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Wegen der Ausgangsbeschränkungen haben die Taxi-Chauffeure keine Kundschaft mehr.

Folgen der Coronakrise

Mietwagen sind erlaubt – Taxi-Vereinigung in Frankfurt ist sauer

Taxi-Fahrer in Frankfurt: Wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen haben sie keine Kundschaft mehr. Auch Taxiunternehmer leiden massiv unter den Folgen der Coronakrise.

Frankfurt -Detlef Guske wählt drastische Worte, wenn er die Situation beschreiben soll, in der er und seine Berufskollegen stecken: "Das ist ein Krieg ohne Bomben." Guske ist Geschäftsführer von Gubi-Taxiservice in Bockenheim. Wie die anderen Frankfurter Taxifahrer und -unternehmer leidet er massiv unter den Auswirkungen der Corona-Krise.

Hans-Peter Kratz, Vorsitzender der Frankfurter Taxi-Vereinigung, spricht von 95 Prozent Umsatzrückgang in der Branche: "Das ist komplett zusammengebrochen."

Er setzt sich für die Belange der Taxifahrer ein: Hans-Peter Kratz ist der Vorsitzende der Frankfurter Taxi-Vereinigung und spricht von einem Umsatzrückgang von 95 Prozent für die Branche. foto: Peter Jülich

Rund 1700 Taxis gebe es in Frankfurt, sagt Kratz. Sie hingen stark vom "Business-Verkehr" ab: von Geschäftsleuten, die zwischen Büros, Hotels, Bahnhof und Flughafen hin- und herchauffiert werden, ebenso von Messebesuchern und Touristen. Nicht zu vergessen die Schulkinderfahrten, die momentan ebenfalls unter den Tisch fallen. Vor ein paar Tagen habe es immerhin einen ganz kurzen Lichtblick gegeben, erzählt der Vorsitzende: "Das war, als die Deutschen aus dem Ausland zurückgeholt wurden. Da hatte man am Flughafen nur drei oder vier Stunden Wartezeit." Jetzt seien es wieder sechs Stunden und mehr.

Stammkunden und Krankenfahrten

Wer momentan überhaupt noch Taxis nutzt? Da muss Kratz kurz überlegen. Doch außer wenigen Stammkunden, für die einige Fahrer Besorgungsfahrten erledigen oder auch mal ein Rezept abholen, fällt ihm niemand ein. Auch ein paar Krankenfahrten gebe es noch, ergänzt der Praunheimer Taxiunternehmer Sven Adler, etwa mit Krebs- und Dialyse-Patienten. Ansonsten nimmt kaum noch ein Passagier in den eierschalenfarbenen Wagen Platz. Obwohl sich die Fahrer auch im Hinblick auf die Hygiene größte Mühe gäben, sagt Hans-Peter Kratz. Fahrgäste würden meist hinten rechts platziert, so weit weg vom Fahrer wie möglich. Viele Chauffeure trügen Handschuhe, etliche auch Schutzmasken. Und nach jeder Tour versuche man, die Stellen zu desinfizieren, die der vorherige Fahrgast berührt haben könnte. Bisher habe er keine einzige Meldung erhalten, dass ein Taxifahrer in Deutschland infiziert sei, betont der Vorsitzende.

Doch angesichts der geltenden Ausgangsbeschränkungen haben die Chauffeure schlechte Karten. Seine drei Mitarbeiter seien bereits in Kurzarbeit, sagt Sven Adler, der ein Taxi besitzt - "und zwar Kurzarbeit null". Sprich: Sie arbeiten gar nicht mehr. "Wenn doch mal ein Stammkunde anruft, dann springe ich ins Auto und fahre los." Auch Detlef Guske, auf dessen Hof zwei Taxis stehen, hat sich schon nach Kurzarbeit für seine sieben Beschäftigten erkundigt, sie aber noch nicht beantragt. Abgemeldet habe er jedoch seine Mietwagen - "da läuft gar nichts mehr". Auf Taxi-Nachtschichten verzichtet er derzeit ebenfalls. Zuletzt habe er nachts gerade mal 63 Euro Umsatz registriert, erzählt er, bei Lohnkosten von 120 Euro: "Da stelle ich niemanden mehr hin."

Hoffen auf die finanzielle Soforthilfe

Immerhin können sich Taxifahrer derzeit für sechs Wochen vom Ordnungsamt von ihrer Betriebspflicht befreien lassen. Normalerweise müssen die Unternehmer ihre Wagen nämlich im Einsatz halten, wenn sie ihre Taxikonzession behalten wollen. Die Befreiung helfe vielen allerdings kaum weiter, sagt Sven Adler: "Denn sie können ihr Fahrzeug nicht abmelden. Die Versicherung dafür läuft ja weiter. Für jemanden, der anfängt, liegt die pro Jahr bei rund 6000 Euro pro Auto. Bei mir sind es noch etwa 3000 Euro." Nicht zu vergessen weitere Fixkosten wie Beiträge für die Taxizentrale sowie bei größeren Betrieben die Mieten für Büro, Werkstatt und Ähnliches und die Löhne für Büroangestellte.

Die Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen, die nun möglich ist, sei höchstens ein kleiner Lichtblick, sagt Hans-Peter Kratz: "Stundung bedeutet ja, dass ich es irgendwann bezahlen muss. Das ist kein geschenktes Geld." Stattdessen bauen er und seine Kollegen auf die versprochene Soforthilfe für kleine und mittlere Firmen in Hessen. Zwischen 10 000 und 30 000 Euro soll es pro Unternehmen geben, je nach Anzahl der Beschäftigten. "Wir hoffen, dass das klappt und dass das Geld schnell fließt", sagt Kratz.

Brigitte Degelmann

In einem offenen Brief kritisiert die Frankfurter Taxi-Vereinigung, dass trotz der geltenden Einschränkungen wegen der Corona-Krise der Mietwagenverkehr im Gelegenheitsverkehr weiterhin erlaubt ist. Hier sei aber weder ein Abstand von 1,5 Metern einzuhalten noch garantiert, dass nicht mehr als zwei Menschen zusammentreffen. Dies sollten die zuständigen Behörden so- fort unterbinden. "Wenn die restlichen Umsätze des Taxigewerbes hier weiter in gesetzwidriger Form geschmälert werden, wird das Taxigewerbe die Versorgung der Alten, Kranken, von medizinischem Personal und allen, die jetzt dringend auf das Taxi angewiesen sind, nicht mehr darstellen können", warnt Taxi-Vereinigungs-Vorsitzender Hans-Peter Kratz. 

bid

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