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Manuela Hänse koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Kita und Familienbildung im Kifaz Fechenheim. Sie findet, die Stadt sollte die Immobilie Am Hennsee 21 kaufen. foto: hamerski

Fechenheim: Beratung

Das große Bangen ums Familienzentrum

  • vonFriedrich Reinhardt
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Verein befürchtet Verkauf der Immobilie. Anfang 2021 gibt's eine Studie.

Dass das Kinder- und Familienzentrum (Kifaz) aus Fechenheim verschwindet, das will keiner. Nicht die Stadt Frankfurt und auch nicht der Evangelische Regionalverband, der das Haus Am Hennsee 21 gern verkaufen möchte, in dem die Familienbildung untergebracht ist. Dieser Zuspruch ändert aber nichts an der Ungewissheit, mit dem das Kifaz seit mehreren Jahren in die Zukunft blickt. Auch die Mängel an dem alten Pfarrhaus werden durch die sich blockierenden Interessen nicht behoben.

Das Kifaz ist eine Kooperation zwischen dem Sozialpädagogischen Verein, der die Kindertagesstätte in der Pfortenstraße 44 betreibt, und dem Familien-Gesundheitszentrum, das im benachbarten alten Pfarrhaus, Am Hennsee 21, die Familienbildung anbietet. Sie helfen mit einer ganzen Reihe von Kursen und Beratungen vielen Familien im Stadtteil: Geburtsvorbereitungskurse, Erziehungs-, Schwangerschafts- und Sozialberatung. "Im Idealfall begleiten wir Familien, bis die Kinder zehn Jahre alt sind", sagt Manuela Hänse, die die Zusammenarbeit der beiden Vereine koordiniert.

Über 500 Beratungen im vergangenen Jahr

Insgesamt 571 Beratungen habe die Familienbildung im vergangenen Jahr geleistet, darunter 386 Sozialberatungen. Sei es zu finanziellen Fragen oder Hilfestellungen, für Menschen, die mit komplizierten Antragsformularen Schwierigkeiten haben. Wenn es notwendig ist, arbeitet die Familienbildung mit Dolmetschern. "Für einige Eltern sind wir der erste Außerhauskontakt", sagt Hänse. Mancher kenne das deutsche Bildungssystem nicht und erfährt bei der Familienbildung, wie er seine Kinder in der Schule unterstützen kann.

Um mit den Familien in Kontakt zu kommen, sei die räumliche und organisatorische Nähe zwischen Kita und Familienbildung entscheidend. Die Kita-Betreuer können die Mütter und Väter einfach zur Familienbildung nebenan schicken, wenn sie ein Problem ansprechen. Hilfreich sei es daher, dass beide Häuser nur ein Gartentor trennt.

Beratungen laufen noch

Die größte Unsicherheit kommt daher mit der Frage: Was, wenn sich der Evangelische Regionalverband entschließt, das Gebäude bei nächster Gelegenheit zu verkaufen? Mit Ein-Jahres-Mietverträgen hangelt sich das Kifaz derzeit schon von Jahr zu Jahr. Der Evangelische Regionalverband teilt zwar mit, dass er wegen der Zukunftsängste des Kifaz keine Vermarktungsbestrebungen verfolge. Er "wartet ab, was die Beratungen zwischen Verein und Stadt ergeben", schreibt der Regionalverband. Derzeit prüfe das Stadtschulamt "verschiedene Optionen", heißt es aus dem Bildungsdezernat. "Es wird davon ausgegangen, dass im Laufe des Februars 2021 alle Ergebnisse der Prüfungen vorliegen werden."

Eine Schwierigkeit ist der Zustand des Gebäudes. Seit Jahren sei das Dach "unfreiwillig begrünt", sagt Iris Fiedler, die Leiterin der Familienbildung. "Da wachsen Bäume drauf." Die Dachdecker hätten gesagt, dass es Quatsch sei, die Löcher zu flicken. Das ganze Dach müsste neu gemacht werden. Auch die Elektrik sei völlig veraltet. "Das darf so nicht mehr verwendet werden." Fiedler könnte weitere Mängel aufzählen, die unverkleideten Heizkörper, den abgesackten Balkon, der nur abgestützt wurde. "Es wird nur repariert, nicht saniert", sagt Fiedler.

Sollte die Familienbildung das Haus verlassen müssen, gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen könnte die Kita um zwei Gruppen verkleinert werden, sagt Elisabeth Strüber, Geschäftsführerin des Sozialpädagogischen Vereins. In den frei werdenden Räumen könnte dann die Familienbildung stattfinden. Nur gebe es dann weniger Kita-Plätze. Da habe die Stadt signalisiert: "Das geht gar nicht", erzählt Koordinatorin Hänse. Bei den unter 3-Jährigen gibt es in Fechenheim 229 Betreuungsplätze, teilt das Bildungsdezernat mit. 35 Plätze fehlten, um das Versorgungsziel von 40 Prozent zu erreichen. Bei den Kindern ab drei Jahren fehlten 52 Plätze, um jedem Kind einen Betreuungsplatz bieten zu können, wie es der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz vorsieht.

Die zweite Lösung wäre, dass die Stadt das Gebäude kauft. Diese Lösung wäre Hänse am liebsten. Fiedler dagegen sagt, sie habe Verständnis, "dass die Stadt nicht so eine Schrottimmobilie kaufen möchte."

2018 habe es bereits Kaufverhandlungen gegeben, heißt es vom Bau- und Immobiliendezernat. Diese habe die Stadt aber abgebrochen.

Sollte es ernst werden, sollte die Liegenschaft Am Hennsee 21 verkauft werden und für das Kifaz wegfallen, "können wir den Träger dabei unterstützen, für die Angebote der Familienbildung und -beratung alternative geeignete Räume in fußläufiger Nähe zur Kindertageseinrichtung in der Pfortenstraße anzumieten", teilt das Bildungdezernat auf Anfrage mit.

Ein Ende der Unsicherheit ist damit nicht in Sicht. Friedrich Reinhardt

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