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Damit der Frost nicht zu Frust führt

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Bloß nicht zu viel, zu tief und zu schnell durch den Mund atmen: Diesen Ratschlag geben Ärzte vor allem Kindern. Die eisige Luft schadet den jungen Lungen.
Bloß nicht zu viel, zu tief und zu schnell durch den Mund atmen: Diesen Ratschlag geben Ärzte vor allem Kindern. Die eisige Luft schadet den jungen Lungen. © Julian Stratenschulte (dpa)

Eisige Temperaturen machen den Frankfurtern das Leben schwer. Vor allem Kinder und Senioren sollten sich bei klirrender Kälte nicht leichtfertig verhalten. Wir haben einige Tipps – und haben die Profis gefragt, wie sie mit der Eiszeit klar kommen: Postboten, Verkehrspolizisten, Marktbeschicker und Müll-Entsorger.

Sie zieht einem fast die Haut vom Gesicht, diese Eiseskälte. Bis ins zweistellige Minus können die Temperaturen heute und morgen auch in Frankfurt sinken. Vor allem abends in Parks und auch auf Fußballplätzen. Kein Wunder, dass mancher Verein unsicher ist, ob er seine Kinder- und Jugendmannschaften aufs Feld schicken soll. Und auch die meisten Kitas und Horte bleiben lieber drinnen.

  Die Kinder leiden unter eisiger Kälte, ohne es zu merken, sagen Ärzte. Besonders dann, wenn sie draußen zu sehr toben. Kinder atmen dann meistens stark durch den Mund, und das ist Gift für die Lungenbläschen. Die reagieren im günstigen Fall nur gereizt. Setzt man sie dauerhaft Stress aus, kann das drastische Folgen haben: Bronchitis, Asthma, Lungenentzündung. Kinder sollten es draußen also eher ruhig angehen und zusätzlich zur dicken Kleidung auch das Gesicht mit Fettcreme schützen. Für Sportvereine gilt: auf keinen Fall Kondition bolzen, bis die Kids nach Luft beißen. Aber immer in leichter Bewegung bleiben, nie rumstehen. Der Körper kühlt extrem schnell aus. Gut ist natürlich auch, Kindern warmen Tee mitzugeben.

  Die Sportler: Das alles gilt auch für ältere Semester. Besser mal aufs Joggen verzichten, allenfalls kurze Läufe mit Zwischenstopps, schnellem Gehen und Dehnübungen. Fahrradfahrer sollten ihre Augen mit winddichten Brillen schützen.

  Die Senioren: Die alten Hasen wissen natürlich selbst, wie gut oder schlecht sie Kälte vertragen. Oder? Ärzte warnen: Bloß nicht zu viel zumuten. Dazu neigen nämlich viele ältere Leute, manche erwischt es dann buchstäblich eiskalt. Ganz wichtig: Keine zu langen Fußwege angehen! Wer riskiert, sich zwischendurch auf eine Bank setzen zu müssen, riskiert auch, nach zwei Minuten nicht mehr hoch zu kommen. Muskeln und Gelenke frieren rasch förmlich ein. mjo

Also keine Frage: Bürojobber haben’s derzeit gut: Aber was ist mit denen, die auch jetzt im Freien arbeiten müssen?

  Die Frankfurter Polizei: Andrew McCormack, Sprecher der Frankfurter Polizei, ist ganz der Profi: „Kälte- oder hitzefrei gibt es bei uns nicht. Eine Schicht als Streifenbeamter dauert zwölf Stunden, dafür packt man sich dann schon besonders dick ein. Wir haben Bekleidung für alle Witterungsverhältnisse. Unsere Schuhe haben zum Beispiel dicke Gummisohlen, falls in der Nähe ein Blitz einschlägt. Und unser Winteranorak ist besonders dick. Dazu packt sich dann jeder Kollege noch nach eigenem Ermessen warm ein, zum Beispiel mit langen Unterhosen. Außerdem stellen wir uns mit der Verpflegung auf die Situation ein, haben heißen Tee oder etwas warmes zu Essen dabei – und manchmal spendiert auch jemand den Streifenbeamten einen heißen Kaffee.“ msb/ako

  Die Marktbeschicker an der Konstablerwache: Katja Berbalk, Marktbeschickerin auf dem Erzeugermarkt Konstablerwache, findet’s schon arg kalt: „Ich sage immer: Ganz kalt und ganz heiß ist schlecht für den Markt. Zurzeit ist es schon heftig. Die Leute mit Obst und Gemüse bleiben zum Teil zu Hause, weil ihnen die Ware schlicht auf dem Tisch wegfriert und kaputtgeht. Wir selbst haben Lammspezialitäten, das ist etwas entspannter. Wir haben einen geschlossenen Wagen mit Kühltheke – die müssten wir bei den Temperaturen eigentlich gar nicht anmachen. Aber unter der Woche, auf dem Hof, macht uns die Kälte schon zu schaffen. Man ist binnen Minuten durchgefroren, egal, was man macht. Und man wird auch schneller müde. Auf dem Markt selbst ist es für uns dann nicht ganz so schlimm. Härter ist es für die Beschicker, die draußen unterm Schirm stehen und Wind und Wetter ausgesetzt sind. Aber die Kunden an der Konstablerwache kommen bei jedem Wetter, das ist gut. In Wiesbaden ist das anders, das ist ein reiner Schönwettermarkt.“ cb

  Die Gärtner: Matthias Distel, Geschäftsführer Sommerfeld Grünanlagen, hat vorgeplant: „Unser Betrieb ist glücklicherweise so breit aufgestellt, dass wir nie ohne Arbeit sind. Wir führen derzeit Baumfäll- und Rodungsarbeiten durch. Allerdings können wir beispielsweise Pflasterarbeiten derzeit nicht durchführen. Im Januar haben wir einige Großbaustellen vorbereitet, die jetzt erst einmal brach liegen. Denn auch nach Ende der Frostperiode dauert es noch rund vier Wochen, bis der Frost vollständig aus dem Boden heraus ist. Jetzt bei diesen Temperaturen habe ich den Mitarbeitern eine Grundausrüstung mit beispielsweise einer dicken Jacke und gefütterten Handschuhen gestellt. An solchen Tagen wie heute gibt es aber verkürzte Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, Überstunden abzubauen.“ msb

  Die Handwerker in und um Frankfurt: Thomas M. Reimann, Vorstandsvorsitzender der ALEA AG, machen die Minustemperaturen zu schaffen: „Für uns sind Temperaturen unter Null Grad alles andere als harmlos. Wir können dann nicht mehr betonieren und nicht mehr mauern. Seit Montag stehen die Baustellen im Freien still, rund 80 Prozent unserer Mitarbeiter sind zuhause. Sie bekommen allerdings weiterhin ihren Lohn. Denn es greift die Schlechtwetter-Regelung. Wir als Arbeitgeber zahlen das ganze Jahr über Beiträge an die Zusatzversorgungskasse in Wiesbaden und bekommen dann, wenn draußen schlechtes Wetter ist, einen Zuschlag für unsere Arbeitnehmer. Per se ist es allerdings so, dass der Zuschlag nie die tatsächlichen Kosten deckt. Schlechtwetter kostet den Unternehmer also immer Geld. Deshalb freue ich mich sehr aufs Wochenende, wenn es wieder um die zehn Grad sein sollen. Gegen Kälte helfen übrigens vor allem gute Arbeitskleidung und regelmäßige Bewegung.“ mlf

  Die Müllabfuhr: Stephanie Pieper, FES, hofft auf Mithilfe der Anwohner: „Unser Winterdienst fährt zurzeit Sicherheitskontrollen. Es schneit zwar nicht, aber es gibt Gefahrpunkte – Brücken und Gefällelagen, zum Beispiel in Bergen-Enkheim und Seckbach. Sollte Schnee fallen, mobilisieren wir weitere Einheiten. Grundsätzlich stellt die FES ihren Mitarbeitern im Außendienst Thermokleidung zur Verfügung. Das nehmen die Leute auch an – wobei es auch welche gibt, die sagen: Ich bewege mich, ich wuchte ständig Tonnen hoch oder fege die Straße, mir wird von alleine warm. Was den Müll selbst betrifft: Alles, was feucht ist, ist bei dem Wetter problematisch. Das betrifft vor allem den Biomüll. Wir bitten die Leute, feuchten Müll in Zeitungspapier einzuwickeln und gegebenenfalls immer mal wieder an den Tonnen zu rütteln. Wenn der Müll trotzdem festfriert, kann es halt sein, dass wir eine Tonne mal nicht vollständig leeren können.“ cb

  Die Wildtiere in Wäldern und Parks: Volker Bannert, Vorsitzender des Nabu Frankfurt, bleibt ganz entspannt. „Die Tiere sind die Kälte gewöhnt, früher hat es schließlich häufiger noch kältere Winter gegeben. Natürlich kann man jetzt Vögel füttern, das wird aber nichts Besonderes bewirken. Die Kälte wird die Schwächeren mehr betreffen als die Starken, die Schwächeren werden vermutlich sterben, das ist aber natürliche Selektion, da muss man nichts unternehmen. Der Mensch ist eher der, der unter der Kälte leidet. Die meisten der Tiere sind schon viel länger auf der Erde als der Mensch, die haben Anpassungsstrategien.“ ako

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