Edith Kleber managt die Frankfurter Tafel seit vielen Jahren. Durch die Corona-Pandemie ist die Arbeit mühevoller geworden.
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Edith Kleber managt die Frankfurter Tafel seit vielen Jahren. Durch die Corona-Pandemie ist die Arbeit mühevoller geworden.

Corona-Krise

Tafel in Frankfurt: Kunden ignorieren Corona-Regeln

  • vonBrigitte Degelmann
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Die Arbeit bei der Tafel in Frankfurt ist durch die Corona-Krise schwieriger geworden, weil sich einige Besucher nicht an die Abstands- und Hygieneregeln halten.

Frankfurt - Einfach war die Arbeit der Frankfurter Tafel noch nie. Doch in diesem Jahr ist sie wegen der Corona-Pandemie besonders schwierig. Vor allem an den Lebensmittelausgaben, wo oft großer Andrang herrscht. Seit März müssen die 182 Ehrenamtlichen dort nicht nur darauf achten, das gespendete Obst und Gemüse sowie Brot, Käse, Milchprodukte und vieles andere möglichst gerecht zu verteilen. Sondern sie sollen auch ein Auge darauf haben, dass die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden - dass die Kunden also Masken tragen und sich nicht zu nahe kommen.

Tafel in Frankfurt: Abstandsmarkierungen auf dem Boden

Gerade letzteres sei schwierig zu bewerkstelligen, seufzt Edith Kleber, Zweite Vorsitzende der Tafel, deren Zentrale kürzlich vom Ostend in Frankfurt nach Fechenheim umgezogen ist. An vier Ausgabestellen hat sie zuletzt mitgearbeitet und oft erlebt, wie sorglos sich manche über die Vorschriften hinwegsetzen, obwohl die ehrenamtlichen Mitarbeiter mit Klebestreifen oder Kreidestrichen für Abstandsmarkierungen sorgen. Aber: „Für viele ist es ein Problem, sich an Regeln zu halten“, sagt Kleber. Direkt vor den Ausgabestellen klappt es noch halbwegs, weiter hinten oft nicht mehr. „Ich habe mir den Mund fusselig geredet, dass die Leute Abstand halten sollen“, erinnert sich die 73-Jährige. „Aber manche wollen einfach ein Schwätzchen halten. Es ist schon mühsam.“

Dabei hat die Zahl der Tafel-Kunden in Frankfurt nicht zugenommen, wie man vielleicht vermuten könnte. Vielmehr sei ein leichter Rückgang zu beobachten, um zehn bis 15 Prozent, sagt Edith Kleber. Vermutlich deshalb, weil vor allem Senioren die Ausgabestellen mieden - aus Furcht vor einer Corona-Infektion. Aber das werde sich wohl in den nächsten Monaten ändern, wenn womöglich immer mehr Betriebe aufgeben müssten und die Zahl der Arbeitslosen steige, befürchtet die Zweite Vorsitzende: „Dann wird der Andrang wahrscheinlich wieder zunehmen.“

Junge Helfer für die Frankfurter Tafel

Immerhin hat es die Frankfurter Tafel geschafft, dass ihre Ausgabestellen nicht geschlossen werden mussten. Auch nicht während des Corona-Lockdowns im Frühjahr, als in vielen anderen Städten die Versorgung eingestellt wurde - unter anderem deshalb, weil sich etliche ältere Helfer nicht mehr aus ihren Wohnungen wagten, aus Angst vor Ansteckung. Auch in Frankfurt seien die älteren Ehrenamtlichen zu Hause geblieben, erinnert sich Edith Kleber. Zum Glück hätten sich jedoch viele jüngere Freiwillige gemeldet, sodass die Tafel weitermachen konnte. Ihr Engagement hat sie sogar erweitert: Seit 4. August gibt es im Stadtgebiet eine zwölfte Ausgabestelle, nämlich im Gemeindehaus der evangelischen Kreuzgemeinde in Preungesheim, Jaspertstraße 61.

250 Tonnen an Lebensmitteln werden pro Monat verteilt. Ein gewaltiger logistischer Aufwand. Allein zwölf Kühlwagen seien dafür unterwegs - „dafür haben wir monatlich rund 4000 Euro an Spritkosten“, rechnet die Zweite Vorsitzende vor. Manchmal stößt aber auch die Frankfurter Tafel an ihre Grenzen. Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte könne man beispielsweise an den Lebensmittelausgabestellen nicht berücksichtigen, sagt Edith Kleber: „Das würde unser System aushebeln, das können wir einfach nicht mehr leisten. Wir können nur das weitergeben, was wir selbst bekommen.“

Tafel in Frankfurt: Keine Zuschüsse von Stadt und Land

Schließlich erhalte die Tafel weder von der Stadt Frankfurt noch vom Land Hessen Zuschüsse. Nicht jeder kann die Vorgehensweise der Einrichtung nachvollziehen. Manchmal komme es deswegen zu unschönen Szenen, berichtet die 73-Jährige: „Die Mitarbeiter mussten sich schon anhören, dass sie Nazis seien.“ Wie haltlos dieser Vorwurf ist, zeigt allein schon eine Statistik. Demnach sind unter den Frankfurter Tafel-Kunden rund 70 Prozent Migranten.

Frustrieren lassen will sich Edith Kleber, die sich seit Jahren engagiert, von solchen Anwürfen nicht. Lieber blickt sie auf die positiven Erlebnisse. Zum Beispiel darauf, dass bei einer Spendenaktion in einer Supermarktkette kürzlich mehr als 4000 Lebensmittel-Tüten für die Frankfurter Tafel zusammengekommen sind. Oder auf die Freude vieler Menschen beim Erhalt der Nahrungsmittel. Denn, sagt sie, „70 Prozent der Tafel-Kunden sind wirklich dankbar“. (Brigitte Degelmann)

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