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Das Vergnügungsviertel Alt-Sachsenhausen ist verwaist, die Klappergasse leergefegt.

Kein Bier und kein Tanz

Verwaistes Vergnügungsviertel: Corona-Krise trifft Alt-Sachsenhausen besonders hart

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Kein Bier im Erdnüsschen, kein Tanz im Ponyhof. Bars und Tanzclubs müssen seit Mittwoch die Pforten zulassen. Alt-Sachsenhausen trifft es besonders hart. Am ersten Tag der eingeschränkten Öffnungszeiten haben die verbliebenen Wirte große Sorgenfalten auf der Stirn.

  • Coronavirus-Krise trifft Wirtschaft hart
  • Alt-Sachsenhausen in Frankfurt besonders betroffen
  • Bars und Tanzclubs wegen Corona geschlossen

Frankfurt – Die Frühlingssonne scheint. Auf weit auseinandergezogenen Bänken sitzen einige Leute bei Grüner Soße und Schnitzel vor dem Apfelweinlokal Dauth-Schneider unter den Kastanienbäumen, die noch keine Blätter tragen. Die Bänke dahinter sind leer. An der Tür der Affentorschänke hängt ein Schild, das darauf hinweist, dass das Lokal geschlossen hat. Durch die Scheiben vom Erdnüsschen blickt man ins Dunkel mit auf Tischen gestapelten Stühlen. Ebenso beim Eisernen Hahn, wo sich sonst Hinz und Kunz auf ein Bierchen treffen. Das Oberbayern ist still.

Coronavirus trifft Wirtschaft in Frankfurt hart: Alt-Sachsenhausen besonders betroffen

Kein Lachen ist zu hören. Auf der Klappergass' haben ein Burgerladen offen und Frau Rauscher. Touristen, die durch die Gassen streifen, sind Fehlanzeige. "Seit einer Woche ist es hier tot", sagt Nicole Moser, Betriebsleiterin der Frau Rauscher traurig. "Stammgäste kommen noch, aber die Verunsicherung ist groß." Die Mitarbeiter putzen und desinfizieren, haben innen und außen die Tische weit auseinander gestellt. "Es gibt keine Hotelübernachtungen mehr und das spüren wir heftig. Wir nutzen die Zeit für kleine Renovierungen, aber auch das ist irgendwann erledigt. Das Personal ist längst heruntergefahren. Wir sitzen auf Ware und könne kaum einschätzen, was kommt", so Moser. "Salat geben wir den Mitarbeitern mit. Es ist schlimm. Man wacht morgens glücklich auf. Die Sonne scheint. Der nächste Gedanke ist - ach, Scheiße."

Ein Scherz: Auch Frau Rauscher trägt Mundschutz.

Noch am Dienstagabend waren viele Lokale voll. Jetzt sind sie zu oder arbeiten auf Minimalkraft. Moser schüttelt den Kopf und erzählt, wie sie vormittags bei Gref Völsing vorbeigefahren ist. "Die Leute standen dicht an dicht, als sei nichts. In Alt-Sachsenhausen war es gestern ruhig. Die Leute hatten Platz und waren entspannt. Heute ist niemand hier." Um 18 Uhr schließen die noch geöffneten Lokale für Gäste. Sie bieten an, Essen mitzunehmen oder zu liefern.

Coronavirus in Frankfurt Alt-Sachsenhausen: In der Klappergass klappert nichts mehr

Im Dunkeln ist das sonst quirlige Viertel kaum zu ertragen. Statt Leuchtreklamen geben nur noch die alten Gaslaternen Licht. In der Klappergass' klappert nichts mehr. Nur der kleine Burgerladen hält die Durchreichefenster offen. Die Große und die Kleine Rittergasse und die Paradiesgasse sind leer. So gut wie kein Mensch ist unterwegs. Statt Lachen, Grölen und Musik hört man Vögel zwitschern. Wenn ein einzelner Mensch durch die Gassen läuft, schrecken die Geräusche der Schritte auf Pflastersteinen auf. Am Affentorplatz leuchtet die Reklame von Dauth-Schneider. Auf einer Bank vor einem geschlossenen Lokal sitzt ein Pärchen, das sich die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einem Tablet ansieht. Auf dem Taxistand wartet kein einziges Fahrzeug.

Dauth-Schneider-Geschäftsführerin Lorna O'Sullivan im leeren Gastraum.

Geschäftsführerin Lorna O'Sullivan von Dauth-Schneider hält die Stellung. "Heute ist der schlimmste Tag", sagt sie. "Schlimm war es schon vorher, aber heute ist es apokalyptisch." Ihre Mitarbeiter und sie haben Flyer für Lieferservice gedruckt und 1000 Stück in der Umgebung verteilt. "Mittags hatten wir die ersten Bestellungen. Eine sogar aus Oberrad. Gäste waren kaum da." Sie geht davon aus, dass die Leute noch gefüllte Kühlschränke haben. "Und Zeit. Da wird halt erst mal zu Hause gekocht." Auch ihr Lokal lebt von Touristen, Busreisen, Kaffeefahrten und Veranstaltungen. Die gibt es nicht mehr. Ihr Umsatz ist um 75 Prozent eingebrochen. "Kurzarbeitergeld für die Mannschaft ist beantragt." In ihrer Brust schlagen zwei Herzen. "Solange Gäste kommen wollen, sind wir da. Das trägt vielleicht die Miete. Andererseits ist es Quatsch. Die Verantwortung für die Mitarbeiter ist da. Handschuhe und Abstand sind selbstverständlich. Dennoch...", lässt sie den Satz offen.

Coronavirus in Frankfurt: „Man kann nirgends mehr hin. Furchtbar“

Eine Frau guckt verunsichert durch die blaue Eingangstür ins Lokal. "Darf ich bitte mal ihre Toilette benutzen?", fragt sie und darf. "Man kann nirgends mehr hin. Furchtbar", sagt sie außer Atem. Alt-Sachsenhausen ist eine echte Geisterstadt. Die Atmosphäre in den hübschen engen Gassen im Dunkeln macht Gänsehaut. Alles wirkt fremd und ausgestorben. O'Sullivan versucht, optimistisch zu bleiben. "Im Sommer machen wir eine große Party", sagt sie. Im Moment ist sie die letzte, die das Licht im Viertel ausmacht.

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