Polizeistreife hoch zu Ross in den Wallanlagen: Die Polizei war gestern verstärkt in Parks und Grünanlagen, um zu kontrollieren, ob sich die Bürger an das Spiel- und Sportplatzverbot halten.
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Polizeistreife hoch zu Ross in den Wallanlagen: Die Polizei war gestern verstärkt in Parks und Grünanlagen, um zu kontrollieren, ob sich die Bürger an das Spiel- und Sportplatzverbot halten.

Corona-Krise in Frankfurt

Nicht alle halten sich an die Corona-Einschränkungen: „Manche haben es einfach noch nicht gerafft“

  • vonSabine Schramek
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Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, und Frankfurts Spiel- und Sportstätten sind mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Schilder weisen auf deutsch und englisch darauf hin, dass alle Spiel- und Sportstätten wegen des Coronavirus bis auf weiteres geschlossen sind.

  • Coronavirus breitet sich auch in Frankfurt aus
  • Nicht alle halten sich an die Corona-Einschränkungen
  • Kommentare von Unbelehrbaren: „Geht dich nichts an, verzieh' dich“

Frankfurt – Viele halten sich daran. Auch daran, dass soziale Kontakte vermieden werden sollen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. An den Wiesen am Main gehen Leute spazieren und liegen auf der Wiese. Die meisten allein, aber auch einige Paare und Familien sind unterwegs. Im Oosten sitzen Menschen an weit auseinander gestellten Tischen, trinken Kaffee, Wein und Bier.

Einschränkungen wegen Coronavirus in Frankfurt: „Was guckst Du? Was willst Du?“

Wer nicht entspannt, treibt Sport, meist in weitem Abstand zu allen anderen. Kinder spielen mit ihrem Papa auf der Wiese Fußball. Nur auf den Basketballplätzen und an den Turngeräten am Westhafen, die wegen Corona eigentlich gesperrt sind, sieht es anders aus. Da trainiert eine Gruppe Muskelmänner hinter rot-weißem Flatterband, völlig unbeeindruckt von den Verboten. 

„Was guckst Du? Was willst Du?“, ruft einer von ihnen aggressiv, als jemand darauf hinweist, dass das verboten ist. "Geht dich nichts an, verzieh' dich", zischen die jungen Männer, die zwischen 20 und 25 Jahre alt sind. Als zwei Polizeiwagen im Schritttempo durch die Anlagen fahren, ruft einer: „Achtung, Polizei!“, und in Sekunden verlassen sie die gesperrten Anlagen, setzen sich davor aufs Gras und unschuldige Mienen auf.

Corona-Verbote in Frankfurt: Wenn die Polizei kommt, hauen die Jugendlichen ab

Genauso im Skatepark. Es flitzen nur wenige Jugendliche mit ihren Rädern und Boards über die hügelige Fläche. Auch sie hauen ab, als sie das Wort „Polizei“ hören. Die Einsatzkräfte reagieren ruhig, sprechen einige der Sportler an und reden ihnen ins Gewissen. "Bei allen, die sich einzeln auf der Wiese aufhalten, ist es okay. Hinter den Absperrungen ist es Mist“, sagt einer der Beamten. „Manche haben es einfach noch nicht gerafft. Das ist sehr schade", kommentiert ein anderer. Sie sind enttäuscht, dass sich einige immer noch nicht an die Grundregeln halten, die alle schützen sollen. Das Coronavirus soll nämlich nicht weiter verbreitet werden. Auf der Windschutzablage in den Polizeiwagen liegt Desinfektionsmittel.

Immer wieder fahren die Einsatzkräfte entlang, immer wieder das gleiche Geschehen. Auch deshalb war dort gestern schon etwas weniger los als noch am Dienstag, als sich Hunderte am Mainufer tummelten. Eine Frau mit Mundschutz schimpft über das Verhalten während Corona. „Die bringen uns noch die komplette Ausgangssperre. Dabei brauchen wir doch frische Luft und Sonne. Ich kann das nicht verstehen.“

Coronavirus in Frankfurt: Auf den Straßen sind weniger Menschen unterwegs

Auch in der Wallanlage sind Polizeistreifen unterwegs, hoch zu Ross. Die Polizei-Reiterinnen auf dem Schimmel Candy und dem Braunen Frank haben die Übersicht. Am Wasserhäuschen-Café Fein an der Petersstraße direkt an der Anlage stehen nicht mehr wie sonst gemütliche Sessel und Sofas zum Entspannen. Kuchen und Kaffee werden an der Theke ausgegeben, Sitzplätze gibt es nur wenige. Nur ein paar Gäste sind dort, die Polizistinnen reiten im Schritt weiter. Die Pferde sind entspannt und scheinen den Ausflug zu genießen. In der Bockenheimer Anlage scheinen die Absperrungen zu helfen, nur wenige Leute blinzeln auf Parkbänken in die Sonne und betrachten die Narzissen-Meere auf den Wiesen.

„Wir sind auf Präsenzstreife, was nichts speziell mit dem Coronavirus zu tun hat“, erklärt eine der Reiterinnen. "Dennoch halten wir natürlich die Augen offen. Es ist weniger los als sonst, und es sind weniger Leute unterwegs", stellt sie fest. Aber ein paar Unverbesserliche gibt es eben doch. Die Polizistin kann das nicht verstehen: „Es sollte doch jetzt jeder begriffen haben, dass man nicht eng in Gruppen zusammen sein soll. Es geht um die Gesundheit von jedem von uns.“ Eine Gruppe von zwölf Joggern läuft durch den Park. Dicht an dicht. Warum sie keinen Abstand halten, versteht niemand.

Die Busse und Bahnen in Frankfurt sind so leer, dass der wegen des Coronavirus empfohlene Mindestabstand eingehalten werden kann. In Drogeriemärkten versucht man, mit Einlasssperren Raum zu lassen.

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Ändern könnte sich die Lage bezüglich der Einschränkungen mit Einführung von Ausgangssperren wegen des Coronavirus.

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Von Sabine Schramek

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