+
Die Clublandschaft in Frankfurt hat angesichts der Schließungen wegen des Coronavirus Angst um ihre Existenz (Symbolbild).

Schließungen

Schließungen wegen Corona: Die Musik- und Clubszene kämpft um ihre Existenz

  • schließen

Wegen der Corona-Pandemie sind auch in Hessen alle Musikclubs geschlossen. Die Betreiber und andere Kulturschaffende fürchten um ihre Existenz. 

  • Aufgrund der Corona-Pandemie sind alle Musikclubs geschlossen
  • Clubbetreiber, Musiker und andere Selbstständige in Hessen bangen um ihre Existenz
  • Jetzt sagt die Politik Hilfe zu

Frankfurt - Wegen der Corona-Pandemie sind alle Musikclubs seit einer Woche geschlossen. Während Angestellte hochsubventionierter städtischer Kultureinrichtungen wie Theater und Oper abgesichert sind, stehen die zahlreichen Selbstständigen - Clubbetreiber, Konzertagenturen, Künstler, Techniker - vor gewaltigen Problemen. Der Ruf nach finanzieller Hilfe durch die öffentliche Hand ist längst ein ernster Alarm.

Coronavirus bedroht auch die Club- und Musikszene: Selbstständige sind unter Druck

Ralf Scheffler, obwohl Geschäftsführer der legendären "Batschkapp", Frankfurts größtem Musik- und Konzertclub mit Platz für über 1000 Besucher, sowie des "Nachtleben" an der Konstablerwache kämpft seit Tagen wie alle anderen Clubbetreiber um die Existenz. "Meine Fixkosten betragen monatlich circa 80 000 bis 100 000 Euro. Pachten, Gema, Strom, Werbung, Personal, Versicherungen, Fuhrpark. Ich verhandle mit Banken und Steuerberatern, habe alles runtergefahren. Aber bleibe immer noch bei 40 000 Euro."

Kurzarbeit für die zehn Festangestellten muss Scheffler beantragen, kommt aber bei der Arbeitsagentur nicht so schnell durch wie erhofft. Besonders schlimm sei es um die vielen Freiberufler in der Branche bestellt. "Meine Licht- und Tontechniker konnten bisher von ihren Jobs leben, weil es überall Konzerte gab. Das ist alles weggebrochen!" Ob die Jobcenter für die Freiberufler nun unbürokratischer und damit schneller die Grundsicherung und sogar Mietkosten für größere Wohnungen durch Hartz IV gewähren, wird man sehen müssen. Das Bundesarbeitsministerium hat das in Aussicht gestellt. Es wird nötig sein: Denn surft man allein mal auf der Batschkapp-Homepage, muss man lange scrollen, bis man das Ende der Konzertabsagen und -verschiebungstermine erreicht.

Geschäftsführerin des Clubs „Das Bett“: Angesichts der Corona-Krise ohne Hilfe „am Rande des Abgrunds“

Auch Missy Motown (Künstlername), Geschäftsführerin des Musik- und Konzertclubs "Das Bett" im Gallus, sagt: "Ich fahre runter, was geht." Vor einiger Zeit hat sie 80 000 Euro in den Ausbau des Clubs gesteckt, um Platz für nicht mehr nur 300, sondern 800 Gäste zu bieten. "Die Investition kommt jetzt wie ein Bumerang zurück." Bis zur Corona-Pandemie "lief der Club gut. Ich bin mit Herzblut dabei, biete ein bestimmtes musikalisches Programm, das gut ankommt." 

Nun spricht sie mit Banken, Versicherungen und Steuerberatern, beantragt Kurzarbeit für ihre sechs Angestellten. Ihre monatlichen Fixkosten betragen rund 40 000 Euro, auf maximal die Hälfte kann Missy Motown sie reduzieren. Sie tauscht sich mit Kollegen aus: "Wir stehen am Rande des Abgrunds. Wenn man uns jetzt nicht hilft, sind wir nicht überlebensfähig."

