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Erheblich weniger Fahrgäste sind unterwegs, aber vermehrt melden sich jetzt auch Fahrer krank. Deshalb will Frankfurt das Angebot im Nahverkehr ab Montag erheblich eindampfen. Unterwegs sind schon heute wie hier an der Konstablerwache nur noch diejenigen, die müssen. 

Nahverkehr

Coronakrise: Frankfurt dünnt den Fahrplan massiv aus

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In der Coronakrise gibt es weniger Fahrgäste in Frankfurt. Bahnen und Busse fahren von Montag an im Sonntagstakt - das führt andernorts zu Gedränge.

  • Fahrgastzahlen in Bus und Bahn sinken in Corona-Zeiten massiv 
  • Vermehrt Busfahrer krank
  • Stadt Frankfurt dünnt Fahrplan aus

Frankfurt - Angesichts der drastisch zurückgegangenen Fahrgastzahlen streicht Frankfurt den Nahverkehr massiv zusammen. Von Montag an (30.03.2020) sollen U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse nach Sonntagsfahrplan verkehren - morgens in der Stoßzeit von 6.30 bis 9 Uhr aber um zusätzliche Fahrten verstärkt.

Die Informationen zum "erweiterten Sonntagsfahrplan" sollten am Freitag (27.03.2020) bekannt gegeben werden, kündigt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an. "Die Details werden noch ausgearbeitet und Abstimmungen laufen." 

Bisher sind die Bahnen und Busse nach dem Ferienfahrplan unterwegs. Ebenso fahren sie in voller normaler Länge. Damit wolle man den verbliebenen Fahrgästen die Möglichkeit geben, die vom Robert-Koch-Institut empfohlene Distanz zueinander von mindestens anderthalb Metern einzuhalten.

Frankfurt: Fahrgastzahl um 90 Prozent gesunken

Warum jetzt doch die massive Ausdünnung? Vorige Woche habe die Nahverkehrsorganisation Traffiq einen Rückgang der Fahrgastzahlen um 80 Prozent aufgrund der Corona-Pandemie gezählt, erklärt der Dezernent. Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu noch stärkerem Reduzieren der Sozialkontakte aufgerufen hatte, sei die Zahl der Fahrgäste um jetzt "eher 90 Prozent gesunken". Abends führen viele Busse und selbst einige Bahnen völlig leer. Das sei kein Wunder, da alle Freizeitangebote weggefallen seien.

Zugleich steigt auch beim Fahrpersonal die Zahl der Krankmeldungen. Deshalb drängt vor allem die Verkehrsgesellschaft VGF auf ein reduziertes Angebot. Demnach sollen auf allen Linien von Montag an die Sonntagsfahrpläne gelten. "Um ausreichend Platz zu bieten, fahren wir aber mit Werktagslänge", verspricht Oesterling. Also Drei-Wagen-Züge auf U1, U2, U3, U6, U7 und U8, Vier-Wagen-Züge auf der U4, dazu wo möglich Gelenk- statt Standardbusse.

Ticker zu Corona in Frankfurt: Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Personen in Frankfurt steigt weiter. Die Schutzmaßnahmen werden aber größtenteils eingehalten.

Das Ausdünnen des Angebots birgt das Risiko, dass sich die Fahrgäste in die viel seltener fahrenden Bahnen und Busse drängen. Das hat zuletzt bereits vielerorts zu Ärger geführt: In Essen, Bremen und Magdeburg war es wegen reduzierter Fahrpläne eng in Straßen- und Stadtbahnen. Das berichtet die „Augsburger Allgemeine“ auch für Pendlerzüge zwischen Augsburg und München. 

Überfüllt waren U-Bahnen und Busse in Berlin, nachdem die BVG den Takt halbiert hatte. Nun hält die BVG Zusatzfahrzeuge in Bereitschaft, um bei Überfüllung Entlastung anzubieten. In Stuttgart führte das Reduzieren des U-Bahn-Takts auf 30 Minuten am Montag zu Chaos im Berufsverkehr, die Fahrgäste schimpften, nun wird der Takt wieder verdoppelt.

Frankfurt: Busse und Bahnen alle 15 Minuten, aber nicht auf allen Linien

Derlei Situationen wolle man verhindern, sagt Klaus Oesterling. "Wir machen einen ,Sonntag-plus-Fahrplan'." Denn sonntags fahren Bahnen und Busse erst ab Mittag im 10- oder 15-Minuten-Takt. Deshalb werde der Sonntagsfahrplan so verstärkt, dass auch morgens "die meisten Verkehrsmittel alle 15 Minuten fahren". Das gelte neben den meisten U- und Straßenbahnlinien auch für viele Busse, die für Beschäftigte wichtig sind, wie die Linie 30. "Sieben bis acht" Buslinien, die sonntags gar nicht fahren, wie die Linie 24 zum Frischezentrum in Kalbach, sollten auch verkehren, sagt der Dezernent. Laut der Planung vom Donnerstagmittag (26.03.2020), die der Redaktion vorliegt, sind jedoch unter anderem für U3 und U9, die Trams 14, 15 und 21 sowie selbst wichtige oder hochfrequentierte Buslinien wie die 25, 37, 43, 50 und 61 keine Verstärkungen vorgesehen. Sie verkehren laut Fahrplan sonntagmorgens nur im 30-Minuten-Takt, einige Linien überhaupt erst ab sieben oder acht Uhr.

Wie Fahrgäste den Überblick behalten sollen? Bis Montag werde es gelingen, die Änderungen zum größten Teil in die elektronischen Auskunftsmedien einzupflegen, erläutert Traffiq-Sprecher Klaus Linek.

"Recht nahe am Samstagsfahrplan" werde das Angebot letztlich sein, betont Linek. Auch kurzfristige Überfüllung wolle man verhindern, sagt Klaus Oesterling. Dabei orientiere man sich wohl am Beispiel Berlin: "Eine Reserve, um bei Problemen kurzfristig in einzelnen Bereichen wieder hochzufahren, wird vorhanden sein." 

Dennis Pfeiffer-Goldmann

Ein YouTube-Video zeigt beeindruckend den Einfluss der Corona-Pandemie auf das öffentliche Leben in Frankfurt. Es sind Bilder einer Geisterstadt.

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