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Ein Desinfektionsmittelspender hängt in einem Seniorenzentrum, der Alltag geht aber ohne Einschränkungen weiter. foto: güttler/dpa

Coronavirus

Coronavirus in Frankfurt: Wie Altenheime mit der Pandemie umgehen

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Bisher hat das Coronavirus in Frankufrt noch keine großen Einschränkungen in den Alltag von Altenheimen gebracht. Die Mitarbeiter sind erfahren im Umgang mit Viren.

Frankfurt - Nein, besondere Notfallpläne wegen des Coronavirus gebe es für die Pflegeheime des Frankfurter Verbandes nicht, sagt Geschäftsführer Frédéric Lauscher. "Wir haben immer einen Pandemie-Plan und sind grundsätzlich an den Umgang mit Infektionskrankheiten gewöhnt", beruhigt er. Corona sei zwar sicher "keine pillepalle Krankheit", er wolle da nichts verharmlosen, aber "das Norovirus halte ich persönlich für gefährlicher". Momentan gebe es in den Pflegeheimen des Frankfurter Verbandes noch keinen Corona-Fall. Falls sich das ändern sollte, "greifen unsere Hygienemaßnahmen. Der Erkrankte kommt in ein Einzelzimmer, vielleicht wird vor der Tür eine Schleuse eingerichtet, dafür gibt es dann klare Empfehlungen vom Robert-Koch-Institut und wir klären alle Maßnahmen mit dem Gesundheitsamt ab", so Lauscher.

Von einem Treffen mit dem Gesundheitsamt kommt Michael Graber-Dünow gerade. Er leitet das Altenpflegeheim Justina von Cronstetten Stift im Westend. Auch hier gibt es keine expliziten Corona-Notfallpläne, aber viel Gelassenheit. "Falls sich ein Mitarbeiter oder Bewohner infiziert, werden wir das Gesundheitsamt informieren, und das wird Maßnahmen treffen. Bewohner zu isolieren ist für uns zum Beispiel gar kein Problem, wir haben sowieso nur Einzelzimmer", sagt Graber-Dünow. Momentan sei von Isolation aber noch keine Rede. "Die Bewohner müssen sich bei uns nicht auf ihren Zimmern aufhalten, wir machen sogar noch Gruppenangebote, um möglichst einen normalen und abwechslungsreichen Alltag anzubieten."

Coronavirus in Frankfurt: Besuche in Altenheimen nach wie vor erlaubt

Auch Besuche von Angehörigen sind sowohl in den Pflegeheimen des Frankfurter Verbandes als auch im Justina von Cronstetten Stift weiterhin erlaubt. Man halte sich an die offizielle Empfehlung, pro Bewohner einen Besucher für eine Stunde pro Tag zu erlauben, erklären Lauscher und Graber-Dünow übereinstimmend. Für ein absolutes Besuchsverbot sehen beide zum jetzigen Zeitpunkt keine rechtliche Grundlage. "Wir können doch nicht nach Gutdünken Kontaktsperren verhängen. Unsere Bewohner sind schließlich keine Gefangenen und dürfen ja auch weiterhin nach draußen gehen", sagt Lauscher. "Manche Bewohner bekommen bei uns sehr regelmäßig Besuch. Diese wichtigen Bezugspersonen wollen wir ihnen nicht nehmen", erklärt Graber-Dünow.

Coronavirus in Frankfurt: Fehlzeiten der Mitarbeiter in Altenheimen steigen

Schwierig könnte für die Pflege- und Altenheime die Personalsituation werden. "Die Situation in der Pflege ist bekanntlich seit Jahren angespannt. Wenn jetzt welche ausfallen, haut das richtig ein", befürchtet Michael Graber-Dünow. Erleichtert ist er nur darüber, dass das Land Hessen nach der Schließung von Schulen und Kindergärten seine Vorgaben zur Notbetreuung bereits zweimal überarbeitet hat und nun auch Kinder von Küchenpersonal und Reinigungskräften betreut werden dürfen: "Auf sie sind wir doch gerade jetzt angewiesen."

Eine dritte Novellierung erhofft sich Frédéric Lauscher, denn bislang dürfen Kinder nur in die Notbetreuung, falls beide Elternteile in einem sogenannten systemrelevanten Beruf arbeiten. Das sieht Lauscher als großen Mangel. "Das könnte ein Land wie Hessen auch großzügiger auslegen, sodass es reicht, wenn ein Elternteil in einem solchen Beruf arbeitet", wünscht er sich. "Einer meiner Mitarbeiter hat sein Kind in der Notbetreuung. Das ist das einzige im ganzen Kindergarten. Überfüllt würde es wohl also auch bei einer Lockerung nicht", betont er.

Coronavirus in Frankfurt: Anstieg bei Bestellungen bei „Essen auf Rädern"

Dieser Forderung von Lauscher würde sich Robert Jansen, Geschäftsführer des Pflegediensts Schon und Jansen, bestimmt sofort anschließen. "Der Anspruch auf Betreuung der Kinder von Pflegepersonal geht an der Realität vorbei. Die meisten unserer Mitarbeiter sind Frauen, deren Männer gehen normal weiter arbeiten und die Frauen bleiben daheim. Meistens arbeiten die Ehemänner in anderen Berufen, die häufig mehr Geld bringen." Er bemerke bereits einen Anstieg der Fehlzeiten bei seinen Mitarbeitern, weshalb Schon und Jansen bereits erste Leistungen bei Kunden kürzen müsse. Erst mal betreffe das Betreuungsleistungen - wer normalerweise zwei Stunden pro Tag vom mobilen Pflegedienst besucht werde, werde es jetzt nur noch eine Stunde. Bei den Kunden in der ebenfalls von Schon und Jansen betriebenen Tagespflege in der ehemaligen Lederfabrik in Schwanheim bemerke er eine zunehmende Angst. 20 bis 30 Prozent der Kunden kämen sicherheitshalber nicht mehr zur Tagespflege, sie fühlten sich zu Hause sicherer.

Einen dadurch zu erwartenden Anstieg der Bestellungen bei Essen auf Rädern vermerkt der Frankfurter Verband allerdings bislang nicht. "Wir empfehlen das der älteren Risikogruppe sehr und könnten unproblematisch auch größere Mengen bewältigen. Die Übergabesituation dauert unter 15 Minuten und ist deshalb nicht mit einer Gefahr behaftet, aber bislang gibt es noch keine deutlich höhere Nachfrage", sagt Frédérik Lauscher.

Ein Problem von Pflegediensten und Heimen gleichermaßen ist die Versorgung mit Desinfektionsmitteln und Schutzmasken. "Wir haben noch einen Vorrat, aber wir bekommen keine neuen Lieferungen mehr. Gerade haben wir auch Absagen für Sachen erhalten, die wir bereits vor zwei Wochen be-stellt hatten", berichtet Lauscher. Ähnlich ist die Situation beim Justina von Cronstetten Stift. "Wir bestellen zehn Pakete Mundschutz und erhalten eines. Dabei brauchen wir die dringend für unsere tägliche Arbeit, denn manche unserer Bewohner haben multiresistente Keime", sagt Graber-Dünow.

Von Astrid Kopp

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