Mr. Lordi bei seiner Stippvisite in Frankfurt. Der Sänger der finnischen Monster-Rocker "Lordi", ESC-Sieger 2006, sehnt sich nach Konzerten mit viel Publikum - und hat auch deshalb kein Verständnis für Leute, die sich nicht impfen lassen.
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Mr. Lordi bei seiner Stippvisite in Frankfurt. Der Sänger der finnischen Monster-Rocker "Lordi", ESC-Sieger 2006, sehnt sich nach Konzerten mit viel Publikum - und hat auch deshalb kein Verständnis für Leute, die sich nicht impfen lassen.

Kultur

Corona macht Mr. Lordi zum Arbeitstier: Monster-Rocker bringt sieben Alben gleichzeitig heraus

  • VonEnrico Sauda
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Der Sänger der finnischen Band "Lordi" hat in der Pandemie 78 Songs geschrieben. In Frankfurt warb er nun fürs Impfen.

Einst sorgten sie in ganz Europa für amüsanten Grusel mit einem für den Eurovision Song Contest ungewöhnlich brachialen Rock und vor allem mit ihrer Monster-Show. Und weil die finnischen Musiker der Band "Lordi" bis heute einen Heidenspaß daran haben, sich für jeden Auftritt zu maskieren und zu kostümieren, als wäre jedes Mal Halloween, sind sie natürlich prädestiniert für den aus den USA importierten Horror-Schabernack.

Anlässlich von Halloween spielten also Mr. Lordi und seine Band auf Burg Frankenstein. "Das war lustig, denn es war wohl das erste Mal, dass das Publikum genauso hübsch war wie wir, weil alle Masken trugen", freute sich Frontmann Mr. Lordi, der gestern nun Frankfurt einen Blitzbesuch abstattete. "Wir haben hier bestimmt auch schon mal gespielt", sagt Tomi Petteri Putaansuu , wie Mr. Lordi mit bürgerlichem Namen heißt - aber wann und wo, das weiß er nicht mehr.

Der jüngste Auftritt war einer der zuletzt seltenen, denn die Pandemie machte auch der Gruppe, die 2006 mit dem Lied "Hard Rock Hallelujah" in Athen den European Song Contest (ESC) gewann, reichlich Striche durch die Rechnung. "Lordi" mussten ihre Tour immer wieder verschieben.

"Das alles hat mein Leben nicht verändert", sagt Mr. Lordi mit Blick auf den ESC-Sieg damals. "Was sich geändert hat, ist der Bekanntheitsgrad der Band, doch mein Leben ist noch dasselbe. Ich esse, trinke, schlafe noch wie vorher", so Mr. Lordi. "Aber klar, der Band hat das gutgetan. Alle dachte, dass du Tonnen von Geld bekommst, aber das ist nicht so. Was du bekommst, ist Aufmerksamkeit."

Und die hält bis heute an, so dass die Monster-Rocker nie von der Bildfläche verschwunden sind. Erst letztens geriet Mr. Lordi in die Schlagzeilen, als er sich werbewirksam bei einer Impf-Veranstaltung im nordfinnischen Rovaniemi seine zweite Dosis verabreichen ließ. Der Impfstoff kam aus dem Rhein-Main-Gebiet. "Biontech Pfizer war's", sagt er und zeigt das Pflästerchen, das die Einstichstelle auf dem Panzer seines linken Armes symbolisch schützen soll. Denn eins ist klar: Selbst Musik-Monster sind nicht vor Corona sicher. "Ich finde: Außer Menschen, die einen medizinischen Grund haben, es nicht zu tun, sollte sich jeder impfen lassen", sagt Mr. Lordi. "Es geht doch darum, die Welt wieder zu öffnen."

Denn die Welt stand still und tut es immer noch ein bisschen. Aber Mr. Lordi nicht. Schließlich ist er laut Sage ein Nachkomme von Dämonen und Trollen und verfügt somit über übernatürliche Kräfte und Ausdauer. Beides setzte er in der Corona-Pandemie effektiv ein, ging ins Studio und war fleißig. Und wie.

Entstanden sind sage und schreibe sieben neue Platten, die Ende des Monats alle gleichzeitig erscheinen. "Das war gar nicht so viel Arbeit, wie alle zuerst denken", sagt Mr. Lordi, der insgesamt 78 Songs aufgenommen hat. "Ich schreibe sowieso so viele Lieder", erklärt er. "Klar, ohne Corona und Lockdown wäre es nicht möglich gewesen, sieben Alben aufzunehmen."

Da Masse aber bekanntlich nicht unbedingt Klasse ist, stellt sich schon die Frage, ob er mit dem Ergebnis rundum zufrieden ist. "Und ob", sagt Mr. Lordi, "ich weiß, was ich tue. Ich schreibe auch nicht für unsere Fans oder sonst wen, sondern für mich. Und wenn jemand anderer es auch mag, dann ist es eben ein Plus", schildert er seine Herangehensweise. "In der Sekunde, in der du beim Schreiben an jemand anderen denkst, ist es vorbei."

Übrigens ist auch Mr. Lordi ein großer Fan: von Heavy-Metal-Sänger Udo Dirkschneider und dessen Band "U.D.O." "Es war das zweite Konzert, das ich in meinem Leben je gesehen habe", berichtet er. "Inzwischen habe ich fast alle seine Konzerte gesehen." Und Dirkschneider ist auch auf "The Arockalypse", dem dritten Album von Lordi, zu hören. "So wurden wir Kollegen, und ich kann ihn jetzt einen Freund nennen."

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