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Cubity zieht um - eine Idee geht auf Wanderschaft

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Von: Sabine Schramek

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Hat eine glänzende Fassade und eine ebensolche Zukunft an einem neuen Standort: das Cubity FOTO: rainer rüffer
Hat eine glänzende Fassade und eine ebensolche Zukunft an einem neuen Standort: das Cubity © Regionalverband

Studenten-Kubus wird als Atelierhaus in Nordrhein-Westfalen neuen Zwecken dienen

Seit dem Jahr 2016 konnten zwölf Studenten mitten in Niederrad in einem völlig neu konzipierten Gebäude wohnen, lernen und forschen. Das transportable "Cubity" aus Holz und Glas wurde jetzt beim Wettbewerb "Vorbildliche Bauten im Land Hessen" ausgezeichnet.

Die Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen (Köln) hat den Kubus-Leichtbau mit 16 mal 16 Metern Innenfläche und zwölf aufeinander gestapelten Wohnwürfeln mit insgesamt 80 Fundamenten gekauft. Im Frühjahr wird es zurückgebaut und reist von Frankfurt auf den Poolplatz in der Gemeinde Merzenich im Kreis Düren. Dort wird es als Atelierhaus mit neuem Nutzungskonzept als zukunftsweisender Ort für Bildung, Lehre und Forschung dienen.

Die Frauen waren mutiger

"Zuerst haben sich nur Frauen beworben", erinnerte die Architektin, Professorin Anett-Maud Joppien (TU Darmstadt), bei der Preisvergabe vor Ort. "Später haben auch Männer Mut gefasst". Dabei war das "Cubity" von Anfang an sehr besonders. 2013 hatte Joppien gemeinsam mit 50 Studenten in nur neun Monaten das erste "Plusenergiesturierendenwohnhaus" der Welt geschaffen, es in Versailles bei Paris ausgestellt und dafür den Internationalen Solarpreis eingeheimst.

Als "LivingLab" (frei übersetzt etwa "Lebendiges Labor") mit der Maxime "Günstiges Wohnen, viel Raum für Gemeinschaft und höchste Energieeffizienz" kam das Haus 2015 nach Niederrad in die Adolf-Miersch-Straße. Seit 2016 lebten zwölf Studenten auf einem Grundstück der Nassauischen Heimstätten darin. Von Anfang an wurde "Cubity" vom Land Hessen gefördert. Die Deutsche Fertighaus Holding AG hatte beim Bau mitgewirkt. Im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojekts erfolgte ein energetisches und ein sozialwissenschaftliches Monitoring.

"Das wird die ganze Region bewegen", sagte Lothar Klein, Vertreter des Bürgermeisters von Merzenich, jetzt bei der Preisverleihung in Niederrad. ",Cubity' ist schön, spannend und inspirierend. Vor allem, wenn Menschen aus aller Welt zum Tagebau Hambach kommen und die Entwicklung der neuen Zeit sehen."

Claudia Rathgeber vom Hessischen Finanzministerium und Florian Dreher als Projektleiter des Auszeichnungsverfahrens "Vorbildliche Bauten im Land Hessen" ehrten Joppien mit dem Preis für Architektur und Städtebau. Die Vorgaben seien von ihr beispiellos umgesetzt worden und auch das dreijährige energetische und sozialwissenschaftliche Monitoring dazu gebe jede Menge "Chancen für das Leben von morgen". Professorin Joppien zeigte sich tief bewegt.

Der Architekt Markus Schmale, der als Vorstandsvorsitzender der Stiftung für den Umzug des "Cubity" nach Nordrhein-Westfalen Projektes zuständig ist, überraschte die Professorin noch mit weißen Lilien und einer Flasche Champagner. "Das Projekt ,Cubity' ist nicht nur eines im Hier und Jetzt, sondern wird in die nächsten 30 Jahre transformiert", sagte er. Leicht fällt Joppien der Abschied nicht, wie sie erklärte. "Man spürt den Abschiedsschmerz schon. Es gab hier im ,Cubity' schließlich so viele tolle Begegnungen. So viel Freude schafft Optimismus, der gerade in dieser Corona-Zeit unheimlich gut tut", schwärmte sie über die vergangenen Erfahrungen dort.

"Eventuell wird aus Dystopie eine Utopie"

Und die Schöpferin des besonderen Gebäudes wagte denn auch eine Prognose für den neuen Standort. Den Kontakt wollen alle Beteiligten weiter eng halten und weiter in Dialogen an Planungen und Ideen für morgen arbeiten. "Ich setze sehr viel Hoffnung in diesen neuen Standort. Alle Beteiligten haben die gleiche Leidenschaft für die Sache und für den Kampf für unser aller Zukunft. Am neuen Ort kann ,Cubity' vielleicht sogar die allgemeine Dystopie in eine positive Utopie verwandeln." Sabine Schramek

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