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„Zeigt her Eure Hände“: Evangelia Wellert vom Gasthaus "Zum Bären" in Frankfurt begrüßt ihre Stammgäste Ute Havenstein und Knut Schulz wegen Corona mit Desinfektionsmittel. Der Restaurantbesuch nach der Wiedereröffnung war den beiden „eine Herzenssache“.

Großer Andrang

Corona-Lockerungen in Frankfurt: Restaurants öffnen wieder – „Schon am Limit“

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Bei der Wiederöffnung der Restaurants auf dem Schlossplatz in Frankfurt gibt es großen Andrang.

  • Die Corona*-Regeln in Frankfurt werden Stück für Stück gelockert
  • Restaurants werden wieder geöffnet
  • Ob sich der Neustart finanziell lohnt, wird die Zukunft zeigen

Frankfurt – Der vorsichtige Neustart der drei Traditionshäuser „Alte Zollwache“, „Zum Bären“ und „Zum Schwan“ am Höchster Schlossplatz in der Corona-Krise verlangte den Gastronomen und ihren Besuchern einiges ab: Die Restaurantbetreiber und ihre Mitarbeiter brauchten vor allem Nervenstärke, um auf die Einhaltung der Sicherheitsregeln zu achten. Von den Gästen wiederum war vor allem Geduld gefordert. Denn der Andrang bei herrlichem Ausflugswetter erwies sich als beträchtlich - der Schlossplatz glich zeitweise einem Bienenstock. Und manche „Biene“ musste noch ein, zwei Ehrenrunden drehen, ehe sie an den Honig kam, sprich: Es sich auf den hölzernen Bänken der Traditionsgaststätten gemütlich machen durfte.

Corona-Lockerungen in Frankfurt: Restaurant öffnen wieder – „Im Außenbereich bin ich leider schon am Limit“

„Im Außenbereich bin ich leider schon am Limit“, begrüßt die charmante Evangelia Wellert vor dem Gasthaus „Zum Bären“ zwei ältere Damen. „Aber drinnen kann ich Ihnen noch Plätze anbieten - sonst müssten Sie in einer halben Stunde noch einmal wiederkommen.“

Die Seniorinnen entscheiden sich für den Innenbereich, werden aber vorher noch über die Sicherheitsregeln aufgeklärt: Schon am Einlass des Außenbereichs müssen sie sich die Hände an einem Seifenspender reinigen, werden dann mit Mundschutz an ihren Plätze im Restaurant-Inneren geführt und dürfen ihn erst dort wieder abnehmen. Zudem hinterlegen sie ihre Kontaktdaten auf einem Blatt Papier. Die Damen ertragen das Prozedere geduldig und mit unerschütterlich guter Laune. „Wie die große Mehrheit aller Besucher“, hat Evangelia Wellert beobachtet. Mit ihrem Mann Frank betreibt sie das Gasthaus in Frankfurt-Höchst seit 1995. Der fasst den Neustart nach der Corona-Zwangspause so zusammen: „Wir holen uns ein Stück Normalität zurück.“

Offene Restaurants in der Corona-Krise: Lohnt sich der Neustart finanziell?

Ob sich das finanziell überhaupt lohnt, können weder er noch seine Kollegen von der „Alten Zollwache“ und „Zum Schwan“ in Frankfurt sagen. Dennoch sieht Wellert die Wiedereröffnung als wichtigen Schritt auf dem Weg aus der Corona-Krise. Wenn auch mit Einschränkungen, denn wegen des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands für die gastronomischen Betriebe kann er nur etwa 10 Prozent seiner normalen Kapazität anbieten. Draußen dürfen gerade mal 22 Besucher anstatt sonst 200 sitzen. Drinnen sind es noch mal 23. Geschuldet ist das der Regel, dass Restaurants pro fünf Quadratmeter nur einen Gast bewirten dürfen: Dadurch bleiben viele Tische leer, was manche Besucher irritiere: „Da ist doch noch frei, wieso kann ich mich denn da nicht hinsetzen?", fragten die dann.

Auch eine andere Vorschrift macht Wellert zu schaffen: An einen Tisch darf er jeweils nur Mitglieder zweier Haushalte platzieren. Eine achtköpfige Fahrradgruppe musste er etwa an vier Tischen nebeneinander setzen. „Hinterher umarmten die sich dann draußen und fuhren weiter“, schildert der Wirt. Seine Mitarbeiter hat er in der Corona-Krise zwei Teams aufgeteilt, die sich nicht begegnen dürfen. „Die erste Schicht macht zwischen 16 und 17 Uhr die Küche zu, um 17 Uhr übernimmt dann Team B“ erklärt er. „Sollte sich ein Team infizieren, hätten wir immer noch ein zweites, arbeitsfähiges - andernfalls würden die Behörden den Laden wahrscheinlich komplett schließen.“

Corona-Lockerungen in Frankfurt: Gäste schätzen Wiederöffnung der Restaurants

Doch viele Restaurantgäste an diesem sonnigen Sonntag schätzen die Wiedereröffnung. Wie das Höchster Ehepaar Ute Havenstein und Knut Schulz. Sie haben einen Tisch im Außenbereich erwischt und genießen, „was wir schon ewig vermisst haben“, wie es Knut Schulz ausdrückt. Er gönnt sich eine halbe Haxe mit einem Äppler, sie genießt ein Frankfurter Schnitzel mit grüner Soße, dazu ein Bayerisch Hell. „Der Schlossplatz und diese Restaurants“, sagt Ute Havenstein, „sind ein Stück Höchst - das darf nicht sterben“. Deshalb seien ihr Mann und sie vor 50 Jahren hierher gezogen. Insofern ist ihr Besuch beides: Eigener Genuss, aber auch ein Zeichen der Unterstützung für ihr Lieblingsrestaurant.

Von Michael Forst

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