Weltwirtschaftsforum Davos

Da, wo's doch nur um Geld und Glanz geht

  • Panagiotis Koutoumanos
    vonPanagiotis Koutoumanos
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Derart überflüssig wie in diesem Januar ist das Davoser Weltwirtschaftsforum (WEF) in seiner 51-jährigen Geschichte noch nie gewesen. Wenn sich die Mächtigen und Reichen früher auf dem abgesperrten Zauberberg in Davos zu ihrem Stelldichein trafen, profitierten zumindest die Konzernbosse von dem publikumswirksamen Event. Schließlich kamen zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr und an keinem anderen Ort so viele mögliche Geschäftspartner zusammen. Bei informellen Treffen, von denen das Forumsprekariat und die breite Öffentlichkeit natürlich nichts mitbekamen, konnten sie wichtige Deals auf den Weg bringen. "Vier Tage Davos" - so lautet die Faustformel in den Vorstandsetagen - "sparen vier Monate Reise um die Welt".

Nun, da die Wirtschaftselite Corona-bedingt von ihrem Berg zu einer "Agenda-Woche" ins "World Wide Web" hinabsteigen musste, wo sich jeder zuschalten kann und das übliche Speed-Dating der hochrangigen Manager unmöglich ist, wird das Forum völlig irrelevant.

Denn es hat - seien wir ehrlich - noch nie dazu beigetragen, die Welt zu verbessern. Wenn beim Weltwirtschaftsforum, das sich längst als Weltordnungsforum versteht, in 1560 Metern Höhe überhaupt ein Lösungsansatz zur Bewältigung eines aktuellen gesellschaftlichen Problems erdacht worden ist, hat er den Realitätstest der politischen und wirtschaftlichen Niederungen nie überlebt. Wie sollte er auch, wenn auf dem Forum zumeist diejenigen das Wort führen, die für die Probleme mitverantwortlich sind? Selbstkritik, wie sie gestern von der Bundeskanzlerin mit Blick auf Deutschlands Anti-Corona-Kurs geübt wurde, ist äußerst selten.

In der Regel haben Politiker, Wissenschaftler und Manager auch beim Weltwirtschaftsforum nur ihren eigenen schon bekannten Lehren und Strategien das Wort geredet - und dabei die aktuellen Risiken ignoriert. Im Januar 2008 zum Beispiel: Während die US-Hypothekendarlehen-Krise, die zur weltweiten Wirtschaftskrise führte, offensichtlich wurde, herrschte in Davos noch grenzenloser Optimismus. "Es ist unvorstellbar, dass wir eine weltweite Rezession erleben werden", hieß es unisono bei den Konjunkturforschern. Dem Problem der US-Hypothekendarlehen war in dem damaligen Risikobericht nur ein Absatz gewidmet worden.

Im Januar 2016, als der Brexit erwartet wurde und Donald Trump kurz davor stand, die Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire zu gewinnen, fand keines der beiden Themen im Risiko-Bericht des Forums und in Davos Erwähnung. Und während im Januar vergangenen Jahres CNN ständig Corona-Aktualisierungen über die Lockdowns in China sendete, sprach in Davos so gut wie niemand über das Virus. Stattdessen ließ WEF-Gründer Klaus Schwab wieder mal den damals schon wegen Amtsvergehen angeklagten US-Präsidenten Trump über dessen vermeintliche Erfolge schwadronieren - und dankte ihm anschließend für den "beigetragenen Optimismus". "Wir brauchen Träume", jubelte Schwab.

Aber daraus scheinen die Organisatoren des WEF nichts gelernt zu haben: Nachdem sie Chinas Staatschef Xi Jinping schon 2017 die Bühne für einen bizarren Auftritt geboten hatten, bei dem sich ausgerechnet er zum Hüter des Freihandels aufschwang, durfte Xi am Montag erneut alle Systembegriffe des Westens kapern und Chinas Interpretationshoheit reklamieren. Ein Gipfel der Heuchelei, der unsere Welt ebenfalls nicht besser machen wird.

Aber den rund 1000 WEF-Mitgliedern muss Schwab nun mal etwas bieten für deren Jahresbeiträge von 25 000 Schweizer Franken. Da gehören A-Promis wie Trump und Xi dazu. Und deren Bühne ist ja auch Schwabs Bühne.

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