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Diese Grafik zeigt die Anzahl der Menschen in Frankfurt, die sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert haben.

Pandemie

Coronavirus in Frankfurt: Wann tritt der Krisen-Höhepunkt ein?

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In Frankfurt entfaltet das Coronavirus seine eigene Infektionsdynamik. Die Mainmetropole ist in Hessen Spitzenreiter was Corona-Infizierte betrifft.

  • Frankfurt wartet auf den Höhepunkt der Corona-Krise
  • Bei der Zahl der Covid-19-Kranken ist die Mainmetropole Spitzenreiter in Hessen
  • Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek hofft, dass ein Medikament gefunden wird

Frankfurt - Noch haben selbst die Fachleute und Forscher nicht umfassend verstanden, wie genau der Gegner Corona tickt, mit dem sie es seit kurzem zu tun haben. Das neuartige Sars-Coronavirus-2 hat auch in Frankfurt das Alltagsleben weitreichend einfrieren lassen. Die Kliniken haben sich derweil eingerichtet auf die Versorgung einer großen Zahl von an Covid-19 erkrankten Menschen, indem sie in großem Stil Intensivbetten und Beatmungsplätze eingerichtet haben. Die Uniklinik hat gar ihr Haupthaus geräumt.

In dem von den übrigen Bereichen abgetrennten Gebäude sollen am Coronavirus Erkrankte räumlich getrennt von den übrigen Patienten wie in einer organisatorisch eigenständigen Klinik behandelt werden, hatte das landeseigene Klinikum kürzlich dazu erklärt. Gestern teilte der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) mit, dass sich landesweit 527 Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung befinden, 88 von ihnen müssen auf der Intensivstation beatmet, 34 weitere intensivmedizinisch gepflegt werden. 

Coronavirus: Bettenkapazität der Uniklinik Frankfurt „ausreichend“

Wie viele dieser Patienten in Frankfurt behandelt werden, konnte man im Sozialministerium nicht beantworten. Eine Anfrage dieser Zeitung beim Uniklinikum, wie viele Covid-19-Patienten derzeit dort gepflegt werden, beantworteten die verantwortlichen Sprecher nicht, verwiesen auf eine offizielle Verlautbarung, derzufolge „die Bettenkapazität des Universitätsklinikums Frankfurt ausreichend“ ist. Weiter heißt es: „Um einen gesicherten Betrieb und eine geordnete regionale Koordinierung zu ermöglichen, veröffentlicht das Universitätsklinikum Frankfurt aktuell keine Detailzahlen zu Behandlungskapazitäten und akuten Fallzahlen. Die Zahlen werden zentral für ganz Hessen veröffentlicht.“

Es fand sich auch kein Mediziner, der Auskunft geben mochte, warum ein großer Ansturm von Corona-Patienten erst in zwei bis Wochen zu erwarten ist.

In einer Talkshow am Donnerstagabend war immerhin von Prof. Sandra Ciesek, Leiterin des Institutes für Medizinische Virologie der Uniklinik Frankfurt, zu hören, dass es „noch einige Wochen dauern“ werde, bis die Neuinfektionen mit Corona abnehmen würden. Als „unethisch“ bezeichnete sie ein derzeit auch von Politikern diskutiertes Konzept, junge Menschen der Infektion auszusetzen, um möglichst rasch in der breiten Bevölkerung eine Herdenimmunität zu erreichen. Schließlich deutete Ciesek noch an, gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut in Hamburg an einem Medikament zu arbeiten, das womöglich geeignet sei für die Therapie von Covid-19. „Unterschiedliche Substanzen“ seien in der Prüfung. Sie hoffe, „einen Treffer zu finden“.

Coronavirus hat sich in Frankfurt eingeschlichen

Das Coronavirus hat sich innerhalb eines Monats eingeschlichen in die Stadt. Am 2. März meldete das Gesundheitsamt zwei positiv getestete Frankfurter. Sie hatten in Norditalien Urlaub gemacht. Sechs Tage lang blieb es in trügerischer Harmlosigkeit bei diesen zwei Fällen. Am 9. März verdoppelte sich die Zahl auf vier Kranke, am 11. März wiederum auf acht, einen Tag später auf 15 per Test nachgewiesener Erkrankte. Das Virus hatte begonnen, auch in Frankfurt die ihm eigene Infektionsdynamik zu entfalten. In rasantem Tempo ging und geht es bis heute weiter (siehe Info-Grafik). 

Seit dem 17. März ist Frankfurt in puncto Anzahl gemeldeter Covid-19-Kranker Spitzenreiter in Hessen. Wiesbaden indessen hält den traurigen Rekord, das erste Todesopfer der Virus-Erkrankung vermelden zu müssen. Inzwischen sind, Stand gestern, sieben Menschen in Hessen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Frankfurt wurde in dieser Hinsicht bislang verschont, hält aber weiterhin den Spitzenplatz mit 237 Kranken. Mit bislang steigender Tendenz. Meldete das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Donnerstag noch 28 Kranke pro 100 000 Einwohner, waren es gestern schon 31,3. Gewohnte Freiheiten werden die Frankfurter, soll der Lauf der Pandemie gebremst werden, wohl noch eine ganze Weile zurückstellen müssen.

Von Sylvia A. Menzdorf

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Alle Infos zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Frankfurt gibt es in unserem News-Ticker.

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