Das Festmahl gibt's dieses Jahr nur Zuhause

Auch wenn Corona dieses Jahr alles durcheinander wirbelt, Weihnachten kommt sicher. Und dazu braucht es ein festliches Essen. In der Kleinmarkthalle wird streng darauf geachtet, dass es kein Gedränge gibt. Dafür gibt es persönliche Tipps fürs Festessen und an 63 Ständen alles, was Genuss pur ist. Auch die Marktleute planen schon ihr eigenes Festmahl.

Frankfurt -Fast liebevoll nimmt Franco Gulino (58) den ganzen riesigen Bömlo-Lachs vom Eis. "Der hat absolute Sushi-Qualität", sagt der Fischhändler auf der Galerie in der Kleinmarkthalle stolz. Lachs ist auch im Corona-Jahr der Renner. "Dazu Goldbarsch, Jacobsmuscheln, Austern, Meeresfrüchtesalat, Salzheringe und Bacaloa", fügt er hinzu. Seit 19 Jahren ist er hier, "aber so was wie dieses Jahr mit Corona gab es noch nie. Gottseidank dürfen wir in der Kleinmarkthalle weiterverkaufen." Absehen, wie sich das Geschäft bis Heiligabend entwickelt, kann er nicht. "Es läuft. Schade, dass am 24. Dezember nur von 6 bis 13 Uhr geöffnet ist. Am liebsten würde ich bis 18 Uhr draußen verkaufen. Mal sehen, ob das klappt." Gulino ist und bleibt positiv. "Ich hoffe, dass Gott uns hilft, dass alle etwas Schönes an Weihnachten auf den Tisch bekommen." Er selbst macht für seine Familie seine Gambas und Jacobsmuscheln in Hummersoße und Panettone. Das muss einfach sein.

Dieter Rudolph (67) setzt auf Gans im kleinen Familienkreis. Er erlebt an seinem Wild- und Geflügelstand "Geflügel Dietrich" das 49. Weihnachtsgeschäft und schüttelt lachend den Kopf. "Letztes Jahr dachte ich noch, die nächsten Weihnachten macht man locker mit, und dann begann der Zirkus." Seine Enkeltochter hat er seit der Einschulung nicht mehr gesehen. Das sei schade, aber Corona verändere so vieles. "Überall ist Unsicherheit, viele haben Ängste", beobachtet er. Dennoch kommen seine Kunden wie eh und je. "Für uns zahlt es sich aus, dass die Gastronomie zuhat. Die Leute müssen ja trotzdem essen", meint er.

Er verkauft einer Kundin Hirschgulasch. "Ich bin Vegetarierin. Bei mir gibt es an Weihnachten eine feine Gemüsesuppe mit Chinakohl", erzählt sie. Das Gulasch ist für ihren Hund. "Der ist kein Vegetarier und bekommt nur das Beste", sagt sie lachend. "Plätzchen sind zu ungesund für ihn, aber er liebt Wild." Rudolph selbst schwört auf seine Weihnachtsgans und gibt jedem, der sich für die beste Zubereitung interessiert, einen kleinen Zettel mit, den er an der Kasse ausdruckt. "Gans ganz klassisch" steht darauf. Auf 20 Zeilen mit Zutaten, Würzung, Zubereitung und Tipps, wie sie knusprig wird. "Ich liebe sie einfach", schwärmt Rudolph.

Traditionell gibt

es Spanferkel

Gulasch und Rouladen sind bei der "Metzgerei Hoos" besonders gefragt. "Ich glaube, dass viele Leute wegen Corona auf gemütlich rustikal statt auf groß und pompös umsteigen", beobachtet Mary Solaja, die seit elf Jahren in der Kleinmarkthalle ist. "Aber die Nachfrage nach Spanferkel ist gleich geblieben", sagt die gebürtige Kroatin zur Spezialität für die Feiertage. "In Kroatien ist es uralte Tradition, am ersten Feiertag Spanferkel zu essen. An Heiligabend wird den ganzen Tag gefastet, und um Punkt Mitternacht nach der Messe gibt es Bohneneintopf mit Sauerkrautsalat und frischem Bauernbrot. Das Schönste für mich als Kind war, dass der Tisch erst am nächsten Tag abgeräumt wird. So bleibt der Tisch gedeckt für Spontangäste oder arme Leute, die vorbeikommen." Auch sie hält an der Tradition fest, lässt sich aber bekochen mit Eintopf und Spanferkel. Solaja lacht laut. "Ich sage immer, dass ich nicht gut kochen kann, dafür aber richtig gut essen."

Schön soll es daheim auch sein. Floristin Regina Sieffert von Blumen Büschers "hatte ein Adventsgeschäft wie nie zuvor. Adventskränze, Sträuße aus Rosen, Gerbera und Orchideen, oder Christsternen mit Rosen laufen ebenso gut wie weiße Sträuße, Gestecke und glitzernde Christsterne im Topf. Ich selbst liebe Amaryllis mit Ilex, den roten Beeren der Stechpalme, am meisten", sagt sie. Damit schmückt sie zu Hause auch ihren Tisch und kocht. "An Heiligabend gibt es Rehschulter mit Rotkraut und Knödel, und am ersten Feiertag mache ich eine Gans." Zum Nachtisch und für zwischendurch muss es unbedingt Süßes geben. Belgische Pralinen zum Beispiel.

Christine Pakies bietet 200 Sorten an. Und das seit 20 Jahren. Den Stand gibt es bereits seit Eröffnung der Kleinmarkthalle 1954. Mit Nougat und als Trüffel, rund und eckig, kunstvoll als Christstern oder Weihnachtsmann. Kunterbunt wie Christbaumkugeln, zart wie Butter. "Die Lust auf Süßes ist ungebremst, eher noch gestiegen", sagt sie mit einem Lachen. Was bei ihr an Weihnachten außer Pralinen auf den Tisch kommt, weiß sie noch nicht. "Wir entscheiden jedes Jahr spontan, worauf wir Lust haben. Hauptsache, es ist lecker."

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