Debatte im Frankfurter Bildungsausschuss

Corona und Schulen: "Luftfilteranlagen ersetzen Lüften nicht"

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Geöffnete Fenster und Masken sind für die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) die beste Lösung für Schulen. Andere Stadtpolitiker fordern Luftfilteranlagen und kritisieren das späte Agieren.

Frankfurt -In 75 der 167 Frankfurter Schulen mussten seit den Sommerferien Lehrer und Schüler in Quarantäne geschickt werden, weil sie oder andere sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Zum Großteil seien davon Oberstufen und Berufsschulen betroffen gewesen. Das teilte Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) gestern Abend im Bildungsausschuss mit.

"Es handelt sich um flächendeckende Einzelfälle", sagte Weber. Meist seien in den Schulen nur ein bis zwei Personen betroffen. "Es wird schnell getestet, die Kontakte nachverfolgt und in Quarantäne geschickt", sagte Weber. "Dadurch kann die Ausbreitung des Virus sehr gering gehalten werden und hilft, dass nicht im großen Umfang Klassen nach Hause geschickt werden müssen." Den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes attestierte die Stadträtin eine "sehr gute Arbeit".

Anstatt der vieldiskutierten Luftfilteranlagen, die von vielen Seiten für die Klassenräume gefordert werden, sind aus Sicht der Dezernentin zwei Dinge effektiver: das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckungen und regelmäßiges Lüften. "Mindestens alle 45 Minuten, besser alle 20 Minuten", sagte sie. Das würden auch die Experten etwa vom Robert-Koch-Institut empfehlen. "Luftfilteranlagen hingegen ersetzen das Lüften nicht", sagte Weber. Zudem hätten sie einige Tücken. So müssten etwa die Filter jede Woche gewechselt werden. "Das können aber nur Fachfirmen mit entsprechender Schutzausrüstung machen. Ein großer Aufwand", sagte Weber. Schulen, in denen Klassenräume nicht gelüftet werden können, sollen nun aufgesucht werden, um kurzfristige Lösungen zu finden.

Die CDU-Stadtverordnete Sabine Fischer, Leiterin der Walter-Kolb-Schule in Unterliederbach, berichtete, dass man an ihrer Bildungsstätte einen "Lüftungs-Gong" eingeführt hat. "Der ertönt alle 20 Minuten, und dann wissen alle, dass die Fenster für fünf Minuten geöffnet werden müssen." Das funktioniere gut. "Und es ist auch keineswegs so, dass wir bei arktischen Temperaturen in den Räumen sitzen." Nichtsdestotrotz sprach auch sie sich dafür aus, dass man sich "der neuen Technik", sprich: Geräten, die die Raumluft filtern, öffnen müsse. "Aber es wird dauern, bis die Anlagen da sind", so Fischer.

Für den FDP-Stadtverordneten Stefan von Wangenheim handelt die Stadt viel zu spät. "Sie hätten die Schulen, die in einigen Klassenräumen die Fenster nicht öffnen können, längst besuchen müssen, jetzt ist es zu spät", sagte er. "Corona beschäftigt uns seit März." Er verwies auf eine Studie der Bundeswehr, die zu dem Ergebnis kam, dass nur das Querlüften im Kampf gegen das Coronavirus etwas bringe. "Das ist in den meisten Schulen aber gar nicht möglich", so von Wangenheim. Seiner Meinung nach müsse die Stadt "jetzt sofort" Luftreinigungsanlagen besorgen. "Wir müssen alles dafür tun, damit die Schulen nicht wieder geschlossen werden müssen."

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