Frankfurt Corona Maskenpflicht Hygiene-Regeln Verstoß
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Die Stadtpolizei kontrolliert an der Frankfurter Konstablerwache eine Frau, die sich nicht an die Maskenpflicht gehalten hatte.

Pandemie

Corona in Frankfurt: Tausende Anzeigen - Menschen halten sich nicht an Hygiene-Regeln

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Trotz hoher Corona-Todeszahlen verstoßen viele Menschen weiter gegen Hygiene-Regeln. Allerdings ist nicht jeder Hinweis auf einen vermeintlichen Verstoß berechtigt.

Frankfurt – Die Inzidenz liegt bundesweit knapp unter 200. Die Kontaktpersonen zu ermitteln, ist den Gesundheitsämtern schon lange nicht mehr möglich. Deswegen ist das Land seit einigen Tagen im fast völligen Lockdown. Fast. Denn während Schulen geschlossen sind, die Kirchen ihre Weihnachtsgottesdienste ausfallen lassen und die Theater keine Aufführungen mehr haben, läuft der Probebetrieb in den Städtischen Bühnen weiter.

Eine Leserin dieser Zeitung klagt: „Zu den Proben kommen Menschen aus mehr als zwei Haushalten und verschiedenen Regionen zusammen. Diese fahren in der Regel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ja, ein Hygienekonzept ist wohl erstellt worden, aber das hatten die Gastronomie und der Einzelhandel auch. Muss wirklich jedes Schlupfloch genutzt werden, um den Lockdown zu umgehen?“ Bittere Vorwürfe, die die Leserin vorbringt.

Theaterproben sind auch während der Corona-Pandemie unverzichtbar

Holger Engelhardt, Sprecher der Oper Frankfurt, bestätigt: „Unser Probebetrieb ist vom Lockdown nicht umfasst, und wir proben in der Tat.“ Der Grund sei klar: „Wenn die Theater im Januar wieder öffnen, wollen wir dem Publikum etwas zeigen können.“ Das bedeute, dass die Stücke einstudiert werden bis zur Stufe der Generalprobe. „Wir haben mehrere Produktionen vorbereitet und könnten jederzeit wieder öffnen.“

Vorbereitung sei eben wichtig für den Kulturbetrieb. Engelhardt versichert: „Wir haben ein ausgeklügeltes Hygienekonzept und halten uns strikt an die Regeln. Wir proben nur mit Abstand und Mund-Nasenschutz.“ Engelhardt bittet um Verständnis: „Auf Proben verzichten geht nicht.“ Der Betrieb müsse auch bei geschlossenen Türen weitergehen, wenn auch nur auf kleiner Flamme.

In der Innen- und der Altstadt hängen Schilder, die auf die Maskenpflicht hinweisen. Im Freien müssen zwischen 8 und 22 Uhr Mund-Nasen-Schutzmasken getragen werden als Reaktion auf die Verschlechterung der Corona-Infektionslage. Hier das Schild an Neue Kräme/Berliner Straße.

Beobachtungen zu Corona-Verstößen in Frankfurt

Besonders am Anfang des zweiten harten Lockdowns gab es eine Reihe von Beobachtungen. Ein Leser berichtet, in einer Fahrschule unterrichte der Lehrer die Theorie, während die Maske unter seinem Kinn baumele. Die meisten Schüler trügen Masken, die paar, die es nicht tun, „werden vom Lehrer unterstützt“, so der Leser.

Eine Leserin erzählt von ihren Beobachtungen in verschiedenen Einzelhandelsunternehmen. Ein junger Mann scanne seine Waren ein und halte dabei ein Papiertaschentuch vor den Mund. „Er ist durch den großen Markt unbehelligt ohne Maske durchgekommen, obwohl da mehrere Mitarbeiter Ware auspackten. Erst der Aufpasser am Selbstzahlpoint macht ihn ‚sehr nachsichtig darauf aufmerksam‘, das nächste Mal eine Maske zu tragen.“ Auch die Desinfektion der Griffe der Einkaufswagen werde nicht immer ernst genommen, so diese Leserin.

Rund 200 000 Kontrollen wegen möglicher Corona-Verstöße durch das Ordnungsamt

Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamtes, sagt dazu: „Wenn wir Beschwerden von Bürgern bekommen, gehen wir dem nach.“ Dies könne nur im Nachgang geschehen: „Meist ist es dann beispielsweise in Supermärkten so, dass alles in Ordnung ist. Andernfalls gibt es eine Ordnungswidrigkeitsanzeige. Wir weisen aber die Mitarbeiter darauf hin, dass es eine Beschwerde gegeben habe und sie darauf achten müssen.“ Was den Leserhinweis auf die Fahrschule betrifft, so hat Jenisch diesbezüglich nichts gehört: „Eine Fahrschule wurde bei uns, soweit ich mich erinnere, nicht gemeldet.“

Schon seit März ist Corona Thema für das Ordnungsamt Frankfurt

Die Mitarbeiter des Ordnungsamts achteten schon seit März bei jedem Rundgang auf die Corona-Problematik – „natürlich ohne die sonstigen Aufgaben zu vernachlässigen“, wie Jenisch hinzufügt. Fast 200.000 Kontrollen in Sachen Corona seien in den vergangenen Monaten erfolgt, alleine 7500 schriftliche Anzeigen wurden geschrieben. „Daneben gibt es eine nicht zu beziffernde Anzahl an mündlichen Aufforderungen“, so der Sprecher des Ordnungsamtes.

„Alleine wenn Leute in Einkaufsstraßen keine Masken getragen haben, hat dies bislang zu rund 2500 Anzeigen geführt.“ Außerdem gab es Kontrollen bei Einzelhändlern, Gewerbeunternehmen und Restaurants, solange diese noch offen waren. Aber alles zu überwachen, sei einfach nicht möglich. (Thomas J. Schmidt)

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