Die Corona-Leugner demonstrierten ohne Maske, hier in der Freßgass'. Das ließ die Polizei nicht durchgehen und prompt löste sich der Spuk nach 200 Metern auf.
+
Die Corona-Leugner demonstrierten ohne Maske, hier in der Freßgass'. Das ließ die Polizei nicht durchgehen und prompt löste sich der Spuk nach 200 Metern auf.

Pandemie

Corona-Leugner geben Demo schnell auf

  • vonSabine Schramek
    schließen

Die Polizei stoppte einen Zug mit nur rund 80 Teilnehmern wegen Missachtung der Hygiene-Auflagen.

Frankfurt -Samstag, Alte Oper, 14 Uhr, 34 Grad Celsius im Schatten: Ein Plakat mit der Aufschrift "Widerstand 4.0" hängt vor dem Haupteingang des prächtigen Gebäudes. Einzelne Redner und nur etwa 80 Zuhörer wollen ohne Masken durch die Stadt ziehen. Sie reden von Zwangsimpfungen, Machteliten und davon, dass Kinder weggenommen werden, um sie zu "reparieren". Und davon, dass sie sich "wie im Irrenhaus fühlen, die zu Zombies gemacht werden sollen." Die Gruppe "Widerstand 4.0" ist aus der Initiative "Stopp5G" entstanden. Schilder mit der Aufschrift "Sei kein Schaf", "Ich will atmen", "Freiheit für die Gefangenen in Seniorenheimen" mischen sich bei den knapp 80 Anhängern. Sie tragen keine Mund-Nase-Schutzmasken.

Ein Mann trägt einen Sticker "Ich bin keine Laborratte", ein anderer ein T-Shirt mit der Aufschrift "#Querdenken69". Eine Frau trägt ein Glitzerkleid und einen schwarzen Rüschenschirm. Neben ihr steht ein Mann mit Dutt in einem weißem Schutzanzug, der bunt bemalt ist. Sein Hund hechelt in der Hitze, Wasser bekommt er nicht. Die Polizei ist stark vertreten. In voller Montur und mit schwarzen Masken.

Nach einer Stunde voller Verschwörungstheorien wollen die Demonstranten durch die Stadt marschieren. Von der Alten Oper über die Freßgass' zur Zeil, über die Berliner Straße via Paulskirche und Braubachstraße zurück zur Alten Oper zur Kundgebung. Sie wollen Anhänger finden und bieten Listen an, um sich einzutragen. Es kümmert niemanden. In Cafés und Geschäftseingängen schütteln Bürger die Köpfe. Manche lachen.

Die Redner fabulieren etwas von "großer Teilnahme", als der Demo-Zug sich langsam Richtung Freßgass' bewegt. Keiner trägt eine Maske. Nur Hüte, Baseballcaps, ein Kopftuch, Schals, Sonnenbrillen und dicke schwarze Wollstrümpfe sind zu sehen. Die Protestierer fürchten "eine grundlegende Transformation der Gesellschaft hin zu einer technokratischen Diktatur mit totaler Entmündigung und Überwachung." Die Demonstration wurde vom Ordnungsamt nur unter der Auflage genehmigt, dass Masken getragen werden müssen. "Bei 40 Grad trägt man keine Maske" rufen die Protestierer Polizisten und Passanten zu. Bis zur Ecke Kalbächer Gasse. Ab dort lässt sie die Polizei nicht weitergehen.

Der Einsatzleiter wiederholt die Auflagen ruhig und geduldig, währen die Demonstranten pfeifen und Meinungsfreiheit fordern. "Ja, aber mit Maske. Sonst kann die Veranstaltung nicht stattfinden", kontert der Beamte. Nach einer halben Stunde ziehen einige Protestierer schmuddelige Masken, Tücher oder T-Shirts über Mund und Nase; eine Frau eine Art Fischernetz, andere nur ein Blatt Papier. Das Gros reagiert gar nicht. Per Mikrofon sagt der Veranstalter: "Macht mit. Nehmt es der Polizei nicht übel. Sie bekommt die Befehle von oben. Und hat Angst." Niemand zieht eine Maske an. Von den knapp 80 Teilnehmern ist die Hälfte gegangen. Der Veranstalter resigniert, löst den Spuk auf. "Für die paar Leute, die eine Maske tragen wollen, lohnt es sich nicht." Der Zug ist keine 200 Meter weit gekommen. Ob sich die Corona-Leugner das nächste Mal an die Maskenpflicht halten, bleibt offen. Ihr Orakel lautet, dass sie demnächst zu "Hunderttausenden unterwegs sein werden". Sabine Schramek

In Wiesbaden findet wieder eine Demo gegen die Corona-Maßnahmen statt. Rund 3000 Teilnehmer könnten es werden. Die Stadt reagiert mit strengen Auflagen.

In der wichtigsten Einkaufsstraße von ganz Hessen muss sich etwas grundlegend ändern. Denn die Zeil in Frankfurt droht zu veröden, Corona und Online-Handel setzen den Geschäften massiv zu. Wer macht den ersten Schritt?

Bei einer Demo bei Ikea in Frankfurt demonstrieren rund 500 Teilnehmer gegen ein geplantes Gewerbegebiet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare