Zog 2019 Besucher aus 131 Nationen an: die Frankfurter Musikmesse. In diesem Jahr wurde der Termin wegen des Coronavirus verschoben.
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Zog 2019 Besucher aus 131 Nationen an: die Frankfurter Musikmesse. In diesem Jahr wurde der Termin wegen des Coronavirus verschoben.

Absagen

Coronavirus: Messe Frankfurt mit weitreichender Entscheidung

  • Thomas Remlein
    vonThomas Remlein
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Die Ausbreitung des Coronavirus macht der Messe Frankfurt zu schaffen. Jetzt wurde die Musikmesse verschoben.

  • Coronavirus beutelt die Messe Frankfurt
  • Musikmesse ist verschoben
  • Asiengeschäft der Frankfurter Messe vom Coronavirus betroffen

Frankfurt - Das Coronavirus beutelt auch die Frankfurter Messe. Die von 1. bis 4. April geplante Musikmesse wurde verschoben. "Die Gesundheit der Aussteller, Besucher, Partner und Mitarbeiter hat für die Messe Frankfurt oberste Priorität", teilte das Unternehmen mit. 

Die internationale Musikmesse verzeichnete im vergangenen Jahr Besucher aus 131 Nationen. An erster Stelle lagen Gäste aus den Niederlanden, auf Platz 2 rangierten bereits die vom Coronavirus stark heimgesuchten Italiener. Wann die Messe nachgeholt wird, steht noch nicht fest. Der neue Termin soll in Kürze bekannt gegeben werden. 

Coronavirus: Messe Frankfurt verschiebt Musikmesse

Die Musikmesse zog 2019 rund 85.000 Menschen an. Zwei Drittel der Besucher kommen laut Messesprecher Markus Quint aus dem Ausland. Auch die "Prolight + Sound 2020" wurde statt vom 31. März bis 3. April auf 26. bis 29. Mai dieses Jahres verlegt. Die Verschiebungen seien von der Geschäftsführung in Absprache mit den Anteilseignern erfolgt, sagte Quint. Die Messe ist ein Unternehmen der öffentlichen Hand: Die Stadt Frankfurt besitzt 60 Prozent der Anteile, das Land Hessen 40 Prozent.

Die Messe erklärt ihr Vorgehen so: "Die weiterhin verstärkte Verbreitung von Covid-19 (wie das Coronavirus offiziell heißt) in Europa erforderte eine neue Bewertung der Situation in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt." Es solle vermieden werden, dass Teilnehmer der Messe aus Risikogebieten kommen und erkrankt die Messe besuchen. Die Messe sah sich außerstande, "gesundheitliche Überprüfungen vorzunehmen, um einer weiteren Infektionsausbreitung entgegenzuwirken". Auch erschwerten Reiserestriktionen potenziellen Besuchern und Ausstellern die Teilnahme an der Messe.

Der Pop-up Erlebnismarkt "Musikmesse Plaza" (3. und 4. April) sowie das "Musikmesse Festival" (31. März bis 4. April) können dagegen aus heutiger Sicht zu den geplanten Terminen stattfinden. Diese Events richten sich an ein regionales Publikum aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Coronavirus: Gesundheitsprüfung chinesischer Gäste auf Messe Frankfurt

Auch die "Light + Building", die am Sonntag hätte beginnen sollen, wurde auf September verschoben. Diese ist das wichtigste internationale Branchentreffen für Architekten, Industrie, Handwerk, Handel und Planer. "Es wurde eine mehrstufige gesundheitliche Prüfung von Messegästen aus China verlangt, die von der Messe Frankfurt nur mit unverhältnismäßigem Aufwand hätte realisiert werden können", teilte das Unternehmen mit.

Stattfinden wird dagegen die Messe "Land und Genuss" vom 20. bis 22. März. Es handelt sich ebenfalls um eine regionale Ausstellung. Sie will zeigen, "warum das Landleben in Hessen so lebenswert ist". Veranstalter ist die "Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft".

Bereits die letzte internationale Messe, die Konsumgütermesse Ambiente von 7. bis 11. Februar, litt unter dem Coronavirus, aber auch unter Sturmtief Sabine. Zeitweise hatte die Bahn den Verkehr eingestellt, Besucher konnten Frankfurt nur unter erschwerten Bedingungen erreichen. Die Besucherzahl ging gegenüber dem vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent auf rund 108 000 Besucher zurück.

Coronavirus: Asiengeschäft der Messe Frankfurt betroffen

Vom Coronavirus betroffen ist auch das Asiengeschäft der international tätigen Frankfurter Messe. Laut Messesprecher Quint sind in Asien zehn Messen verschoben worden, die Secutech in Taipeh (Taiwan) wird auf 2021 vertagt. Sie hätte in diesem Jahr von 22. bis 24. April stattfinden sollen.

2018 steuerte das Asiengeschäft der Messe 177 Millionen zum Jahresumsatz von 718 Millionen Euro bei; das sind fast 25 Prozent. Allein in China sind 650 überwiegend einheimische Mitarbeiter der Messe beschäftigt.

Wie wird das Virus die Geschäftszahlen beeinflussen? Dazu lassen sich laut Quint derzeit noch keine Prognosen abgeben. Auch Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU), der auch Beteiligungsdezernent ist, verweist darauf, dass die Messen nur auf einen anderen Termin verschoben worden sind.

2018 überwies die Messe der Stadt aus dem erzielten Gewinn 7,8 Millionen Euro als Anteil. Der könnte 2020 schrumpfen. Muss der Kämmerer bereits seine Prognose über die Einnahmen des Jahres 2020 kassieren?

Dafür sieht der Bürgermeister keinen Anlass: „Wir sehen keine ausreichende Grundlage, auf der unsere Annahmen geändert werden müssten. Mögliche Auswirkungen sind rein spekulativ.“

Von Thomas Remlein

Coronavirus: Interview mit Dehoga-Chef Singer über die Folgen der Absagen

Eduard M. Singer ist Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Frankfurt und Director of Operations der IHG Hotels by Novum Hospitality und Generaldirektor des Crowne Plaza Frankfurt. Redakteur Thomas J. Schmidt hat mit ihm über die Auswirkungen des Coronavirus gesprochen.

Herr Singer, welche Auswirkungen auf das Hotelgeschäft hat das Virus?

Gravierende! Große Messen werden aktuell verschoben, so die Light & Building und jetzt auch die Musikmesse. Kunden wollen ihre Reservierungen stornieren. Unsere Arbeitszeit beträgt aktuell mehr als acht Stunden, insbesondere sind unsere Reservierungs- und Revenue Mitarbeiter sehr gefordert. Ein großes Dankeschön gilt es hier auszusprechen.

Was müssen Sie dabei beachten?

Es gibt drei rote Linien. Es ist wichtig, dass wir an unsere Mitarbeiter denken, es ist wichtig, dass wir an die Gäste denken, und es ist wichtig, dass wir an die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens denken.

Eduard M. Singer, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Frankfurt

Was bedeutet das Coronavirus für das Personal?

Wir sorgen uns darum, wie wir unser Mitarbeiter schützen. Es geht aber auch darum, wie wir sie einsetzen können. Wir haben momentan schon einen Einstellungsstopp, weil wir nicht wissen, wie wir die Kollegen und Kolleginnen bei den vielen Leerständen beschäftigen können und müssen auf Grund des Umsatzrückgangs auch den Kostenbereich im Fokus haben.

So ernst ist die Lage! Das kann ja nicht nur an den abgesagten Messen liegen.

Nein. Aber alles geht einher mit der Krisensituation Coronavirus/Convid19 und dem Umgang und Hysterie damit. Es gibt weniger Tagungs- und Kongressgeschäft. Es gibt viel restriktivere Reisevorschriften in den Firmen. Klassische Dienstreisen gibt es fast nur noch innerhalb der Länder, nicht mehr international. Damit fehlen uns Gäste und Anfragen. Nicht zu vergessen: Gruppenreisen aus Asien gibt es seit zwei Monaten gar nicht mehr, dieses Geschäft ist komplett eingebrochen.

Wie gehen Sie damit um, wenn jemand, der zur Musikmesse wollte, jetzt seine Zimmerreservierung storniert?

Die meisten Hotels handeln hier sehr verantwortungsbewusst, betrachten immer in erster Linie den Gast, wägen dennoch Einzelfälle und AGB ab und müssen zusätzlich dann noch den Vorgaben der Betreiber gerecht werden. Eine Mammutaufgabe. In vielen Fällen können die Reservierungen einfach auf das neue Messedatum verlegt werden.

Zurzeit kann man günstig in Frankfurt übernachten, nehme ich an.

Ja, es sind aktuell viele Zimmer verfügbar. Wir Manager müssen etwas jonglieren. Es hat jedoch wenig Sinn, die Preisstrategie nun komplett zu verwerfen. Wir müssen intelligent, sachlich und bedacht ohne Aktionismus und Hysterie handeln und vorgehen.

Von Thomas J. Schmidt

In Kelkheim im hessischen Main-Taunus-Kreis hat das Coronavirus weitreichende Folgen für die Schüler einer Gesamtschule: 70 von ihnen müssen nach einem Ausflug vorsorglich zuhause bleiben. Die Frist fürs Daheimbleiben wurde sogar einmal verlängert. 

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