Ruth von Freyberg und Anne Behrens ziehen im Oktober mit den Ponys in den Kkreis Hersfeld-Rotenburg. Ihr von der Stadt gepachtetes Gelände wird für einen Schulerweiterungsbau gebraucht. Sie gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge.
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Ruth von Freyberg und Anne Behrens ziehen im Oktober mit den Ponys in den Kreis Hersfeld-Rotenburg. Ihr von der Stadt gepachtetes Gelände wird für einen Schulerweiterungsbau gebraucht. Sie gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Steiniger Weg

Wegen Neubau von Schule: Beliebter Ponyhof in Frankfurt soll weg

  • VonSabine Schramek
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Seit 30 Jahren machen Ponys in Frankfurt-Ginnheim Kinder glücklich. Am 1. Oktober ist Schluss. Die 13 Ponys müssen umziehen. Doch der Umzug wäre beinahe geplatzt.

Frankfurt – Chantalle stupst Ruth von Freyberg leicht an. "Auf ihr habe ich reiten gelernt. Auf ihr bin ich vor 30 Jahren geritten, da war sie schon erwachsen", erzählt von Freyberg über das struppige, freundliche braune Pony. Auch Chantalle wird gemeinsam mit weiteren zwölf Ponys am 1. Oktober nicht mehr auf dem Ponyhof "Auf der Schlosshecke" in Frankfurt-Ginnheim leben, sondern in ihrem neuen und viel größeren Domizil Hatterode im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, rund 100 Kilometer von Frankfurt entfernt.

Lange hatten von Freyberg und Anne Behrens nach einem Ersatzgrundstück in Frankfurt gesucht. Sie wurden hier nicht fündig. Dort, wo heute noch Ponys, Hühner, Hunde und Hasen zu Hause sind und von Kindern liebevoll gehegt und gepflegt werden, wird demnächst ein Gebäude für die Auslagerung der Diesterwegschule entstehen. Die Grundschule muss saniert werden, die Schüler brauchen ein Ausweichquartier.

Frankfurt: Beliebter Ponyhof zieht um – doch fast wäre der Umzug geplatzt

Bereits jetzt schrauben und hämmern von Freyberg, Behrens, Freunde und Schüler, um die Pony-Unterstände und die Lagerplätze für das Heu abzubauen. Nach und nach fahren sie in einem eigens dafür gekauften Hänger erst das Holz und später die Tiere nach Hatterode.

Dann kommt der Schock. Ein Anschreiben des Amtes für Straßenbau und Erschließung (ASE) hat die Erneuerung der Asphaltdecke auf der Straße Auf der Schlosshecke schon für den 10. September angekündigt. Die Straße sollte für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Mit Baumaschinen und Lastwagen sei zu rechnen. "Wir haben uns total erschrocken. Erstens können wir dann nichts transportieren, weil genau dort unsere Zufahrt ist. Zweitens wäre der Lärm eine Qual für die Tiere und drittens haben wir im September für die Kinder noch viel Programm hier geplant", so von Freyberg.

"Es fällt uns schwer genug, unser Lebenswerk aufzugeben und noch einmal ganz neu anzufangen. Die Stadt weiß doch, dass wir Anfang Oktober weg sind. Da muss uns doch das Leben nicht noch schwerer gemacht werden." Die beiden Frauen haben telefoniert und nach einigem Hin und Her den Sachbearbeiter ausfindig gemacht, der laut von Freyberg "aus allen Wolken" fiel und mit einem Ortstermin helfe wollte.

Ponyhof aus Frankfurt hat neues Quartier – doch es gab Probleme

Das Amt war tatsächlich völlig überrascht, weil es offenbar nicht von seinen Kollegen in der Stadtverwaltung über den Umzug des Ponyhofs informiert war. Auf Anfrage betätigt die stellvertretende Baudirektorin des ASE, Michaela Kraft, den ursprünglichen Plan der Straßensanierung ab 10. September. Die Anwohner seien auch bereits informiert gewesen, aber "durch neue Erkenntnisse haben wir die Maßnahme gestoppt."

Die Information über den Umzugstermin habe das Amt erst durch die Betreiberin erfahren. "Im Vorfeld war uns dies nicht bekannt", erklärt Kraft. Beim Ortstermin am Donnerstag haben die Mitarbeiter des Amtes volles Verständnis für den Ponyhof gezeigt und den Frauen versprochen, dass die Neuasphaltierung erst nach ihrem Umzug erfolgen soll. "Wir wollen den Ponyhof auf jeden Fall unterstützen", so Kraft. Die Anwohner würden über einen neuen Termin informiert.

Frankfurt: Der Abschied fällt allen auf dem Ponyhof schwer

Auf dem Ponyhof herrscht darüber nun große Erleichterung. "Die Kinder haben richtig gejubelt", sagt von Freyberg. "Und den Tieren und uns wird viel Stress erspart". Der Abschied fällt allen schwer. "Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagen Behrens und von Freyberg, während sie Schimmel-Pony Charly kraulen. "Wir haben in Zukunft einen eignen Hof, der uns gehört, und noch viel mehr Platz für die Tiere. Es ist ein gutes Gefühl, nicht mehr zu pachten, ohne zu wissen, was passiert", sagen sie. "Doch für die Kinder sind wir traurig, weil sie ihren Lieblingsort im Stadtteil verlieren und viele mit dem Reiten aufhören müssen. Auch die Stadt verliert ein Stück Natur, auf dem Mensch und Tier entspannt zusammenleben."

Damit die gut 60 Kinder, die regelmäßig kommen, in Zukunft wenigstens während der Ferien bei den Ponys sein können, planen die Betreiberinnen Ferienprogramme. Jetzt fällt ihnen erst einmal ein Stein vom Herzen. Von Freyberg ist froh: "Es ist schön zu sehen, dass nicht alle egozentrisch sind." Die Reitstunden gehen bis 30. September weiter. (Sabine Schramek)

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