Ein Mann nutzt das kostenlose Trinkwasser an einem Brunnen zum Händewaschen. Der Trinkbrunnen wird von dem Frankfurter Energieversorger Mainova betrieben und steht in der Fußgängerzone.
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Ein Mann nutzt das kostenlose Trinkwasser an einem Brunnen zum Händewaschen. Der Trinkbrunnen wird von dem Frankfurter Energieversorger Mainova betrieben und steht in der Fußgängerzone.

Versorgung

Trinkwasser-Not in Frankfurt: Die Stadt muss nun handeln

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Die Stadt Frankfurt muss Quellen wie den Main ganz anders nutzen, um Wasser zu sichern. In Kürze will sie einen Masterplan vorlegen.

Frankfurt - Wasser ist unser täglicher Begleiter. Wir waschen uns damit. Wir kochen damit Kaffee, Tee oder Nudeln. Wir brauchen es zum Geschirrspülen und Wäschewaschen. Doch Wasser ist auch ein hohes Gut und wird immer rarer.

In Frankfurt etwa ist der Bedarf viel höher, als die stadteigenen Brunnen fördern können. Deshalb bezieht die Kommune große Teile des Trinkwassers aus anderen Regionen, etwa dem Vogelsberg oder dem Hessischen Ried. Zum Ärger dieser Region. Daran wird sich künftig aber nichts ändern. "Eine komplette Versorgung über im Stadtgebiet gelegene Wasserwerke war und wird auch in Zukunft nicht annähernd möglich sein." Das bekräftigte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) jüngst in einer schriftlichen Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Carolin Friedrich (CDU).

Frankfurt: Mainwasser gegen Trinkwasser-Not

Die Stadtverordnete wollte wissen, was der Magistrat unternehme, um Trinkwasser vermehrt aus örtlichen Quellen zu gewinnen und den Verbrauch durch Brauchwasser zu senken. Friedrich wies in ihrer Anfrage darauf hin, dass die Forderung im Raum stehe, dass Frankfurt deutlich mehr für die Wasserversorgung unternehme. "Dabei dürfte die Nutzung von örtlichen Brunnen, die Aufbereitung von Flusswasser und der Ersatz durch Brauchwasser eine größere Rolle spielen", so Friedrich. "Durch eine vierte Reinigungsstufe in der Kläranlage könnte deren Wasser nach der Behandlung zum Bewässern von Bäumen und Grünanlagen verwendet werden.

"Es wurden bereits große Anstrengungen unternommen, die eigene Trinkwassergewinnung durch umfangreiche Infiltration von aufbereitetem Mainwasser im Frankfurter Stadtwald und trotz des hohen Nutzungsdrucks durch Bauvorhaben, insbesondere der Verkehrsinfrastruktur, langfristig zu sichern", teilte Heilig mit. Derzeit liege der Anteil des Trinkwassers, das durch Gewinnungsanlagen auf dem Stadtgebiet gewonnen werde, bei rund 25 Prozent.

Die Umweltdezernentin kündigte an, dass "in Kürze" ein kommunales Wasserkonzept in den politischen Geschäftsgang eingebracht werden soll. In dem Konzept werden Maßnahmen definiert, die erforderlich sind, um die Wasserversorgung der Stadt langfristig zu sichern. Dabei hätten laut Heilig Maßnahmen des Ausbaus der Brauch- respektive Betriebswassernutzung einen großen Stellenwert. "Die Stadt nutzt bereits heute im größeren Maßstab Brauchwasser", so die Stadträtin. So gebe es im Stadtgebiet inzwischen mehrere Entnahmestellen an Flüssen zur Bewässerung von Straßenbäumen, Parks und Friedhöfen. Zudem würden teilweise eigene städtische Tiefbrunnen zur betrieblichen Wasserversorgung existieren.

Wasser in Frankfurt sichern: Stadt beteiligt sich an zwei Forschungsprojekten

Nach Angaben der Umweltdezernentin solle künftig außerdem bei der Aufstellung von Bebauungsplänen die Nutzung von Brauchwasser geprüft und möglichst umgesetzt werden. "Ein sehr wichtiger Baustein ist der Ausbau der Mainwasseraufbereitungsanlage in Niederrad und der zugehörigen Infiltrationsanlagen durch das Versorgungsunternehmen Hessenwasser", so Heilig. "Nach der Passage durch den Boden wird dieses Wasser dann wiederum als Trinkwasser gefördert."

Zur Nutzung von gereinigtem Abwasser sagte Heilig, dass dies eine Maßnahme des Konzepts "Abwasser 2035" der Stadtentwässerung sei. Dies stelle aber eine langfristige Überlegung dar, da die Umsetzung einer solchen Nutzung eine weitergehende Reinigung des Abwassers voraussetze.

Übrigens: Die Stadt Frankfurt ist an zwei Forschungsprojekten beteiligt, die sich mit den Möglichkeiten von Regen- und Brauchwassernutzung sowie mit der Anreicherung des Grundwassers durch aufbereitetes Flusswasser beschäftigen. Dabei geht es unter anderem darum, wie man den täglichen Wasserbedarf von Straßenbäumen ermitteln und so zielgerichtet das Grün mit ausreichend Wasser versorgen kann. (Julia Lorenz)

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