Die Bäume hinter der Grundstücksgrenze der Ernst-May-Siedlung sollen gefällt werden, um dort die Baustelle der Bahn zu errichten. Anwohner sind empört, weil ihnen die Bahn nichts davon mitgeteilt hat. FOTO: michael faust
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Die Bäume hinter der Grundstücksgrenze der Ernst-May-Siedlung sollen gefällt werden, um dort die Baustelle der Bahn zu errichten. Anwohner sind empört, weil ihnen die Bahn nichts davon mitgeteilt hat.

Bürgerprotest in Frankfurt

Deutsche Bahn will in Niederrad roden: Das grüne Idyll soll weichen

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Die Deutsche Bahn will im Frankfurter Stadtteil Niederrad 50 Bäume fällen und eine vier Meter hohe Wand bauen. Anwohner sind empört.

Eine meterhohe Mauer direkt an der Grundstücksgrenze, mehrere Dutzend Bäume, die gefällt werden sollen, damit Fläche für eine Baustelle der Deutschen Bahn (DB) aufgeschüttet werden kann: Das fürchten Anwohner und Hausbesitzer der Ernst-May-Siedlung an der Donnersbergstraße 20 bis 60, die zufällig davon erfahren haben, weil ein Bahn-Mitarbeiter nebenbei auf der Straße eine Information fallen ließ.

Die Anwohner fielen aus allen Wolken, als sie daraufhin recherchierten und feststellten, dass es eine Planänderung gab. "Als die Baupläne zur Trassenerweiterung 2013 den Bürgern vorgestellt wurden, stand davon nichts zur Debatte" sagt Anwohnerin Katja Apelt.

Niederrad: Heimat von Füchsen, Igeln und seltenen Vögeln wegen geplanter Rodungen der DB bedroht

Hinter der Grundstücksgrenze liegt der Bahndamm, dazwischen einige Schrebergärten der DB Landwirtschaft, die teilweise verpachtet sind. Überall stehen Bäume, die Natur ist jahrzehntelang gewachsen. Die Anwohner haben einen eigenen Gemeinschaftsgarten mit Spielplatz angelegt. "Wir haben hier viele Tiere, Füchse, Igel und bestimmt 50 Vogelarten", sagt Anwohner Egbert Krug.

Die Baustelle, die das Idyll zerstören soll, ist Teil der Trassenerweiterung am Knoten Frankfurt Stadion. Das Projekt, das auf der Internetseite (www.knoten-stadion.de) erklärt wird, soll innerhalb von zehn Jahren ein weiteres Gleis auf der Trasse zwischen Hauptbahnhof und Sportfeld errichten.

Die Niederräder Eisenbahnbrücke erhält ein weiteres, drittes Brückenbauwerk. Eben dieses Bauwerk soll nach Recherchen der Anwohner auf besagtem Abschnitt des Bahngeländes montiert werden. Dort befinden sich auch der Alte Bahnhof Niederrad, der im Herbst 2022 abgerissen werden soll, und eine Güterhalle.

Deutsche Bahn will in Niederrad ab Januar 50 Bäume fällen

Details wie diese sind auf der Info-Seite aber nicht zu finden. Sie verbergen sich unter dem Stichwort "Baustellenerschließung" auf der Seite des UVP Verbunds (Umweltverträglichkeitsprüfung der Länder). Dort ist eine Planänderung der DB zu finden, die auf 30. November 2018 datiert ist. Auf dem Plan ist auch eine vier Meter hohe Baustellenwand eingezeichnet, die direkt an die Grundstücksgrenze der Ernst-May-Häuser gesetzt werden soll. Betroffen sind etwa 29 Häuser auf der Westseite der Straße.

Der Ortsbeirat 5 tagt

Freitag, 26. November, 19 Uhr im Saalbau Südbahnhof, Hedderichstraße 51

Auf Anfrage bestätigt die Pressestelle der Deutschen Bahn die Baumfällungen. "Der Bereich zwischen der Bebauung Donnersbergstraße und der Freifläche um den Alten Bahnhof Niederrad ist derzeit von Sträuchern und Bäumen bewachsen. Zur Herstellung der Baustelleneinrichtungsfläche muss dieser Bereich von den Gehölzen befreit werden. Zur Fällung sind etwa 50 Bäume mit einem Durchmesser von mehr als 50 Zentimetern vorgesehen. Dies soll frühestens Mitte Januar geschehen", teilt eine Sprecherin der Bahn mit.

"Im Sinne der Anwohner lassen wir die Baumreihe, die unmittelbar an der Grundstücksgrenze zur Wohnbebauung steht, stehen", fügt sie hinzu. Die Fällungen fänden ausschließlich auf DB-Gelände statt, so die Sprecherin. "Spätestens im Frühjahr" sollen die Bürger informiert werden.

Rodungen der Deutschen Bahn in Niederrad: Anwohner wollen protestieren

Die Anwohner wundern sich dennoch: "Die Montage sollte nach den uns bekannten Plänen von 2013 weiter vorne am Mainufer stattfinden. Dort ist eine Brachfläche. Kommuniziert wurde von der Planänderung nichts. Das geht so nicht, das ist Krisenkommunikation, bei der das Schlimmste verschwiegen wird."

Denn die Bäume und die üppige Natur sind den Anwohnern enorm wichtig. "Viele Bäume sind so alt wie unsere Häuser. Sie spenden im Sommer Schatten, ohne sie wäre es in den Gärten unerträglich heiß", berichtet Katja Apelt. Die denkmalgeschützte Siedlung wurde 1927 gebaut. "Die Stadt Frankfurt bewirbt sich doch ums Unesco-Weltkulturerbe mit ihren Ernst-May-Siedlungen. Gärten und Natur waren essenzieller Bestandteil der Arbeitersiedlungen - das passt also gar nicht zusammen", finden die Anwohner. Von der Deutschen Bahn fordern sie in einem Brief Aufklärung. Beim Ortsbeirat 5 wollen sie am Freitag protestieren. (Stefanie Wehr)

Niederrad ist nicht der einzige Stadtteil in Frankfurt, in dem Anwohner gegen geplante Rodungen demonstrieren. Im Riederwald haben Aktivisten gegen den Weiterbau der A66 Bäume besetzt.

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