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Lassen die Köpfe hängen: Ruth von Freyberg (r.), Anne Behrens und ihre geliebten Vierbeiner, denen zum Ende des Jahre gekündigt wurde. Auf das Areal soll die Diesterwegschule.

Ginnheim: Kündigung

Das Aus für den beliebten Ponyhof

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Das Reiterparadies soll Platz machen für die Diesterwegschule. Ein Ersatzgrundstück wird gesucht.

Es ist eine Nachricht, mit der Ruth von Freyberg und Anne Behrens schon fast nicht mehr gerechnet haben: Sie und ihr Ponyhof müssen das liebevoll gestaltete Gelände in der Straße "An der Schloßhecke" verlassen. Zum 31. Januar 2021 müssen sie das städtische Grundstück geräumt haben, heißt es in dem Schreiben, dass die beiden jungen Frauen, die den Ponyhof 2010 übernahmen und seit 2016 hauptberuflich betreiben, vor wenigen Tagen erhielten. Denn die Diesterwegschule, die Ginnheimer Grundschule, für die bereits seit einigen Jahren eine Ausweichfläche gesucht wird, soll nun tatsächlich an die Schloßhecke ziehen. So wurde den Ponyhof-Besitzern zumindest die Kündigung begründet.

Betreiberinnen sind noch in Schockstarre

"Wir befinden uns nach wie vor in einer Schockstarre und wissen nicht wirklich, was wir jetzt tun sollen", sagt Ruth von Freyberg. Vor zwei Jahren waren sie schon einmal damit konfrontiert worden, das Gelände, auf dem der Hof seit mehr als 30 Jahren beheimatet ist, verlassen zu müssen. Aber nicht, weil dort die Container der Schule aufgestellt werden sollten. "Die sollten auf das Nachbargrundstück kommen. Doch die Kinder wären für unsere Ponys zu laut gewesen. Vor allem vormittags brauchen sie Ruhe", sagt Ruth von Freyberg. Soll heißen: Der Ponyhof hätte sich quasi freiwillig nach einer neuen Bleibe umgeschaut.

Jetzt, so von Freyberg, soll die Schule auf das Gelände des Ponyhofs ziehen. Denn die Verhandlungen zwischen dem Eigentümer des Nachbargrundstücks, einer Erbengemeinschaft, und der Stadt seien geplatzt. Nun müssen Koppel und Reitplatz weichen, auch der Pächterin des Nachbargrundstückes, die dort Gänse hält, wurde gekündigt. "Sie hat aber mittlerweile etwas anderes gefunden", sagte Anne Behrens.

Kündigung ohne Vorwarnung

Ein Grundstück für einen ganzen Ponyhof, mit Platz für zwölf Pferde, Stallungen, Koppeln und Reitplätze zu finden, gestaltet sich da verständlicherweise deutlich schwieriger. 10 000 Quadratmeter, sagen die Betreiberinnen, würden sie benötigen. In einem Umkreis von maximal zehn Kilometern von ihrem jetzigen Standort entfernt, schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite. Denn: Fast alle der 70 Kinder, die den Ponyhof besuchen, dort die Pferde pflegen und reiten, kommen aus Ginnheim, Eschersheim oder Bockenheim. 80 Prozent radelten zum Hof. "Alles das würde dann freilich wegfallen", so von Freyberg.

Besonders schlimm finde sie, dass die Kündigung so plötzlich, ganz ohne Vorwarnung, gekommen sei. Man hätte doch vorher mit ihnen sprechen können, sagen die beiden Frauen, die seit der Kindheit mit dem Ponyhof verwurzelt sind. Dort haben sie reiten gelernt, und sind Freundinnen geworden. Gemeinsam haben sie sich mit dem Ponyhof selbstständig gemacht und den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Und nun das. "Bau- und Immobiliendezernent Jan Schneider (CDU) war vor zwei Jahren sogar hier, er hat sich alles angesehen. Wir haben uns verstanden gefühlt", erklärt Ruth von Freyberg, warum man deswegen umso überraschter über die plötzliche Kündigung sei.

Überrascht zeigte man sich derweil auch im Bau- und Immobiliendezernat über den "doch recht sportlichen Zeitplan", wie eine Sprecherin auf Nachfrage mitteilte. Deswegen habe man diesen auch noch einmal überdacht und das Amt für Bau und Immobilien um eine erneute Prüfung gebeten. Der Reiterbetrieb solle so lange wie möglich auf dem Grundstück bleiben können. "Wir werden freilich auch nach Ersatzgrundstücken schauen", so die Sprecherin.

Eine konkrete Aussage, dass die Diesterwegschule, die seit vielen Jahren dringend saniert werden muss, was bislang an einem fehlenden Ausweichgrundstück scheiterte, nun tatsächlich an die Schloßhecke ausgelagert wird, gibt es derweil nicht. "Es ist derzeit die einzige Option. Wenn es noch andere Möglichkeiten gibt, werden wir die aber prüfen", so die Sprecherin.

Auch der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) hat von der Kündigung erfahren. Mit Gegenstimmen von CDU, SPD, Linke und BFF wurde ein FDP-Antrag abgelehnt, der mehr Informationen darüber fordertete. "Ich finde diesen Antrag sehr seltsam. Schließlich hat sich die FDP auch dafür ausgesprochen, dass die Diesterwegschule an die Schloßhecke ausgelagert wird. Jetzt muss man auch mit den Konsequenzen klarkommen", sagte Marc Hense (BFF).

Judith Dietermann

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