habe erst einmal zwei Stunden am Rechner gesessen und versucht, alles zu sortieren, aufzubereiten und auszudrucken. Letztlich waren das über 100 Seiten.

Milkica Romic

Haben Sie selbst auch solche Erfahrungen gemacht?

Zum Glück ist das Homeschooling am Römerhof Gymnasium hervorragend organisiert. Jeder Lehrer nutzt dort ein Portal, das sehr übersichtlich ist. Man fühlt sich mitgenommen und gut aufgehoben. Und die Lehrer sind für uns Elternbeiräte jederzeit erreichbar. Das ist aber nicht an jeder Schule so.

Frankfurt: Kinder müssen wegen der Corona-Krise zu Hause lernen – „Wir Eltern gehen gerade auf dem Zahnfleisch“

Sie sind Anwältin für Familienrecht, arbeiten viel ehrenamtlich und müssen sich jetzt nebenbei auch noch um den Unterricht Ihrer beiden acht- und zwölfjährigen Töchter kümmern. Wie schaffen Sie das?

Wir Eltern sind fix und fertig. Wir laufen gerade alle auf dem Zahnfleisch, weil wir die Kinder, die sonst in der Schule oder im Hort gegessen hätten, nun auch zusätzlich über den Tag versorgen müssen. Das heißt, einkaufen, kochen waschen, putzen und nebenbei das Homeschooling betreuen. Und dann noch nebenbei arbeiten. Viele Kinder sind zudem nicht konzentriert genug, dass sie zu Hause über mehrere Stunden sitzen und ihre Arbeiten erledigen können. Auch das stresst uns Eltern. Man muss außerdem bedenken, dass viele gar nicht in Kurzarbeit sind, sondern ganz normal arbeiten müssen.

Wie könnte man die Eltern entlasten?

Das Kultusministerium sollte einheitliche Vorgaben an alle Schulen geben. Dass zum Beispiel pro Schule nur ein Online-Portal genutzt wird. Und die Notbetreuung sollte auch für kinderreiche Familien gelten. Wenn die Eltern ein Zeitfenster von zwei bis drei Stunden haben, wo sie mal in Ruhe arbeiten oder einkaufen können - da wäre ihnen schon viel geholfen. Man sollte auch überlegen, ob man das Homeschooling nicht aussetzt. Viele Eltern können ihre Kinder überhaupt nicht unterstützen, beschweren sich aber nicht, weil ihnen das unangenehm ist. So wie jetzt kann es jedenfalls nicht weitergehen.

Interview: Brigitte Degelmann

Am ersten Tag der Mundschutzpflicht halten sich die meisten Menschein in Frankfurt an die Auflagen. Schon die Digitalanzeigen der Bahnen weisen auf die Maskenpflicht hin. Der Schriftzug "Bitte schützen Sie einander und tragen eine Maske! " läuft über die Anzeigetafeln.

Rubriklistenbild: © dpa/Eduardo Parra

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