Über die App miteinander verbunden bleiben: Silke Schrom (l.) und Till Schümmer, die beiden Pfarrer der Rödelheimer Cyriakuskirche, wollen ihre Gemeindemitglieder, aber auch andere Menschen auf modernem Weg erreichen.
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Über die App miteinander verbunden bleiben: Silke Schrom (l.) und Till Schümmer, die beiden Pfarrer der Rödelheimer Cyriakuskirche, wollen ihre Gemeindemitglieder, aber auch andere Menschen auf modernem Weg erreichen.

Rödelheim: Kirche modern

Cyriakus hat jetzt eine eigene App

  • vonKatja Sturm
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Schon 60 Nutzer haben sich angemeldet

Die Idee lag nahe. Schließlich ist Till Schümmer, der heutige Pfarrer der Frankfurter Cyriakusgemeinde, promovierter Informatiker. Der Familienvater arbeitete im Forschungsbereich Soziale Medien an der Fernuniversität in Hagen, bevor er sich der Kirche verschrieb. Schon für die Hofheimer Johannesgemeinde, wo der gebürtige Neu-Anspacher sein Vikariat absolvierte, entwarf er 2018 eine App. Jetzt hat er diese, die damals sein verpflichtendes Praxisprojekt am Ende der Ausbildung zum evangelischen Pastor darstellte, für die Rödelheimer weiterentwickelt.

Seit Februar kann sich unter www.cyriakusgemeinde.de/app jeder die App auf sein Smartphone laden oder per Webversion hineinschnuppern. Schümmer und seine Kollegin, Pfarrerin Silke Schrom, wollen so neben einem Überblick über das Gemeindeleben neue Wege anbieten, auf denen man mit ihnen in Kontakt treten und bleiben kann. Zudem sollen die Kommunikation und der Austausch unter den Nutzern angeregt und gefördert werden.

So einfach wie Whatsapp

Die Bedienung, sagt Schümmer, sei so einfach wie bei Whatsapp, mit dem auch diejenigen schnell umzugehen lernen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind. Den Messenger-Dienst selbst hätten die Kirchen aus Datenschutzgründen verboten. Facebook oder Instagram seien zu öffentlich für "bekenntnishaftes Christentum".

In der App könne jeder selbst bestimmen, wie weit er sich öffnet, sagt der Fachmann. Ob er nur mitliest, sich äußert, wem er seine eigenen Gedanken und Beiträge zukommen lässt, ob er lieber anonym bleibt oder mit seinem Namen auftritt. Um einen "Schutzraum" sicherzustellen, betätigen sich die beiden Pfarrer als Moderatoren, überprüfen die Adressen derjenigen, die sich registrieren, und fragen nach, was sie antreibt. Gemeindemitglied müsse man nicht sein, um sich zu beteiligen. Als Kirche wolle man "durchlässig" sein.

Gottesdienste und Gedankenaustausch

Die Anwender erwarten neben einem Terminkalender mit Benachrichtigungsdienst und den Kontakten zu den Gemeindevertretern zahlreiche Fotos von der Baustelle der eigenen Kirche an der Straße "Auf der Insel", die sich gerade im Umbau befindet und im Laufe des Jahres 2022 fertiggestellt sein soll. Es finden sich Impulse zum Tag und die Andachten, die Schümmer und Schrom in Zeiten der Krise für zu Hause zusammenstellen - Gebete, Texte und Videos der dazu passenden Lieder und Melodien samt Untertiteln zum Mitsingen. Jeder kann seine Gedanken dazu abzugeben; "in einem Gottesdienst gibt es so eine Option nicht", sagt Schrom.

Die verschiedenen Gruppen der Gemeinde präsentieren sich; in jener der Fastenden gibt es Online-Treffen mit motivierendem Austausch. Unter dem neuen Dach sollen sich Diskussionen um Glaubensfragen entwickeln, die noch kein Pendant bei den Präsenzveranstaltungen haben.

In den ersten vier Wochen haben sich knapp 60 Nutzer registriert. "Wir haben das erst jetzt im Gemeindebrief veröffentlicht", erklärt Schümmer. Zudem fehlten aufgrund der Einschränkungen infolge der Coronavirus-Pandemie Möglichkeiten, dass sich die Nachricht herumerzählt. In Hofheim, wo seine Kirche etwa 2000 Mitglieder zählte, wurden mehrere hundert Interessenten verbucht. Bei 2785 Gemeindemitgliedern in Rödelheim sollten 300 bis 500 "realistisch" sein.

Der Altersdurchschnitt sei bislang überraschend hoch; relativ viele aus dem Rentenalter seien unter den Einsteigern. Doch natürlich soll das moderne Kommunikationsmittel gerade auch die Jüngeren erreichen.

Ein Vorteil der App besteht laut Schümmer darin, dass man sich jederzeit äußern kann. "Wenn einen um 22 Uhr etwas bewegt, kann man das reinschreiben." Die Identität bleibe auf Wunsch verborgen. "Nur Google oder Apple wissen, wer Sie sind."

Die App ist nicht nur für die Zeit des Lockdowns vorgesehen, sondern soll die Menschen länger miteinander verbinden. Als vollständiger Ersatz für die persönliche Begegnung ist sie selbst während der Einschränkungen nicht vorgesehen. Für einen seelsorgerischen Besuch etwa sind die beiden Pfarrer auch jetzt jederzeit ansprechbar. Katja Sturm

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