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Das Laternche leuchtet online

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Von: Judith Dietermann

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Mittendrin, statt nur dabei: Das Frankfurter Prinzenpaar Maria I. und Max II., hier im Gespräch mit Sitzungspräsidentin Anke Viehl, darf bei einer Laternche-Sitzung freilich nicht fehlen. FOTO: screenshot Youtube
Mittendrin, statt nur dabei: Das Frankfurter Prinzenpaar Maria I. und Max II., hier im Gespräch mit Sitzungspräsidentin Anke Viehl, darf bei einer Laternche-Sitzung freilich nicht fehlen. © Screenshot Youtube

Lahmer Esel wird zur Bühne für die Kampagne des Carneval Clubs

Alle sind sie gekommen: Frau Rauscher, das Frankfurter Prinzen- und Kinderprinzenpaar, der Protokoller des Carnevals Clubs Laternche (CCL), die Laternche Sänger und viele mehr. Allerdings nicht wie sonst in den großen Saal des Titus-Forums, wo der CCL traditionsgemäß seine sieben Fastnachts-Sitzungen abhält. Sondern in den "Lahmen Esel", dem großen Bruder des diesjährigen prinzlichen Hauses, der Eselei im Nordwestzentrum. Für Wirt Thomas Metzmacher, zugleich auch stolzer Vater des Prinzenpaares Maria I. und Max II., war es "eine Selbstverständlichkeit", die Räume für diese ganz besondere Sitzung zur Verfügung zu stellen.

Denn wegen der Corona-Pandemie müssen auch die Narren Abstriche machen und kreativ sein. Wie der CCL, der deswegen seine Sitzung auf Celluloid gebannt und auf der Videoplattform Youtube online gestellt hat. Was zwar weniger stimmungsvoll ist als eine Sitzung im proppevollen Saal, aber zwei unschlagbare Vorteile bietet: Der Kampf um die sonst so heiß begehrten Tickets fällt weg. Und: Fastnacht gefeiert werden kann, wann immer man mag. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

"Da kommt kei' Stimmung uff"

Eröffnet wird die Sitzung eher untypisch. Schriftsteller Meddi Müller und CCF-Vorsitzende Anke Viehl sitzen an einem der rustikalen Tische des traditionellen Apfelweinlokals. Ohne jegliche Fastnachts-Deko, lediglich im Hintergrund steht ein Laternche-Wimpel. Denn auch die Fastnacht ist in diesen Zeiten nicht nur lustig, sondern ernst. "Wir können keine Saal-Fastnacht machen. Das hat den Grund, dass wir die Menschenmengen, die wir gerne hätten, nicht in einen Saal bekommen könnten. Da kommt kei' Stimmung uff", bringt es Anke Viehl auf den Punkt.

Zwei Tage wurde im November in den Räumen des Esels gefilmt, die Regie führte Meddi Müller, unterstützt von Sitzungspräsidentin Viehl. Rund drei Monate hätte das Projekt mitsamt dem Schnitt gedauert, sagt sie. Arbeit, die sich gelohnt hat. "Wir sind absolut zufrieden mit dem Ergebnis", sagt sie. Fügt aber sogleich hinzu, dass dies eine einmalige Sache sei. Im nächsten Jahr wolle man wieder zusammen feiern, eng nebeneinander sitzen und miteinander schunkeln.

Trotzdem sei sie immer noch begeistert, wie groß die Resonanz auf das Filmprojekt gewesen sei. Alle, die man angefragt habe, hätten sofort zugesagt, der Laternche-Chor gar dafür Lieder einstudiert. Eingefügt wurden zudem in den Film Aufnahmen von einer Sitzung aus 2016, was das Projekt letztlich "noch runder" gemacht habe.

500 Aufrufe seit Sonntag

Trotz der Begeisterung merkt man Anke Viehl aber auch die Trauer darüber an, dass zum zweiten Mal in Folge keine Saal-Fastnachten stattfinden können. Auch wenn es rational nachvollziehbar sei, das Herz der Fastnachter blute trotzdem. Im vergangenen Jahr habe man deshalb versucht, den Fastnachtern das Leben mit einem Survival-Kit zu versüßen - und jetzt eben mit dem Film. Knapp 500 Anrufe hatte er gestern Nachmittag, seit Sonntag steht er online, Tendenz steigend.

Neben der Freude darüber verbindet Anke Viehl mit dem Film auch die Hoffnung, dass er Jüngere für die Fastnacht begeistert Denn: Auch der CCF hat Nachwuchssorgen. Weswegen für die Kampagne 2022/ 23 schon jetzt einschneidende Veränderungen geplant sind. So wird es statt der bisher sieben nur noch vier Sitzungen geben. Wirte, Metzger, Handwerker sowie die Bäcker und Konditoren. Und: Es werden nicht mehr nur Männer sein, die die Elferräte bilden. Sie teilen sich die Plätze, so wie es bei den Handwerkern ohnehin schon üblich war, mit den Frauen. Drei weitere Formate, mit mehr Musik und weniger als klassische Sitzung habe man noch in der Hinterhand, sagt Viehl. "Die können wir auch noch raushauen. Aber im echten Leben, nicht online", hofft sie. judith Dietermann

Link zum Video

Abgerufen werden kann der Film im Internet unter youtu.be/PMQpwKu2Jmc.

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