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Näht jetzt Mundschutz im Akkord: Christiane Wegner in ihrem Atelier in der Schifferstraße in Sachsenhausen.

Anleitung im Internet

Corona-Mundschutz, hausgemacht: Überall in der Stadt wird genäht

Die einen tun es einfach so, um Nachbarn zu helfen, andere, um ihren Mitarbeitern nicht kündigen zu müssen. Die Nachfrage nach Mundschutz steigt ununterbrochen, und immer mehr lassen sich an den Nähmaschinen Lösungen einfallen.

  • Coronavirus hat Frankfurt erreicht
  • Nachfrage nach Mundschutz ist enorm gestiegen
  • Warum nicht einfach selber machen?

Frankfurt – Ob Sachsenhausen, Nordend oder Ostend – überall rattern dieser Tage die Nähmaschinen. So auch bei Christiane Wegner (57). Sie ist seit 30 Jahren Designerin und hat seit 19 Jahren ihre Boutique im Brückenviertel. Dort, wo sonst hübsche Kleider aus der eigenen Kollektion genäht werden, liegen seit Freitag immer noch Stoffteile auf dem Boden. Allerdings nicht für Kleider, sondern für Mundschutz von modisch-schick bis neutral für Arztpraxen. "Wir machen, was möglich ist", so Wegner.

Coronavirus in Frankfurt: Nachfrage nach Mundschutz enorm gestiegen

Sie selbst in der Werkstatt, ihre freiberuflichen Mitarbeiterinnen nähen an Maschinen zu Hause. "Hier wäre es zu eng, um den Abstand halten zu können", sagt die Designerin. Ihre Masken sind entweder weiß und kochbar für Arztpraxen oder aus bunter Baumwollpopeline mit einer Zwischenmembran aus Vlies, Pfeifenreiniger als Nasenclip und Gummiband. "Die Lieferanten von Gummiband kommen kaum hinterher." Die weißen Faltmasken verkauft sie für 10 Euro, die bunten, die im Design von Sprayermasken sind, für 29 Euro das Stück. "Wir nähen ununterbrochen, weil die Nachfrage hoch ist. 30 bis 50 Stück bisher am Tag. Das fängt zwar nicht den normalen Umsatz ab, hilft aber ein bisschen", so Wegner.

Bisher gibt es sechs Designs von kunterbunt bis schwarz für Damen und Herren. "Abends kann man sie im Kochtopf bei 40 oder 90 Grad waschen und morgens trocken wieder nutzen", erklärt Wegner. Sie beruft sich auf den Virologen Christian Drosten von der Charité Berlin. "Er sagt, dass Masken nicht kochbar sein müssen, sondern nach 15 Minuten bei 40 Grad keimfrei sind."

Die Teile wirken in der Arztpraxis kühl und weiß, zu Hause und auf der Straße schick. Dass ihre Masken nicht komplett wie FFP2- oder FFP3-Masken schützen, ist klar. "Aber man kann andere schützen, wenn man sie trägt. Anfangs wurde man mit Maske komisch angeguckt, dann hatte man eine und trug sie nicht. Jetzt fragen die Leute, wo man sie bekommen kann", beobachtet die Ladeninhaberin. Die Anleitungen für ihre Designs hat sie im Internet gefunden. "Dort heißen sie ,Behelfs-Mund-Nasen-Schutz'. Ein schwieriges Wort für etwas, was hilft." Einfach zum Laden gehen und Einkaufen geht wegen des Virus nicht.

Bestellungen über www.christiane-wegner.com.

Coronavirus in Frankfurt: Früher Kindersachen, jetzt Mundschutz

Auch Carmen Sobotta (45) musste ihr Geschäft "Lycka Stoffe" im Nordend, in dem sie auch Nähkurse angeboten hat, wegen der Corona-Krise auf reine Online-Bestellungen umstellen. Seit zwei Jahren bietet sie in ihrem Laden kunterbunte Kindersachen an. Jetzt näht auch sie Mundschutz. "Meine Nachbarin ist Gynäkologin und hat mir ihr Leid geklagt", erzählt sie. "Ihre Patientinnen haben keine Schutzmasken und sind schwanger unterwegs." Kurz entschlossen hat sich Sobotta informiert und an ihre Nähmaschine gesetzt. Beim Deutschen Hausärzteverband hat sie Anleitungen gefunden und näht jetzt aus bunten Stoffen, Verstärkungsband, Basteldraht und Schrägbändern Masken, die man hinter dem Kopf schließen kann. "Die Ärztin gibt sie ihren Patientinnen, die sie behalten dürfen und zu jedem Termin tragen", so Sobotta. "Das mache ich natürlich kostenfrei. Das ist doch Ehrensache in solchen Zeiten." Sie weiß, wovon sie spricht, da ihr Mann mit einer Asthma-Erkrankung zur Risikogruppe zählt.

Über Wasser versucht sie sich mit Online-Verkauf ihrer Stoffe zu halten. "Früher kamen die Bestellungen aus ganz Deutschland. Jetzt ist es lokaler und hauptsächlich im Frankfurter Raum." Wer Stoff braucht, kann ihn unter www.lyckastore.com bestellen.

Coronavirus in Frankfurt: Die Caritas näht auch fleißig Mundschutz

Auch bei der Caritas wird derzeit fleißig genäht. Sozialpädagoginnen, die normalerweise beim "Cariteam" mit Langzeitarbeitslosen oder Geflüchteten arbeiten, sind seit Anfang der Woche am Werk, wie Fachanleiterin Kerstin Jentschke sagte. Pro Tag schaffen sie bis zu 40 Masken. Zu den Abnehmern gehört beispielsweise die Wohnungslosenhilfe.

Der Verein "Bienen Baum Gut" vom Neuen Frankfurter Garten im Ostend näht ebenfalls Masken. Die Gärtner, Imker und Musiker haben beschlossen, damit Freiwillige und Pflegekräfte zu versorgen. Gegen eine Spende können auch Privatpersonen Masken bekommen, wenn sie sich per E-Mail an info@bienen-baum-gut.de anmelden. Die Abholtermine am Neuen Frankfurter Garten werden dann per E-Mail mitgeteilt.

Der Caritasverband hat mit seinen "Upcyclern" vom Cariteam eine Nähanleitung zum Herunterladen entwickelt. Denn statt Rucksäcken, Taschen und Federmäppchen näht "EiNZIGWARE", das Upcycling-Label des Caritasverbands, jetzt Mundschutzmasken. Der Mundschutz dient zur Reduzierung bei der Verbreitung von Tröpfchen und ist kein Schutz gegen Covid-19. Wer eine Nähmaschine hat, kann mitmachen.

Die Anleitung: https://einzigware.de

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