Aus Angst vor einer Corona-Infektion werden die Bonobo-Affen im Zoo Frankfurt unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gepflegt.
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Aus Angst vor einer Corona-Infektion werden die Bonobo-Affen im Zoo Frankfurt unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gepflegt. (Archivbild)

Pandemie

Große Angst im Zoo Frankfurt: Corona-Infektion bei Menschenaffen um jeden Preis verhindern

  • vonTobias Ketter
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Im Zoo Frankfurt leben 30 Menschenaffen. Ihre Pfleger handeln sehr vorsichtig, da sich die Tiere vermutlich mit dem Coronavirus infizieren können. Die Anspannung ist groß.

  • Auch bestimmte Tiere können sich mit dem Coronavirus anstecken.
  • Deshalb gelten im Zoo Frankfurt derzeit strenge Vorsichtsmaßnahmen.
  • Besonders Menschenaffen sind gefährdet.

Frankfurt – Sei dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Hessen im Frühjahr dieses Jahres ist auch das Leben und Arbeiten im Zoo Frankfurt ein Anderes. Disziplin, Entbehrungen, geänderte Arbeitsabläufe und viele Vorsichtmaßnahmen prägen den Alltag der Mitarbeitenden. Und das nicht ohne Grund, denn auch Tiere können sich mit dem Coronavirus infizieren. Besonders Menschenaffen sind gefährdet. Die Pfleger arbeiten hart, damit alle Tiere gesund bleiben und sie so den Besuchern bald wieder Freude bereiten können, wenn sich die Tore des Frankfurter Zoos wieder für Gäste öffnen.

Zoo Frankfurt: Menschenaffen können vermutlich an Corona erkranken

Besonders schwierig ist die Situation während der Corona-Pandemie im Borgori-Wald im Zoo Frankfurt. Dort leben die Menschenaffen. Sie können die allermeisten Krankheiten bekommen, die auch Menschen bedrohen, wie die Stadt Frankfurt in einer Pressemitteilung schreibt. Schon ein vermeintlich „harmloses“ Grippevirus kann ein Jungtier töten. „Grundsätzlich könnten sie vermutlich auch an Covid-19 erkranken, bisher ist kein Fall bekannt. Dennoch müssen wir sehr vorsichtig sein“, erklärt Kuratorin Sabrina Linn.

Deshalb ist der Borgori-Wald im Frankfurter Zoo auch seit Ende März durchgehend für den Publikumsverkehr geschlossen. Fast 30 Menschenaffen leben dort. Die Bonobos, Gorillas und die Orang-Utans haben laut der Mitteilung der Stadt Frankfurt nur noch Kontakt zu ihren Pflegern. Diese dürfen sich auch während ihrer gesamten Schicht nur im Affenhaus aufhalten. Das Futter für die Bewohner des Borgori-Waldes wird kontaktlos durch eine Schleuse geliefert.

Bonobos im Zoo Frankfurt sind wichtiger Bestandteil von Zuchtprogramm

Bonobos sind laut der Stadt Frankfurt sehr selten in Europa und der Zoo Frankfurt hat einen wichtigen Bestand im europäischen Zuchtprogramm. „Es wäre nicht nur für uns persönlich dramatisch, wenn sie an einer Corona-Infektion sterben würden, sondern auch für die europäische Bonobo-Population“, sagt Linn. Ein infizierter Affe würde schlimmstenfalls zu einem Superspreader im Borgori-Wald werden. Deshalb herrscht auch für die Pfleger im Affenhaus eine strikte Maskenpflicht, um die Tiere vor dem Coronavirus zu schützen.

Aber nicht nur im Affenhaus werden Masken getragen, sondern auf dem gesamten Gelände des Zoos Frankfurt, in Bereichen mit potenziell gefährdeten Tierarten sogar ausschließlich FFP2-Masken. „Zum Schutz der Tiere ist das unverzichtbar. Katzen und maderartige Tiere wie Nerze sind ebenfalls gefährdet“, so Sabrina Linn.

Corona im Zoo Frankfurt: Einsatzkonzept für die Mitarbeiter

Der Zoo Frankfurt hatte laut der Pressemitteilung der Stadt bereits für den ersten Corona-Lockdown ein Einsatzkonzept für seine Mitarbeiter erarbeitet. „Wir konzentrieren uns zurzeit auf die essenzielle Arbeit, nämlich, dass die Tiere ihre benötigte Pflege, ihr Futter und wenn notwendig die medizinische Versorgung erhalten“, berichtet Sabrina Linn. Die Tierpfleger des Zoos Frankfurt sind für acht Reviere zuständig. Aktuell sind sie, wie im Frühjahr, in zwei Teams aufgeteilt. Zwischen den Teams ist der Kontakt strengstens untersagt. „Wir arbeiten mit Minimalbesatz. Sollte ein Pfleger oder eine Pflegerin in einem Team infiziert sein, ist das andere Team immer noch voll einsatzfähig und kann weiterarbeiten“, erläutert Linn.

Das ungewohnten Arbeitsabläufe verlangen den Mitarbeitern im Zoo Frankfurt nicht nur beruflich viel ab, sondern auch persönlich. Befreundete Pfleger, die nicht in einem Team arbeiten, dürfen sich nicht treffen. „Wir haben auch Partnerschaften oder Familien unter den Mitarbeitenden, das haben wir bei der Zusammenstellung der Teams berücksichtigt, aber Freundschaften müssen nun die Distanz aushalten“, sagt Linn, die ständig in Kontakt mit den Pflegern aus allen Teams steht.

Frankfurter Zoo: Zeitpunkt der Wiederöffnung ungewiss

Wann der Zoo Frankfurt wieder aufmachen kann, ist nach Angaben der Stadt Frankfurt noch ungewiss. „Sollten wir in den Wintermonaten öffnen können, müssen wir bedenken, dass sich witterungsbedingt die Menschen vermehrt in den Tierhäusern aufhalten werden. Dafür muss ein anderes Hygienekonzept her. Das wäre eine neue Herausforderung“, erklärt Linn. (Tobias Ketter mit Material der Stadt Frankfurt)

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