Modedesignerin Christiane Wegner bedient eine Kundin an der Ladentür
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„Schöne Weihnachten“, wünscht Modedesignerin Christiane Wegner ihrer Kundin bei der Übergabe der Ware an der Ladentür im Brückenviertel in Frankfurt. Geschenke kann man bei ihr längst online und telefonisch ordern und abholen. Oder schicken lassen.

Einzelhandel

Geschenke aussuchen beim Videochat: Geschäfte in Frankfurt trotzen Corona

  • vonUte Vetter
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Der erneute Corona-Lockdown macht dem Einzelhandel in Frankfurt schwer zu schaffen. Doch viele Händler haben sich besondere Konzepte überlegt, um die Krise zu meistern.

Frankfurt - Der erneute Lockdown aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus schockte den Einzelhandel und die Verbraucher, wurde er doch kurzfristig vor Weihnachten verhängt - ausgerechnet in der wichtigsten, weil umsatzstärksten Zeit des Jahres. Doch Einzelhändler haben sich angepasst: Sie bieten Abhol- und/oder Lieferservices für ihre Produkte und haben Online-Shops eingerichtet. Relativ neu ist das Shoppen per Videochat über den Messengerdienst WhatsApp, den gerade auch viele Senioren schätzen, weil leicht zu nutzen und kostenlos. Das Ganze nennt sich „Call & Collect“ oder „Click & Collect“, also „Anruf und Abholen“ oder „Klicken und Abholen“. Das ist in Hessen und Rheinland-Pfalz erlaubt.

Christiane Wegner, Modedesignerin und Boutique-Inhaberin in der Schifferstraße 33 im Sachsenhäuser Brückenviertel nahe der Schweizer Straße, hat ihren Internet-Auftritt längst professionalisiert: Jedes Kleidungsstück oder Accessoire ist fotografiert und online oder telefonisch bestellbar. Sie händigt Stammkundinnen an der Ladentür die bestellte Ware aus und kassiert unter Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen, also kontakt- und bargeldlos. Per Newsletter informiert sie regelmäßig ihre Kundschaft. "Das alles funktioniert gut", sagt sie. Sie verschickt Waren auch, und Gutscheine verkaufen sich wie immer sehr gut. Sie ist werktäglich im Laden, arbeitet dort und ist "immer erreichbar": telefonisch unter (069) 96 20 17 79 und auf www.christiane-wegner.com.

Corona-Krise macht Einzelhandel in Frankfurt schwer zu schaffen

Auch Ernst und Anita Schwarz setzen längst auf Service und Internetpräsenz für ihr Fachgeschäft „Pelze am Dornbusch“, Telefon (069) 5 60 12 93, www.pelze-am-dornbusch.de. Am Montag und Dienstag seien zwar viele Leute „fast durchgedreht“ wegen des plötzlichen Lockdown. Ernst Schwarz beruhigte die vielen besorgten Kunden am Telefon: „Der Laden läuft weiter, Sie dürfen nur nicht hinein. Alle Bestellungen werden erledigt, Geschenke verpackt, sie können die Ware abholen, oder wir liefern sie.“

Schwarz ist auch Vorsitzender des Dachverbandes von derzeit 21 Frankfurter Gewerbevereinen. Er betont: „Viele sind inzwischen froh, für Geschenke und andere Waren nicht in die Innenstadt fahren zu müssen, sondern alles direkt um die Ecke im eigenen Viertel zu bekommen.“ Da sei „zwar noch Luft nach oben“, doch so mancher begreife jetzt, wie wichtig ein gut funktionierender Stadtteil sei. Der Dachverband werbe dafür, im Stadtteil zu bleiben, das Café um die Ecke zu besuchen, den Supermarkt und die kleinen Geschäfte in der nächsten Straße zu nutzen. „Damit kann jeder sein Viertel mitgestalten und es am Leben erhalten. Das ist wichtig, besonders für die vielen kleinen Händler, die durch die Lockdowns so sehr gebeutelt wurden.“ Schon jetzt ist die „Bekenner-Kampagne“ für 2021 geplant, die die Frankfurter dazu aufruft, im Stadtteil einkaufen zu gehen und lokale Händler zu unterstützten.

Einige Einzelhändler in Frankfurt sind während Corona rund um die Uhr erreichbar

Auch große Firmen kämpfen jetzt um jeden Kunden: „Butlers“ etwa bietet die Möglichkeit, Geschenke und Dekorationsartikel noch bis Weihnachten einzukaufen. So gibt es vor den meisten Filialen Abholstationen, wo Kunden, die online bestellt haben, ihre Pakete noch bis 23. Dezember zwischen 10 und 19 Uhr abholen können.

Auch das Traditions-Kaufhaus Meder in Bornheim mit seinem großen Angebot an Spielwaren, Modellauto- und -Eisenbahnen, Haushaltswaren und Geschenkartikeln auf rund 450 Quadratmetern, verkauft weiter. Per WhatsApp-Videochat gehen Verkäufer mit dem Handy durch die entsprechende Abteilung, zeigen per Kamera die Waren, sind dabei gleichzeitig auf dem Smartphone sicht- und ansprechbar. Geschäftsführer Franz Steul kam damit sogar am Mittwochabend ins HR-Fernsehen. Er sagt: „Wir verkaufen per Telefon sowie online und bieten zwei Abholstationen. Und wir liefern im nahen Umkreis kostenlos aus!“ Die Nummern sind: 0157-37 77 39 50 (Spielwaren), 0157-37 77 40 88 (Modellbahn/-Bau), 0157-37 77 41 67 (Haushaltswaren), 0157-37 77 43 92 (Geschenkartikel).

Große Sorge, dass Corona-Lockdown viele Einzelhändler in Frankfurt ruiniert

Torsten Schiller von der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße (AGS) kritisiert den Corona-Lockdown: „Das treibt viele Einzelhändler in den Ruin!“ Die Geschäfte hätten sich an die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) plus Lüften gehalten, sie seien keine Hotspots gewesen. Es sei unverständlich, dass in Apotheken, Super- und Getränkemärkten Kunden ein kaufen können, in anderen Läden aber nicht. „Das war doch alles gut geregelt und praktiziert, etwa mit bestimmten Kundenzahlen pro Quadratmeter!“

Das Aktionsprogramm „Frankfurt am Start“ der Wirtschaftsförderung bietet auf seiner Website www.frankfurt-am-start.de eine Übersicht neuer Plattformen. Und gibt Tipps zur Unterstützung der Geschäfte in den Stadtteilen. Tenor: Der stationäre Handel muss mit dem digitalen Handel verbunden werden. Die Stichworte lauten Digitalisierung, Finanzierung und Innovation. (Ute Vetter)

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