Der Innenhof vom Alexander-Loulakis-Gebäude im Ostend in Frankfurt gleicht einer Performance aus Licht und Musik voller fröhlich feiernder und tanzender Menschen.
+
Der Innenhof vom Alexander-Loulakis-Gebäude im Ostend in Frankfurt gleicht einer Performance aus Licht und Musik voller fröhlich feiernder und tanzender Menschen.

Corona-Lockerungen

Bordelle und Clubs in Frankfurt dürfen wieder öffnen: Frust über „unlogische Bürokratiehürden“

  • VonSabine Schramek
    schließen

In Frankfurt können Clubs und Bordelle unter Auflagen wieder ihre Türen öffnen. Viele blieben dennoch zu. Zu Beginn gab es ein Wechselbad der Gefühle.

Frankfurt - An Laternenpfählen in der Stadt hängen DIN-A4-Blätter, auf denen eng gedruckt das Wort „Tanzverbot“ steht. Warteschlangen vor Clubs gibt es trotzdem - obwohl nur im Freien getanzt werden darf. Im „Gibson Club“ auf der Zeil und im „La Louve“ in der Brönnerstraße ebenso. Wer nicht aktuell getestet, nachweislich geimpft oder genesen ist, muss draußen bleiben. Wer keine Kontaktdaten per App oder auf Papier hinterlässt, ebenfalls.

Die Leute wollen trotzdem rein. "Endlich wieder in die Clubs", sagen sie euphorisch zu den Türstehern, die nicht nur Gesichter kontrollieren, sondern auch Tests und Impfpässe. "Ich freue mich, dass wir überhaupt öffnen können", sagt Ferdinand Hartmann, der den "Latin Palace Changó" in der Münchner Straße in Frankfurt betreibt.

Dort, wo vor Corona 1200 bis 4000 Besucher am Wochenende getanzt und gefeiert haben, lässt er jetzt 250 Leute gleichzeitig ein. Fast alle gehen in den idyllischen Hinterhof mit Karibikfeeling. Eine junge Frau kommt auf ihn zu. "Darf ich bitte ein bisschen tanzen?", fragt sie schüchtern. "Ja, das darfst Du", antwortet er freundlich.

Corona-Lockerungen in Frankfurt: Clubs wieder offen – Testzentrum vor der Tür

„Unsere Belüftung innen erfüllt mehr als alle Corona-Standards. Wir haben ein eigenes Testzentrum vor der Tür. Die Wege im Club sind so gestaltet, dass es nirgendwo Gedränge gibt. Trotzdem muss ich bei wenigen Gästen bleiben, weil die Terrasse mit Abstandsregeln eben für 250 Leute ideal ist.“ Er wollte einige Tische mit Sondernutzung vor den Club stellen. Das wurde vom Ordnungsamt abgelehnt. Mit der Begründung, dass dort eine Haltestelle sei. Die ist allerdings 200 Meter entfernt an einer Stelle, an der auf dem Bürgersteig kein Durchkommen ist. Hartmann schüttelt den Kopf.

„Den Kollegen geht es kaum anders. Überall unlogische Bürokratiehürden“, schimpft er. Darum bleiben auch der Freud Club im Holzgraben und der „Belle Club“ auf der Hanauer Landstraße zu. „Wir müssten wegen der Auflagen mit zwei Drittel weniger Gästen mehr Personal einstellen. Und ein Vermögen in Möbel für den Innenraum investieren, damit dort nicht getanzt werden kann. Und das nach 15 Monaten Schließung. Das rechnet sich nicht“, sagte Belle Club-Betreiber Marin Pehar.

Laute Musik tönt von der Terrasse im Frankfurter Hof, auf der fröhlich getanzt wird. Der Innenhof vom Alexander-Loulakis-Gebäude im Ostend gleicht einer Performance aus Licht und Musik voller fröhlich feiernder und tanzender Menschen. Im „Adlib“ im Ostend läuft eine „Gay Inoor Party“ mit DJs und völlig ohne Tanz. „Das ist strange, aber besser als nichts“, sagt ein junger Mann glücklich.

Obwohl im "Gibson" Tanzverbot herrscht, hat sich eine Schlange vor der Tür gebildet.

Frankfurt: Clubs und Bordelle öffnen wieder – Ärger um Straßenprostitution

Ähnlich konfus ist es bei den Bordellen. Nur knapp die Hälfte der Häuser ist an diesem Wochenende geöffnet. Geduldig registrieren sich Freier an Eingängen, legen aktuelle Corona-Tests vor. „Ich bin aus Rheinland-Pfalz hergekommen. Da ist noch alles geschlossen“, sagt ein Mann. „Auf Straßenstrich habe ich keine Lust.“ Er trägt sich ein und verschwindet im Laufhaus. Wer keinen Test hat, wird zum Testen geschickt. Auf der Taunusstraße werden sie in einem Discounter und einem Spielsalon angeboten, um die Ecke in einem Hotel.

„Nächste Woche kommt ein Rund-um-die-Uhr Testzentrum in die Elbestraße“, verrät ein Wirtschafter. Er beobachtet das Geschehen auf der Straße. An jeder Ecke stehen weiterhin Prostituierte, die ihre Dienste auf der Straße anbieten und ihre Kunden mit in ein Hotel nehmen. „Das ist unmöglich“, echauffiert sich Nadine Maletzki, die das „Sex Inn“ betreibt. „Straßenprostitution war und ist illegal. Niemand kontrolliert seit der Schließung der Bordelle, was in den Hotels abgeht.“ Den Laufhäusern drohten während der Corona-Schließung 25.000 Euro Strafe, wenn der Prostitution nachgegangen worden wäre, so ein Bordellbetreiber „Die Hotels scheinen nichts zu befürchten zu haben. Die machen, was sie wollen.“

Längst sind nicht alle Frauen, die in Bordellen im Bahnhofsviertel und Allerheiligenviertel arbeiten, dort. „Die Mitteilung, dass wieder geöffnet werden darf, kam sehr kurzfristig“, berichten die Betreiber. „Ja, das ging so plötzlich, dass ich völlig überrascht war, dass ich wieder arbeiten darf“, sagt eine Prostituierte. „So schnell, dass kaum Zeit ist, die von den Behörden angeordneten Papiere zusammenzubekommen. Das geht uns allen so. Aber die Hauptsache ist, dass es weitergeht.“ Männer warten vor Laufhäusern und füllen am Eingang Zettel aus. Die Straßen sind voller Autos, aus denen laute Musik wie in Clubs dröhnt. (Sabine Schramek)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare