Wo sich normalerweise Geschäft an Geschäft reihte, herrscht an manchen Stellen in Frankfurt nun Leerstand. Abgeklebte Scheiben unterstreichen den trostlosen Eindruck in Sachsenhausen.
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Wo sich normalerweise Geschäft an Geschäft reihte, herrscht an manchen Stellen in Frankfurt nun Leerstand. Abgeklebte Scheiben unterstreichen den trostlosen Eindruck in Sachsenhausen.

Frankfurt

Leerstand in Sachsenhausen: Textorblock soll nicht zur Geisterzeile werden

  • vonStefanie Wehr
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Im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen sucht die Wohnungsbaugesellschaft ABG Nachmieter für den Textorblock. Ein Café hat schon zugesagt.

Am traurigsten sieht es im Laden der früheren Metzgerei Bumb aus. Seit der Nachfolger des Feinkostladens, "Echt und Ehrlich Catering Metzger Bumb", vor einem Jahr von einem Tag auf den anderen schließen und Insolvenz anmelden musste, steht das Geschäft leer. Im Sommer war noch die Weihnachts-Deko vom Vorjahr drinnen zu sehen. Erst seit ein paar Tagen ist die Fensterfront abgeklebt. Endlich, finden Passanten. "Das Bild des leeren, unsauberen Ladens ist ein Skandal", sagt erbost ein ehemaliger Geschäftsinhaber im sogenannten Textorblock. "Früher war der Block immer ein Anker. Sachsenhausen braucht mehr als die Schweizer Straße", findet er.

Leerstand in Frankfurt-Sachsenhausen: Insolvenz noch nicht abgeschlossen

Der beauftragte Frankfurter Insolvenzverwalter Pannen gibt auf Nachfrage keine Auskunft, und auch der Vermieter, die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding in Frankfurt, weiß nicht, wie lange das Verfahren noch andauert. "Wir sind auch nicht froh darüber, dass das Geschäft so lange leer steht", sagt Geschäftsführer Frank Junker auf Anfrage. Er könne nichts machen, solange die Insolvenz nicht abgeschlossen sei. Im Textorblock der ABG stehen indessen mehrere Geschäfte leer. Nicht nur wegen Corona. Die Filiale der Frankfurter Traditionsbäckerei Weidenweber ist schon Ende Juni ausgezogen. "Aus geschäftlichen Gründen", heißt es dort. Die Bäckerei habe sich an dem Standort nicht mehr gelohnt, die Laufkundschaft sei in den vergangenen Jahren immer weniger geworden.

Doch bald soll hier wieder Leben einkehren: "Ein Café wird eröffnen, das Geschäft ist schon vermietet", kündigt Junker an. Wann genau, könne er noch nicht sagen. Wegen Corona stehe der Eröffnungstermin noch nicht fest. "Es wird keine Bäckereikette sein, sondern ein ganz neues Café, das es so noch nicht gibt", versichert Junker. Denn die ABG wolle grundsätzlich keine Franchise-Ketten in dem Wohn- und Geschäftsblock einziehen lassen.

Frankfurt-Sachsenhausen: Neue Mieter gesucht

Neue Mieter werden für das leerstehende ehemalige Reisebüro "Eden Tours" am hinteren Ende gesucht. Das Reisebüro ist ausgezogen und nur übers Internet und telefonisch erreichbar. Nebenan ist derzeit auch das Eiscafé "L'incontro" leer und verwaist, allerdings regulär wegen der Winterpause.

Geöffnet ist trotz Lockdown das neue Unverpackt-Geschäft "Ulf", das abfüllbare Lebensmittel verkauft. "Wir finden nicht, dass die Ladenzeile schlecht besucht ist. Die Ecke ist gut", sagt Inhaberin Claudia Nauth. "Im Corona-Jahr kann man kaum eine valide Aussage treffen, da das Kaufverhalten sich geändert hat." Über fehlende Laufkundschaft könne sie sich aber nicht beklagen. Vor der Tür befindet sich die Bushaltestelle der Linie 36, die Straßenbahn hält um die Ecke und Leute kommen vom Lokalbahnhof her die Straße entlang gelaufen. Daran habe sich nichts geändert.

Frankfurt: Leerstand in Sachsenhausen – einige Betreiber sind guten Mutes

Optimistisch ist auch das zeitgleich neben "Ulf" eingezogene Floristikgeschäft "Blumenlokal". "Ich denke, die Lage ist gut, wir haben viel Laufkundschaft", sagt Inhaber Ghaffari. "Man muss dran bleiben und sich etwas einfallen lassen, besonders in diesem schwierigen Jahr." Sein Laden ist zu, aber er nimmt Bestellungen entgegen - viele Adventskränze und Gestecke stehen bereit.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Textorstraße ist der Kiosk und Tabakladen Weisheit gut besuchte Anlaufstelle. Zwar hat er seine Papeterie ein paar Läden weiter zugemacht, doch der Kiosk läuft gut. Auch das Reformhaus Freya ist guten Mutes. Filialleiter Michael Heinemann ist froh über seine treue Stammkundschaft, die sogar aus Oberrad kommt. Vor drei Jahren ist er mitsamt Belegschaft vom Reformhaus an der Ecke Schweizer/Hans-Thoma-Straße hierher gewechselt - mit Erfolg. (Stefanie Wehr)

Ein leerstehendes Mehrfamilienhaus in Frankfurt in der Weimarer Straße sorgt für Aufregung. Die Eigentümerin lässt es seit Jahren leer stehen - trotz großer Wohnungsnot in der Stadt.

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