Mit Sorge um seine Musiker-Kollegen und mit Verwunderung über manchen Masken-Muffel blickt Howard Carpendale auf die Corona-Krise.
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Mit Sorge um seine Musiker-Kollegen und mit Verwunderung über manchen Masken-Muffel blickt Howard Carpendale auf die Corona-Krise.

Auftritte in Frankfurt geplant

Howard Carpendale über Corona: „Ich habe Angst, dass ich nie wieder auf der Bühne stehen werde“

  • vonEnrico Sauda
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Dreimal will Schlagerstar Howard Carpendale in der Frankfurter Jahrhunderthalle auftreten – wenn Corona ihn lässt. Im Interview spricht er über die Krise und sein neues Album.

  • Im kommenden Jahr möchte Howard Carpendale in Frankfurt auf der Bühne stehen.
  • Der Schlagersänger hat während der Corona-Krise zwölf Kilo abgenommen – entgegen dem Trend.
  • Er sorgt sich um die Zukunft der Unterhaltungsbranche.

Frankfurt – Die Pandemie hat die Welt weiterhin fest im Griff. Doch Schlagerstar Howard Carpendale lässt sich nicht unterkriegen. Im Gegenteil. Gerade in dieser Phase findet er die Kraft, um eine neue CD aufzunehmen: „Symphonie meines Lebens 2“. Und das wieder in den Abey Road Studios in Liverpool und wieder mit dem Royal Philharmonic Orchestra, aber unter widrigsten Bedingungen. Wegen Corona folgte für Carpendale eine völlig neue Art der Zusammenarbeit über Internet und viele Telefon-Diskussionen mit dem Produzenten-Duo James Morgan und Juliette Pochin. Es war das erste Mal in der langen Karriere des gebürtigen Südafrikaners, dass er nicht am Ort des Geschehens war. Wir sprachen mit ihm über die Produktion, das Älterwerden, über Frankfurt als Auftrittsort und über Corona.

Herr Carpendale, nächstes Jahr sind Sie dreimal in der Jahrhunderthalle - wenn's denn klappt. Frankfurt scheint Ihnen zu liegen.

Mit Frankfurt verbindet mich einiges. Mein früherer Tourneeveranstalter Fritz Rau war in Frankfurt, ich habe ihn oft besucht. Zudem gefällt mir die Jahrhunderthalle einfach sehr gut.

Howard Carpendale verbringt Corona-Lockdown mit der Familie

Wie haben Sie die Zeit des Lockdowns verbracht?

Ich war viel mit meiner Familie zusammen, habe gelesen, Musik gehört und Filme und Serien geschaut.

Welche Folgen hatte die Pandemie für Sie?

Ich habe zwölf Kilo abgenommen. Genau gegen den Trend.

Warum?

Ich habe mich zu Beginn des Lockdowns gefragt, was ich Sinnvolles machen könnte in den kommenden Wochen und Monaten. Da habe ich begonnen, auf meine Ernährung zu achten.

Haben Sie noch andere Ziele, was Ihr Gewicht betrifft?

Ja. Ich möchte insgesamt 20 Kilo abnehmen.

Schlagersänger Carpendale will nur noch 1500 Kalorien pro Tag essen

Und wie? Mit Ernährungsberater?

Nein. Ich glaube nicht, dass das nötig ist. Ich habe mir gesagt, dass ich höchstens 1500 Kalorien pro Tag essen möchte. Nach dem dritten Tag ist das sehr einfach. Jetzt denke ich überhaupt nicht mehr darüber nach. Zudem unterstützt mich meine Frau sehr, so dass es mir nicht schwerfällt.

Haben Sie Angst?

Wegen Corona?

Kein Ende der Corona-Krise in Sicht

Ja. Wegen allem ...

Ja. Aber Angst ist das falsche Wort. Ich bin vorsichtig. Ich bin verwundert darüber, wie viele Menschen sich noch gegen Abstand und das Tragen von Masken wehren. Angst habe ich davor, dass ich vielleicht nie wieder auf der Bühne stehen werde. Das Schlimmste an diesem Virus ist doch, dass wir kein Ende der Krise sehen können. Wenn wir ein Datum hätten, würden wir anders damit umgehen.

Apropos Datum. Freuen Sie sich aufs nächste Jahr - Sie werden 75.

Nein, ich bin eher skeptisch. Aber ich werde nicht feiern. Das habe ich nie gemacht. Ich gehe wohl mit der Familie essen. Alles ganz unaufgeregt.

Und was wünschen Sie sich zum Geburtstag?

Dass diese Scheiß-Pandemie zu Ende geht.

Wuchtiges Album von Schlagerstar Howard Carpendale

Sie haben "Symphonie meines Lebens 2" unter besonderen Umständen aufgenommen - merkt man das dem Album an?

Im Vergleich zu Teil eins ist es wuchtiger und größer geraten. Es enthält auch viel mehr ausgefallene Arrangements. Es war sogar gut, dass die Musiker getrennt aufgenommen haben, so blieb mehr Zeit, sich auf die verschiedenen Segmente des Orchesters zu konzentrieren.

Für die Musiker ein willkommener Anlass, in Corona-Zeiten mal wieder zu spielen.

Es ist viel trauriger. Es war das erste Mal seit vielen Monaten, dass sie zusammen spielten. Und es kommt noch schlimmer: Möglicherweise war es auch das letzte Mal. Das wäre eine Katastrophe.

Wegen der Finanzen?

Ja. Das ist auch bei uns in Deutschland eine große Tragödie. Denn die Politiker tun so, als wäre die Unterhaltungsbranche nicht systemrelevant. Aber das ist nicht so. Tausende leiden.

Sie auch?

Ja, aber nur weil es meine Leidenschaft ist, auf der Bühne zu stehen. Und ich weiß ja auch nicht, wie viel Zeit ich noch habe.

Corona: Gewöhnungsbedürftige Zusammenarbeit mit Produzenten und Orchester

Wie war denn die Zusammenarbeit über mehr als 1000 Kilometer mit Produzenten und Orchester?

Gewöhnungsbedürftig. Das Orchester hat aufgenommen, die Aufzeichnungen rübergeschickt, und dann habe ich drübergesungen und gemischt.

Sie mischen selbst?

Mit dem Neffen von Giorgio Moroder, Wolfgang Moroder . Ich habe ihn für diese Platte entdeckt und halte viel von ihm.

Carpendale glaubt nicht an volle Säle im kommenden Jahr

Haben Sie Hoffnung, dass es nächstes Jahr wieder losgeht?

Es wird auf jeden Fall eine schwierige Zeit werden. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass ein Saal zu hundert Prozent ausgelastet sein wird.

Würden Sie dann zwei Shows am Tag geben?

Ich werde dann 75 sein. Einmal, das könnte ich mir schon vorstellen, aber eine ganze Tournee mit zwei Konzerten pro Tag...

"Dann geh doch" ist die erste Single-Auskopplung - warum diese? Wenden Sie sich damit gegen Corona?

Nein, wir haben uns dafür entschieden, weil dieses Lied das Orchester und seinen Klang am besten widerspiegelt.

Warum haben Sie "Symphonie meines Lebens 2" gemacht? Des Geldes wegen?

Nein. Der finanzielle Erlös aus den CD-Verkäufen ist längst nicht mehr das, was er einmal war. Mir geht es vielmehr darum, eine Erfolgsserie weiterzuführen. Es macht schon Spaß, in meinem Alter in den Charts zu stehen. (Das Interview führte Enrico Sauda)

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