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Klopapier-Hamsterkäufe kommen bei ihnen nicht in die Tüte: Metzgermeister Günther Benzkirch und Mitarbeiterin Sonja Hein verstehen ihre ungewöhnliche Sortiment-Erweiterung zu Corona-Zeiten als Service für die Stammkunden in Frankfurt.

Begehrter Hygieneartikel

Ein Metzger mit Herz - und Klopapier

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Günther Benzkirch will mit seiner Metzgerei in Frankfurt-Griesheim in Corona-Zeiten „so etwas wie Tante Emma“ in seiner Siedlung sein.

  • Frankfurt: Metzgermeister Günther Benzkirch setzt jetzt auf Klopapier
  • Stammkunden schätzen Angebot in Corona-Zeiten
  • Lieferant blieb auf begehrten Klopapierrollen sitzen

Frankfurt-Griesheim - Normal ist das nicht: Ein Metzger, der seinen Kunden neben Schnitzel, Schinken und Ahler Wurscht auch Toilettenpapier anbietet. Doch was ist schon normal in diesen verrückten Corona-Tagen? Und was der Griesheimer Metzgermeister Günther Benzkirch für sein Kunden seit Ausbruch der Corona-Krise in seinem Laden in der Jägerallee bereithält, wissen sie sehr zu schätzen. Erspart er ihnen doch so den - noch dazu oft vergeblichen - Gang zum Supermarkt. Und damit viel Stress und Gedrängel um den dieser Tage so begehrten Hygieneartikel.

„Ich bin total beeindruckt von diesem Angebot“, lobt etwa die Griesheimer Stammkundin Anita Liessmann ihren „Metzger mit Herz". Was brachte ihn auf diese Idee? „Als es mit Corona losging, erzählte mein Lieferant mir, dass sich bei ihm das Klopapier deckenhoch stapele - und ob ich ihm nicht welches abnehmen wolle“, berichtet Benzkirch.

Corona in Frankfurt: Kunden klopften an die Scheiben in Griesheim

Der Mann beliefere nicht die großen Handelsketten, sondern vor allem Gastronomen - da die Restaurants aber wegen der Corona-Sicherheitsbestimmungen schließen mussten, sei er auf den Klopapierollen regelrecht sitzen geblieben.

„Meine erste Reaktion war: Alter Falter, ich kann doch kein Toilettenpapier in meine Metzgerei stellen“, erzählt der aus Ostfriesland stammende Benzkirch in seiner lebendigen, norddeutsch eingefärbten Sprachmelodie. Doch kaum hätten die ersten zehn Päckchen bei ihm morgens im Geschäft gestanden, „klopften die ersten Kunden schon an die Scheiben, obwohl ich noch gar nicht geöffnet hatte“. Der Ansturm auf den begehrten Artikel hielt bis vor kurzem an, „jetzt ist der große Run aber vorbei“, sagt der Metzger.

Auch wenn er das Toilettenpapier nicht zu günstigen Discounter-Preisen anbieten kann, ist ihm eines wichtig: „Ich will kein Geschäft damit machen.“ Deshalb gibt's bei ihm auch keine Hamsterkäufe wie in den Supermärkten. „Das kommt bei mir nicht in die Tüte“, macht der Metzger klar.

Corona in Frankfurt: Metzger bietet Service für Stammkunden

Er verstehe seine ungewöhnliche Sortimenterweiterung vor allem als Service für seine Stammkundschaft, die sich so den Stress beim Kampf ums Klopapier beim Discounter sparen könnte.

Dabei war das Warenangebot jenseits der typischen Fleischerzeugnisse lange vor der Corona-Krise schon typisch für sein Geschäft im mit Einkaufsmöglichkeiten eher schlecht bestückten Griesheim-Nord: "Wir haben hier seit Jahren das volle Programm", sagt Benzkirch. "Vom Spargel, Apfel, Mehl, Zucker, Nudeln, bieten wir eigentlich alles an", sagt er. "Nur Hefe haben wir nicht."

Dahinter stecke die Idee, "so etwas wie ein Tante-Emma-Laden hier in der Siedlung zu sein." Wem die Lust nach einem leckeren Stück Fleisch stehe, der könne bei ihm gleich auch die Zwiebeln, Petersilie und mehr für die Soße dazu finden.

Corona in Frankfurt: Es wird wieder mehr zu Hause gekocht

Benzkirch hat den seit den 50er Jahren bestehenden Laden im September 1999 vom Vorbesitzer übernommen und rasch das klassische Metzger-Sortiment um einen Catering-Service und Lieferdienst für Großküchen und Kindergärten erweitert. Auch ein Imbiss gehört normalerweise zum Geschäft dazu - der muss allerdings wegen Corona derzeit ruhen. Derart breit aufgestellt, habe er sich in der Ausnahmesituation gut über Wasser halten können.

Was auch damit zu tun habe, dass Fleisch in Krisenzeiten wieder sehr gefragt sei. Er hat beobachtet: "Die Leute haben jetzt die Zeit und auch die Lust, sich selbst und die Familie richtig gut zu bekochen." 

Michael Forst

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