Zoll führt LKW-Kontrollen durch
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Am Flughafen Frankfurt hat der Zoll eine groß angelegte Kontrolle von Lkw-Fahrern durchgeführt. (Archivbild)

Kontrolle

Das große Zittern: Zoll nimmt Lkw-Fahrer am Flughafen Frankfurt unter die Lupe

  • VonSabine Schramek
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Urlaubsbeginn in Hessen. Der Zoll nimmt das zum Anlass, eine groß angelegte Kontrolle von Lkw-Fahrern in ganz Deutschland durchzuführen – so auch am Flughafen Frankfurt.

Frankfurt - Zum hessischen Ferienbeginn hat der Zoll in ganz Deutschland eine Großkontrolle nach Schwarzarbeitern, Scheinselbständigen und Zeitüberschreitungen beim Fahren von Trucks und Logistikern gemacht. Auch im Frachtbereich am Flughafen Frankfurt, in dem es vor Lkws und Sprintern nur so wimmelt.

Sie kommen schnell und lautlos. Sechs Einsatzfahrzeuge mit der Aufschrift "Zoll" und zivile Fahrzeuge, die sich blitzschnell gegenüber einer langen Laderampe postieren, an denen LKW ent- und beladen werden. "Ist das eine Razzia?" fragt ein Mann, der im Cargo-Bereich arbeitet.

Flughafen Frankfurt: Zoll überprüft Lkw-Fahrer – Kontrolle der Arbeitspapiere

"So würde ich das nicht nennen", antwortet Einsatzleiter Andreas Wegner ruhig und erklärt, dass sein Team eine Schwerpunktüberprüfung zum Thema Spedition, Transport und Logistik macht. "Wir prüfen, ob Mindestlohn und Sozialversicherungspflicht eingehalten werden, eine Arbeitserlaubnis oder illegale Beschäftigung vorliegt". Während er spricht, verteilen sich 15 Mitarbeiter in gelb-orangenen Warnwesten vom Hauptzollamt an den Fahrertüren der Lkws. "Ihre Papiere bitte", ist vor weißen und grünen Trucks aus dem In- und Ausland zu hören.

Manche Fahrer greifen nach oben und halten sofort alles Nötige in der Hand. Ausweise, Fahrtenschreiber, Wagen- und Frachtpapiere. Andere suchen nervös und kramen hier und da die Papiere aus Sonnenblenden, Beifahrersitzen und Klappen in den Fahrerkabinen. Die Trucks wackeln kräftig, während hinten aus- und eingeladen wird. In einem grünen LKW mit rumänischem Kennzeichen hängt ein kleiner Teddybär am Fahrerfenster. Der Fahrer versteht die Zollbeamten anfangs nicht. "Gibt es Problem?" fragt er immer wieder und wird beruhigt. "Kein Problem. Nur Papiere bitte", lautet die Antwort an den nervösen Mann. Er spricht kein Deutsch und kein Englisch.

Am Flughafen Frankfurt: Zoll überprüft Ausweise und Frachtbriefe von Lkw-Fahrer

Eine junge Zöllnerin, die heute ihren ersten Einsatz hat, spricht ihn auf Rumänisch an. "Ich spreche nicht gut, aber er spricht auch nicht gut rumänisch", meint sie und redet mit Engelszungen auf ihn ein. Immer wieder krabbelt er in das Führerhaus und bringt Ausweise und Wagenpapiere. Mit Händen und Füßen erklärt er, dass die Frachtpapiere gerade erstellt würden. Er pendele zwischen Luxemburg und Frankfurt und habe keine weiteren Stopps auf seiner Route. Er hält seine Hände hinter dem Rücken, die Beamten bitten ihn, sie nach vorne zu nehmen. "Wir wissen nicht, ob er hinten etwas einstecken hat", sagt ein Zöllner, der zur Kontrolle hinzugekommen ist. "So ist es sicherer." Die Papiere, die der Fahrer übergeben hat, werden in Einsatzwagen überprüft. Seine und die der anderen Fahrer. Fahrtenschreiber, die aussehen wie Kreditkarten werden durch ein Gerät gezogen, Ausweise auf Echtheit überprüft, Fracht und Auftragsbriefe gecheckt.

"Wir lesen die Fahrtenschreiber aus und vergleichen sie mit den Frachtpapieren" so Wegner. "So sehen wir, ob es stimmt, was die Fahrer uns erzählen, was ihre Arbeitsstunden angeht. Im Abgleich mit Lohnabrechnungen kann dann überprüft werden, ob der Mindestlohn von 9,60 Euro bezahlt wird, ob Sozialabgaben bezahlt werden. "Wer aus dem Ausland nur zwischen dem Startpunkt dort und hier ohne weitere Stopps fährt und der Auftraggeber im Ausland sitzt, fallen weder Mindestlohn noch Sozialabgaben hier an. Wenn er Fracht noch an anderen Stellen lädt oder abliefert, sehr wohl", erklärt der Einsatzleiter. Bei einem Mindestlohnverstoß droht Bußgeld, bei der Nichtabgabe von Sozialversicherungsabgaben ein Strafverfahren.

Zoll kontrolliert 35 Lkw-Fahrer und Logistiker am Flughafen Frankfurt - „Fündig werden wir oft“

"Es ist oft nicht einfach, die Auftraggeber zu identifizieren, da es viele Sub-Sub-Unternehmen gibt. Aber wir sind hartnäckig", so die Beamten. Ein gestohlener Fahrzeugbrief wird entdeckt. Woher er kommt und ob und wie viel Kfz-Steuer nicht bezahlt wurde, wird im Nachhinein ermittelt. Zollbeamte und ein Mitarbeiter der Finanzbehörde unterhalten sich. "Ich bin nur im Rahmen einer Hospitation heute dabei und zum Austausch zwischen den Behörden", so der Mann vom Finanzamt. "Die Zollverwaltung sammelt Informationen, die auch für die Steuer interessant sind."

Der Fahrer des grünen Lkw will losfahren. Den Frachtbrief hat er bekommen, aber vergessen, ihn den Beamten zu zeigen. Er muss stehenbleiben. Alles ist in Ordnung. Der Fahrer bleibt nervös, aber er lächelt, weil er weiterfahren kann. Einige Gabelstaplerfahrer fallen auf. "Die schauen wir uns mal an" sagt Wegner.

An einem Nachmittag sind von 16 Zöllnern 35 Fahrer und Logistiker nach ihren Arbeitsverhältnissen befragt und kontrolliert worden. "Und die Unterlagen von 14 Firmen. Bei vier Männern besteht der Verdacht, dass sie schwarzarbeiten. Das wird jetzt im Nachgang genau ermittelt", so Christine Straß, Pressesprecherin vom Hauptzollamt. "Uns geht es darum, zu überprüfen, ob Arbeitnehmer das Geld bekommen, das ihnen zusteht. Und darum, dass Mitarbeiter ordnungsgemäß angemeldet sind. Die Prüfung hier vor Ort ist der Anreißer. Die volle Ermittlung erfolgt im stillen Büro", erklärt der Einsatzleiter. "Fündig werden wir oft. Das wissen die Betroffenen auch. Die Kontrollen kommen oft unerwartet und immer wieder." (Sabine Schramek)

Immer wieder überprüft der Zoll am Flughafen Frankfurt Lkw-Fahrer aus dem Speditionsgewerbe. Viele Firmen gehen den Beamten dabei ins Netz.

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