Schließungen wegen Coronavirus:  Existenzängste in Musik- und Konzert-Branche 

Dass in der Musik- und Konzert-Branche seit den gesetzlich angeordneten Schließungen maximale Existenzängste herrschen, bestätigt Julia Frank, Tour-Managerin bei der Konzertagentur Wizard Promotions in Frankfurt. Sie liebt die Clubszene, hat darum einen Brief, eher einen Hilferuf an Kulturdezernentin Ina Hartwig und Oberbürgermeister Peter Feldmann (beide SPD) geschickt. Sie und Scheffler bitten um Hilfe und Gespräche. Es bedürfe "dringend einer finanziellen Unterstützung der Frankfurter Spielstätten". Und: "Wir brauchen eine kurzfristige Lösung, um uns in den nächsten zwei Monaten über Wasser zu halten."

Julia Frank betont: "Es muss dringend eine Entscheidung der Politik fallen, damit die Clubs nicht auf sich allein gestellt sind. Wenn diese aus Solidarität und Überzeugung heraus freiwillig ihre Läden schließen, gehen sie komplett selbst in die Haftung und verwirken angesichts der momentanen Rechtslage die Zukunft ihrer Betriebe und damit auch die Existenzen aller Mitarbeiter."

Corona-Krise: Kulturdezernentin sagt Hilfe zu

Gestern antwortete Dezernentin Hartwig. "Wir haben den Ernst der Lage erkannt: Die Auswirkungen auf den Kulturbetrieb sind massiv, gefährden Existenzen und treffen die Kultur ins Mark. Dazu gehört auch die Frankfurter Clubszene, die einen wichtigen Teil der Kulturlandschaft ausmacht und nun erheblichen Einbußen gegenübersteht - auch durch den Ausfall des Musikmesse-Festivals Anfang April." Hartwig versichert: "Bereits getätigte zweckgebundene Förderzusagen, auch an die Freie Szene, werden eingehalten, trotzdem entsprechende Veranstaltungen ausfallen. Zudem besteht die Möglichkeit, für Zuschussempfänger gestaffelte Auszahlungen vorzuziehen, um akute Bedrängnisse abzuwehren."

Hartwig setzt sich auch für die Einrichtung eines Notfallfonds für die Kultur ein. Magistratsintern laufen hierzu Gespräche, etwa mit Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU). "Wenn für Wirtschaft und Soziales Maßnahmenpakete ankündigt werden, darf die gesellschaftliche Infrastruktur der Kultur nicht vergessen werden!", so Hartwig. Die zugesagte Förderung im Zuge des Musikmesse-Festivals werde eingehalten.

Angesichts Corona-Krise brauche Kulturbetrieb in Frankfurt jetzt Solidarität und Unterstützung

Unterstützung fordert Hartwig aber nun auch von der Landes- und Bundesregierung. Die Gespräche liefen bereits. Die kulturellen Institutionen und Kulturschaffenden in Frankfurt bräuchten jetzt Solidarität und Unterstützung, "damit das vielfältige kulturelle Leben (...) nicht nachhaltig Schaden nimmt".

Klaus Bossert vom Verein "Clubs am Main.de" ist froh über diese klare Stellungnahme; er kümmert sich bis hin zur Landesebene um Themen rund um die Club- und Ausgehkultur, pflegt den Dialog mit Ämtern, Behörden sowie der Politik. Gemeinsam mit Julia Frank organisierte er gestern eine Telefonkonferenz mit etwa 15 Frankfurter Clubbetreibern. Und Julia Frank sagt: "Wir bleiben dran am Thema. Die Musikclubszene darf einfach nicht sterben!"

Von Ute Vetter

In der Corona-Krise gibt es deutlich weniger Fahrgäste in Frankfurt. Bahnen und Busse fahren daher von Montag an im Sonntagstakt* - so was führt andernorts zu Gedränge.

Wegen der Corona-Krise bangen auch viele Berliner Clubs um ihre Existenz. Mit einer Aktion zeigen sie: Wir sind noch da!

Unterwegs in Frankfurt: Das Coronavirus kommt langsam in den Köpfen an. Noch ist die Bedrohung nicht spürbar, aber die Unsicherheit wächst bei den einen, die anderen reagieren erstaunlich gelassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare