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Verbot

Darum gibt es in Frankfurts Parks künftig keine Sportkurse mehr

Viele Frankfurter treffen sich gerne in Parks und Grünanlagen, um unter Anleitung Yoga, Thai Chi oder Mamafitness zu praktizieren. Doch das ist eigentlich nicht erlaubt. Seit einigen Monaten geht die Stadt sogar gegen kommerzielle Anbieter vor.

Das muss für viele Sportler eine böse Überraschung gewesen sein. Wie so oft unter der Woche tummelten sich morgens viele Trainingsgruppen im Frankfurter Holzhausenpark, also plötzlich die Stadtpolizei auftauchte und von einzelnen Trainern den Gewerbeschein sehen wollte.

Die verdutzten Sportler erfuhren an diesem Morgen etwas, was sie alle überraschte: Die kommerzielle Nutzung der städtischen Grünflächen ist verboten und kann bis zu 1000 Euro Strafe kosten. So steht es in der Grünanlagensatzung. 

Neu dabei ist allerdings, dass die Stadt gegen kommerzielle Anbieter von Sportkursen vorgeht und Kontrolleure schickt. Und das hat einen Grund: In den vergangenen Jahren habe die Nachfrage nach Yoga und Thai Chi-Kursen auf der grünen Wiese rapide zugenommen, sagt Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamtes. Vor allem der Holzhausenpark sei ohnehin stark von den Bürgern beansprucht, sagt er. Durch den enorm trockenen Sommer und die steigende Nutzung durch Sportler würden die Grünflächen zu sehr leiden. „Wir wollen die Kontrolle über die Parks zurückbekommen“, sagt Heldmann. Gerade, wenn diese, wie im Fall des Holzhausenparks im Nordend, frisch saniert seien.

 

Um Herr über die Situation zu werden, setze man bei den kommerziellen Sportgruppen an, erklärt der Amtsleiter. Denn dafür seien die Parks „schlichtweg nicht gebaut worden.“ Heldmann ist der Meinung, dass die Yogalehrer doch ihre eigenen Räume nutzen sollten, das ein oder andere Yoga-Studio habe sicher auch eine eigene Grünfläche. Es soll kommerziellen Kursleitern auch bislang nicht ermöglicht werden, ihre Kurse beim Grünflächenamt anzumelden und dort eine Genehmigung zu beantragen. Falls die Stadt da Ausnahmen machen würde, hätte das ganze Verbot keinen Sinn, findet Heldmann.

Nadine Gerhardt ist Yoga-Lehrerin und hat keine eigene Grünfläche, sie kann sich auch kein eigenes Studio leisten. Zu ihren Kursen kommen durchschnittlich 40 Teilnehmer. An warmen Sommerabenden kämen sogar bis zu 100 Menschen zu ihren Stunden. Heldmanns Aussage irritiert die Yogini. „Ich kenne keinen Kollegen, der über eigene Grünflächen verfügt. „Wir leben in Frankfurt in Wohnungen“, sagt sie. Für die junge Frau sind die Yoga-Angebote im Park ein wichtiger Teil großstädtischen Lebens. „In New York treffen sich hunderte Yogis im Central Park“, erzählt sie. Auch in Asien sei die Art, die Grünflächen zu nutzen, völlig normal. 

Auch in Weiterstadt bei Darmstadt blicke die Verwaltung wohlwollend auf sonntägliche Yoga-Kurse im Park. „Frankfurt vertut hier eine Chance, sich mit solchen Aktivitäten zu profilieren“, sagt sie.

Auch Claudia Karstedt bietet bisher Sportkurse im Freien an und ärgert sich über solche Aussagen. Sie glaubt, dass es eben einen besonderen Wert hat, an der Luft Sport zu treiben. Besonders die Kurse für Mamas und Babys seien in den Parks viel effektiver und schöner. Die Kleinen könnten draußen spielen und die Mütter in der Natur ein bisschen abschalten, erklärt sie. Die Nachfrage gebe ihr recht.

Nadine Gerhardt ist über das harsche Vorgehen des Ordnungsamtes schockiert. „In anderen Städten wird die Gesunderhaltung der Bürger unterstützt“, meint Gerhardt. „In Frankfurt passiert gerade das Gegenteil.“ Auf der Plattform möchte sie Unterschriften gegen die Verordnung des Grünflächenamtes sammeln. Schon rund 600 Menschen haben unterschrieben.

Gegen private Sportgruppen hat Heldmann nichts einzuwenden. „Gruppen, die über keine formale Struktur verfügen, dürften Sport treiben und die kostenlos zur Verfügung gestellten Fitnessanlagen und Sporteinrichtungen benutzen.“ Gerhardt und Karstedt haben ihre Konsequenzen aus dem Verbot gezogen und ihre Kurse bis auf Weiteres abgesagt. 

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