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Während viele Urlauber schon heimgeholt wurden, sitzt Edda Bhattacharjee seit mehr als elf Tagen in Neuseeland fest.

Warten auf die Rückreise

77-jährige Frankfurterin darf bald aus Neuseeland ausreisen - Wenn sie die Bedingungen erfüllt

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Eine Frau aus Frankfurt-Höchst sitzt in Neuseeland fest. Jetzt hat die Regierung in Neuseeland die Ausreise von Deutschen erlaubt.

  • Edda Bhattacharjee auf Frankfurt-Höchst sitzt in Neuseeland fest
  • Besonders für ältere Menschen wird das Warten zur Qual
  • Regierung in Neuseeland hat inzwischen die Ausreise erlaubt

Update von Donnerstag, 02.04.2020: Die wegen der Corona-Krise in Neuseeland festsitzenden Deutschen dürfen das Land verlassen. Das gab der stellvertretende Premierminister Winston Peters am Donnerstag bekannt. „Es ist klar, dass viele hierher gereiste ausländische Bürger nicht die Ressourcen oder Möglichkeiten haben, sich selbst zu isolieren und deshalb nach Hause zurückkehren wollen“, erklärte Wellington.

Allerdings sind die Ausreisen an bestimmte Bedingungen geknüpft. So dürfen nur Menschen, die nicht positiv auf das Coronavirus getestet wurden, ausreisen. Auch wer auf Ergebnisse eines Tests wartet oder in Kontakt mit Infizierten war, darf nicht ausreisen.

Kommerzielle und gecharterte Flüge aus Neuseeland erlaubt

Wer diese Bedingungen erfüllt, darf in Neuseeland zu einem der internationalen Flughäfen in Auckland oder Christchurch reisen. Sowohl kommerzielle Flüge als auch gecharterte Rückholflüge sollen erlaubt werden.

In keinem anderen Land sind so viele Bundesbürger gestrandet, wie in Neuseeland. Derzeit befinden sich noch rund 12.000 Deutsche im Land, die aufgrund des Coronavirus bisher nicht ausreisen konnten. Die Bundesregierung hatte bereits einen Flug am 28.03.2020 von Neuseeland aus organisiert. Weitere Flüge waren dann aber von der neuseeländischen Regierung untersagt worden.

77-jährige Frankfurterin sitzt in Neuseeland fest - Hier erzählt sie ihre Geschichte

Frankfurt - Kia ora ist eine traditionelle Begrüßungsformel der Maori, des indigenen Volkes Neuseelands. Für Edda Bhattacharjee hat Kia ora längst einen bitteren Beigeschmack: Seit mehr als elf Tagen sitzt die 77-Jährige aus Höchst buchstäblich am anderen Ende der Welt fest.

Frankfurter müssen sich selbst versorgen

Grenzen dicht, Flüge gestrichen: Laut Auswärtigem Amt sind weiterhin mehrere Hunderttausend Deutsche im Ausland - allerdings haben viele von ihnen dort ihren Wohnsitz. Anders Edda Bhattacharjee: Die 77-Jährige, vielen bekannt als Initiatorin der Stick-Aktion zum Bolongaro-Wandteppich, möchte in ihre Wohnung im Mitscherlich-Haus an der Peter-Fischer-Allee zurück.

Stattdessen steckt sie in einer Unterkunft in Auckland auf der Nordinsel Neuseelands fest - 18.156 Kilometer von zu Hause entfernt. Mit ihr wartet eine 20-köpfige Reisegruppe, viele davon aus Frankfurt, aufs Heimgeholtwerden. „Etwa die Hälfte der Gruppe ist über 60, davon viele über 70. Die Verpflegung müssen wir uns selbst besorgen und auch selber bezahlen, ebenso Gesichtsmasken, Handschuhe. Getränke, Trinkwasser“, erzählt Edda Bhattacharjee. Die Gruppe lebt in einem Apartment-Hotel mit Kitchenette, also einer Kochnische.

Der Rückholflug nach Frankfurt nahm nicht alle mit

„Mehrere vom Reiseveranstalter angebotene Rückflüge konnten nicht durchgeführt werden, weil sich die Bedingungen auf den internationalen Flügen stündlich geändert haben“, berichtet die Höchsterin. Mehrfach sei ihre Reisegruppe bereits zum Check-in auf den Internationalen Flughafen von Auckland gefahren - immer erfolglos.

„Einmal verlangte Thailand für den siebenstündigen Transit in Bangkok einen gültigen Corona-Test, den Neuseeland nicht erbringen konnte; einmal machte Australien alle Transitmöglichkeiten dicht, und einmal schloss der Flughafen in Dubai“, schildert sie die Stationen der Odyssee. „Selbst ein Zusammenschluss von deutschen Reiseorganisationen konnte keine eigene Chartermaschine schicken.“ Manche Minute war bitter: „Auf der einzigen zugelassenen Rückholmaschine der Bundesrepublik vom 28. März konnte zwar ein Teil der Reisenden mitfliegen“, erzählt sie. Die 20 Zurückgebliebenen erhielten jedoch erst lange nach Abflug der Maschine Nachricht, dass für sie Plätze darauf gebucht worden waren.

Massiver Protest und Angst um das finanzielle Überleben

Stattdessen ging es zurück in die Stadt, wo sie in einem Hotel untergebracht wurden, das, so Bhattacharjee, „in keinster Weise den hygienischen Anforderungen entsprach. Zum Beispiel war in der Gemeinschaftsküche nur eine einzige Geschirrspülbürste für etwa 45 Personen vorhanden. Es wurden auch keine Desinfizierungsmaßnahmen durchgeführt“. Es sei nicht möglich gewesen, zu den Mitreisenden den erforderlichen Mindestabstand einzuhalten. Erst nach massivem Protest sei die Gruppe umquartiert worden.

Und seitdem heißt es warten. „Täglich erhalten wir Informationen, die beiden Rückhollisten Elefand und Covid-19 zu aktualisieren und die sich ständig ändernden Felder auszufüllen“, erzählt Edda Bhattacharjee. Das geht nur übers Smartphone - besonders schwierig bei schlechter WLAN-Verbindung und auf den kleinen Handy-Displays. Besonders die Älteren hätten damit Probleme. „Jetzt wird die ungeklärte Situation von Tag zu Tag für uns Gestrandete schwieriger, da es auch eine finanzielle Überlebensfrage ist.“

Hilferuf an neuseeländische Regierung

Rund 15 000 Menschen säßen derzeit in Neuseeland fest, heißt es. Die Rede ist von 12 000 Deutschen und 3000 Angehörigen anderer Staaten. Inzwischen läuft auch eine offene Online-Petition „Take us home to Germany“ und eine direkt an die Regierung Neuseelands gerichtete Petition. Tausende haben unterschrieben. Die Deutsche Botschaft berichtet: „Das neuseeländische Außenministerium hat uns nun gebeten, die Anzahl sowie auch die Aufenthaltsorte unserer ausreisewilligen Staatsangehörigen mitzuteilen.“

Deutscher Botschafter ist derzeit hilflos

Der deutsche Botschafter Stefan Krawielicki hat den Festsitzenden gestern einen „Landsleutebrief“ geschrieben, in dem er versichert, „dass wir uns der Sorgen, Nöte und Enttäuschungen aller Deutschen, die momentan in Neuseeland gestrandet sind, sehr bewusst sind.“ Die Menschen säßen „unverschuldet“ fest, ob nach einer Reise oder einem Arbeitsaufenthalt. Die Mitarbeiter der Botschaft täten ihr Möglichstes. Aber: „Die Entscheidung der neuseeländischen Behörden, Rückholflüge nach Deutschland nach dem ersten Lufthansa-Flug am 28. März zunächst bis zum 31. März auszusetzen, kam auch für die Botschaft überraschend.“

Trotzdem habe man in der Zwischenzeit Vorbereitungen für weitere Rückholflüge getroffen, in engem Kontakt mit Air New Zealand und beiden Regierungen. Auch Außenminister Heiko Maas hat mit seinem neuseeländischen Amtskollegen telefoniert. Am Dienstag ist das Verbot dann verlängert worden. Der deutsche Botschafter war überrascht: „Für wie lange, wurde nicht gesagt.“ Kia ora, diese Nachricht steht über jeder neuen Botschaft des Reiseveranstalters. Kia ora heißt: Mögest du gesund sein. Holger Vonhof

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