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Frankfurt will Auto-Pendler aus der Innenstadt verbannen - und holt alte Idee aus der Schublade

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Aus dem Auto per Park+Ride in die U-Bahn umsteigen: So ideal, wie hier in der Borsigallee am Ende der A66, funktioniert es nur an wenigen Stellen in Frankfurt.
Aus dem Auto per Park+Ride in die U-Bahn umsteigen: So ideal, wie hier in der Borsigallee am Ende der A66, funktioniert es nur an wenigen Stellen in Frankfurt. © Leonhard Hamerski

Frankfurt gilt als Pendlerhauptstadt. 400.000 Menschen strömen täglich in die Stadt zur Arbeit. Das sorgt für Parkplatzprobleme. Nun will die Stadt nachsteuern.

Frankfurt – Auf einen verstärkten Ausbau von Park+Ride steuert Frankfurt zu. War die Kombination von öffentlichem und Autoverkehr in den vergangenen Jahren wenig forciert, will die Römerkoalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt nun umlenken.

"Wir wollen uns dem Thema nähern, zusätzliche Park+Ride-Angebote am Stadtrand zu schaffen", bestätigt Wolfgang Siefert, persönlicher Referent und designierter Nachfolger von Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Das könnte helfen, ein wichtiges Problem kurzfristig zu lösen: "Wir wollen weniger Verkehr in der Innenstadt." Der Ausbau des Nahverkehrs jedoch ist langwierig. Dennoch müssten die Menschen weiterhin Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten erreichen können.

Pendler in Frankfurt: Nicht länger auf die Region warten – Park+Ride soll forciert werden

Fast 400.000 Menschen strömen täglich in die Stadt allein zur Arbeit. Die Mainmetropole ist Pendlerhauptstadt Deutschlands. Morgens und abends sind viele Züge sehr voll, Pendlerautos verstopfen Straßen, treiben damit Schadstoffwerte hoch.

Damit Pendler möglichst per Bahn anreisen, baut der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) seit 25 Jahren beständig das Angebot nach Frankfurt aus. Doch bremsen Kapazitätsprobleme auf der Schiene diese Expansion. Und der Schienenausbau kommt nur langsam voran, aktuell läuft er auf den Strecken nach Bad Vilbel und Gießen sowie nordmainisch nach Hanau.

Auch die Stadt bemüht sich, hat Straßenbahnstrecken nach Neu-Isenburg, Dreieich, Langen, Bad Vilbel und Offenbach vorgeschlagen. Alle drei Projekte sind noch im frühesten Stadium der Planung - und nur aus den südlichen Nachbarorten kommt bisher deutliche Unterstützung.

So bleibt Park+Ride eine wichtige Option, um Auto- und Bahnfahrt zu kombinieren. P+R will das Land möglichst nahe der Wohnorte der Pendler anbieten, damit jene weite Strecken mit der Bahn bewältigen. "Das sehen wir auch so", erklärt Siefert. Doch sei beim Park+Ride-Ausbau "zu wenig in der Region passiert in den vergangenen Jahren".

Bisher wenige Park+Ride-Angebote für Autofahrer in Frankfurt

So fahren weiter viele Menschen mit dem Auto, und dann gleich bis in die Innenstadt - auch weil es an der Stadtgrenze nur wenige P+R-Angebote gibt wie das Parkhaus am Ausbauende der Autobahn 66. An der Borsigallee können Autofahrer bequem aus- und in die U4 und U7 umsteigen. Der Parkplatz an der U-Bahn-Station Bonames büßte 2005 durch die Schließung der daneben liegenden A661-Abfahrt stark an Attraktivität ein.

Nur begrenzte Kapazitäten haben auch Parkplätze wie die an der U-Bahn in Preungesheim, am Bahnhof Stadion und am Straßenbahnhalt an der Stadtgrenze zu Neu-Isenburg. Verließ sich die Verkehrspolitik im Römer lange auf den P+R-Ausbau in der Region, soll sich das nun ändern. "Auch temporäre Park+Ride-Möglichkeiten am Stadtrand" zu schaffen, haben Grüne, SPD, FDP und Volt im Koalitionsvertrag vereinbart. Aktuell seien die Pläne für Park+Ride an der Raststätte Taunusblick an der A5 hervorgeholt worden, sagt Siefert. Dort werde ohnehin die Verlängerung der U7 in den neuen Stadtteil im Nordwesten geplant. "Wir wissen noch nicht, ob das kompatibel ist", sagt Siefert - aber es werde überprüft.

Parkhaus an Unfallklinik Frankfurt statt Tram nach Bad Vilbel?

Vor allem müssten die alten Pläne mit den aktuellen Verkehrszahlen neu berechnet werden. Das Vorhaben sei bisher aus gutem Grund nicht weiterverfolgt worden: Berechnungen hätten gezeigt, dass Park+Ride am Taunusblick so attraktiv gewesen wäre, dass Pendler in größerer Zahl vom Bahn-Regionalverkehr abgewandert wären, um mit dem Auto über die A5 zur U7-Station zu fahren - also das Gegenteil von dem, was P+R erreichen soll.

Als weitere zu prüfende Standorte nennt der Koalitionsvertrag das Stadion, Messeparkplätze, die Sachsenhäuser Warte, die Babenhäuser Landstraße und die Vilbeler Landstraße. Ebenso sei ein P+R-Angebot an der B521 zwischen Unfallklinik und Heiligenstock denkbar, erläutert Siefert. Am besten würde das mit der geplanten Straßenbahnstrecke nach Bad Vilbel kombiniert.

Zuletzt hat sich Bad Vilbels künftiger Bürgermeister Sebastian Wysocki (CDU) im Wahlkampf aber skeptisch zur Tram-Strecke geäußert, ebenso wie sich die dortige CDU positioniert hat. "Wir würden uns sehr freuen, wenn sich die Vilbeler der Machbarkeitsstudie anschließen", wirbt Siefert. Was aber, wenn nicht? Eine Verlängerung der Tramstrecke zumindest bis zur Unfallklinik sei bereits im Frankfurter Generalverkehrsplan vorgesehen, erinnert Wolfgang Siefert. "Wir wollen aber gerne eine Straßenbahn bis Bad Vilbel bauen." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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