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Auf Konfrontationskurs an der Alten Oper: Vorne sind die Corona-Leugner von "Querdenken" zu sehen, hinten mit Masken jene, die gegen sie protestieren.

Demonstrationen in Frankfurt

Corona-Widersacher sorgen für aufgeheizte Stimmung

  • vonSabine Schramek
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Pandemie-Leugner und Gegen-Protestierer begegnen sich am Opernplatz - und Batman stiehlt ihnen die Show

Frankfurt -Am Samstag, an dem das RKI 19 059 Corona-Neuinfektionen in Deutschland meldet, hat die Polizei alle Hände voll zu tun bei Kundgebungen und Demonstrationen. Kritisch wird es am Opernplatz, wo sich eine kleine Gruppe Corona-Leugner unter dem Namen "Widerstand 4.0" sammelt, während die Feministinnen "My Body - My Choice" bei einer Demo durch die Bockenheimer Landstraße ziehen und gleichzeitig Aktivisten zum Protest gegen die CoronaLeugner auf den Platz kommen. Nur an den Mund-Nasen-Bedeckungen ist zu unterscheiden, wer zu wem gehört.

Die Corona-Leugner tragen höhnisch Netzstrümpfe, Filtertüten oder Metallgestelle als Vogelkopf über dem Gesicht, die Aktivisten Schlauchschals und Kapuzen, die Frauenrechtlerinnen Alltags- und Einwegmasken. Einer der "Widerstand 4.0" Mitglieder trägt ein Megafon unter dem Arm und wandert, einen monotonen Text verkündend, um den Opernplatz. Die Leugner nehmen die, die gegen sie protestieren, Stück für Stück in eine Art Sandwich, beschimpfen Journalisten, die fotografieren, während die Aktivisten mit lauten Rufen die Reden unverständlich machen. Die Polizei stellt sich immer wieder zwischen die Leugner, Aktivisten und Feministinnen, um Eskalationen zu verhindern. Es sind weniger als 80 Leute vor der Alten Oper, die sich wortreich gegenseitig provozieren. Die Stimmung ist aufgeheizt und hoch aggressiv. Selbst der Mann, der eben noch riesige Seifenblasen für Kinder über den Platz hat schweben lassen, ist weg. Dafür ist ein Batman da. Mit hautengem Anzug, schwarzem Umhang und Maske. Er steht lange im Durchgang der Alten Oper und lässt seinen Umhang fliegen. Es ist unklar, wozu er gehört.

Nach einer Weile stellt sich heraus, dass er ein Fotoshooting macht und zu keiner der Gruppierungen gehört. Die wenigen Leute, die in der Nähe der Proteste stehen bleiben, achten nur noch auf ihn. Auch die, die mit Reden und Gegenrufen beschallt werden, weil sie auf den Terrassen der Cafés und Restaurants sitzen oder auf dem Karussell noch ein letztes Mal vor dem Lockdown mit ihren Kindern fahren wollen, lassen sich vom Demo-Trubel ablenken. Die Corona-Leugner werden ebenso ignoriert wie die lautstarken Aktivisten und Feministinnen.

Stress haben hauptsächlich die Widersacher und die Polizei, die sie voneinander fern hält. Weniger, um Ansteckung zu verhindern, sondern um Handgreiflichkeiten zu verhindern. Batman bringt auch die Kinder auf den Karussellpferden zum Lachen. Auch wenn er das kaum bemerkt, während er springt, an Wänden hängt und posiert.

Ob Batman das Shooting als Vorwand nimmt, um im Kampf gegen das Böse anzutreten, wird rundum an den Tischen in Lokalen diskutiert. Auch darüber, was das Böse ist. Corona, Menschen ohne Maske, laute Kundgebungen, Demonstrationen, Politik oder die Polizei. Die Diskussionen verlaufen friedlich bei Wein, Champagner und Kaffee.

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