Maria Bender (Mitte), die seit einem halben Jahrhundert in der Löwengasse wohnt, Christof Peitzsch vom Awo-Betreuungsdienst und Ute Rasim, die bis 2006 die Abteilung "Offene Altenhilfe" leitete. FOTO: sauda
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Maria Bender (Mitte), die seit einem halben Jahrhundert in der Löwengasse wohnt, Christof Peitzsch vom Awo-Betreuungsdienst und Ute Rasim, die bis 2006 die Abteilung "Offene Altenhilfe" leitete.

Frankfurter Treue

Das Heim, das ihr zur Heimat wurde

Ehemalige Betreuerin wohnt seit 50 Jahren in der AWO-Einrichtung in Bornheim

Die Geranien auf dem Balkon von Maria Bender haben in diesem Jahr üppig geblüht. Seit 1971 wohnt die heute 87-Jährige in der Seniorenwohnanlage in der Löwengasse 33 in Bornheim, kam einst beruflich als Betreuerin in das Haus. Maria Bender ist sozusagen eine Frau der ersten Stunde, eine, die miterlebt hat, wie die ersten Bewohner in die Anlage gezogen sind, als diese vor 50 Jahre fertiggestellt wurde. Träger der Wohnanlage ist bis heute die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Mit einer akademischen Feier soll das runde Jubiläum am kommenden Mittwoch, 1. September, um 14.30 Uhr im Hof der Anlage begangen werden.

Auch im Alter selbstständig

Damals wie heute leben in dem Haus 110 ältere Menschen, die sich für diese Form des Wohnens entschieden haben, weil sie auch im Alter ihr Leben weiterhin selbstständig gestalten wollen. Genau das bietet ihnen das Konzept, auch wenn sich die Bedingungen und auch die Struktur der Mieter seit dem Ersteinzug vor 50 Jahren geändert haben. Maria Bender erinnert sich: "Das war Anfang der 1970er Jahre noch eine ganz neue Wohnform", sagt sie.

Als ausgebildete Krankenschwester mit langjähriger Berufserfahrung war sie in ihrer Tätigkeit damals zuständig für gesundheitliche Beratung, Erste-Hilfe, aber auch Ansprechpartner für Alles, was die Bewohner so beschäftigte.

"Das war sehr wichtig. Und ich war rund um die Uhr für sie erreichbar, deshalb habe ich auch von Beginn an mit im Haus gewohnt." Und nachdem sie Mitte der 1990er Jahre in den Ruhestand gegangen war, wollte sie auch nicht mehr wegziehen.

Der Anteil der Frauen, die hier wohnten, habe in den ersten Jahren bei mehr als 90 Prozent gelegen. Die meisten seien um 1900 geboren, hätten daher auch zwei Weltkriege miterlebt und oftmals ihre Ehemänner im Zweiten Weltkrieg verloren. "Viele Töchter der Frauen haben sich zudem in die USA verheiratet." Das Mindestalter für Alleinstehende, das zum Einzug in das Haus berechtigte, habe in den Anfangszeiten bei 75 Jahren gelegen. "Der Altersdurchschnitt lag damals fast bei 80 Jahren", so Bender und sie fügt hinzu: "Wer eingezogen ist, der war nicht pflegebedürftig und musste seiner Wohnung vorstehen können."

Bei den mietbaren Wohnungen im Haus handelt es sich heute um geförderten Wohnraum. "Das war früher anders", sagt Bender. Im Haus lebten sowohl Bewohner, die vom Amt unterstützt worden seien, aber auch Ingenieure, die eine gute Rente gehabt hätten. "Die offenen Seniorenwohnanlagen der Awo gehören zur Abteilung 'Offene Altenhilfe', die ich früher geleitet habe", führt Ute Rasim aus, die seit 2006 im Ruhestand ist und Maria Bender noch aus ihrer aktiven Zeit kennt. Neben den zwölf Awo-Seniorenwohnanlagen, zählten in Ute Rasims Zeit zu dieser Abteilung unter anderem auch zwei Beratungs- und Vermittlungsstellen.

Gemeinsam gefeiert

In den direkt an die Seniorenwohnanlage Löwengasse angrenzenden Räumen, in denen heute die ABG Frankfurt Holding ihr Service-Center Ost unterhält, habe sie einst ihre Büroräume gehabt, sagt Bender.

In diesem Anbau habe es auch einen Altenclub gegeben, die Stadtbücherei unterhielt eine Außenstelle, auch eine Fußpflegerin und eine Friseurin seien vor Ort gewesen. "Und es gab eine sehr gute Hausgemeinschaft mit gemeinsamen Festen. Heute ist das nicht mehr so", erzählt sie weiter und bedauert dies.

"Die Seniorenwohnanlage haben nach wie vor eine häusliche Gemeinschaft", betont Christof Peitzsch, der seit 2008 den Betreuungsdienst in der Wohnanlage inne hat.

Er wohnt nicht mehr wie Bender einst vor Ort, sondern ist 25 Stunden pro Woche in der Wohnanlage tätig, sucht das Gespräch mit den Mietern und berät in allen Fragen, die diese haben. "Die Struktur der Bewohnerschaft hat sich im Laufe der Jahrzehnte geändert", sagt Peitzsch, der auch Vorsitzender des Awo-Ortsvereins Riederwald ist.

Besonders die soziale Arbeit stehe verstärkt im Mittelpunkt. Dabei seien die Fragestellung vielfältig - abhängig von den individuellen Biografien der Mieter, aber auch teils sprachlichen Barrieren bis zur weiter fortschreitenden Digitalisierung und den damit verbunden Herausforderungen gerade für ältere Menschen.

Ambulante Pflegedienste

Auslöser für den Schwerpunktwechsel sei die Einführung der Pflegeversicherung Mitte der 1990er Jahren gewesen und dem damit verbundenen Einsatz der ambulanten Pflegedienste. Der pflegerische Aspekt, den Maria Bender in ihrer Tätigkeit noch ausfüllte, sei in der Wohnanlage durch den Hausnotruf ersetzt worden. Alexandra Flieth

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