ie nennen ihn den Schotten. Was auch stimmt. Denn Stuart Sinclair, der langjährige Inhaber der Squash-Insel in der Rossittener Straße, wurde1966 in Glasgow geboren, kam aber bereits mit 17 als Profi nach Deutschland. Die Herkunft erklärt auch das Loch Ness-Graffiti mit der Schottenmütze, das die Wand schmückt (unten)
+
ie nennen ihn den Schotten. Was auch stimmt. Denn Stuart Sinclair, der langjährige Inhaber der Squash-Insel in der Rossittener Straße, wurde1966 in Glasgow geboren, kam aber bereits mit 17 als Profi nach Deutschland. Die Herkunft erklärt auch das Loch Ness-Graffiti mit der Schottenmütze, das die Wand schmückt (unten)

Institution in Frankfurt

Aus für Kult-Sportklub: Kampf gegen Abriss von Gebäude verloren

  • VonMichael Löffler
    schließen

Nach 40 Jahren hat die Kult-Sportstätte in Frankfurt ihren letzten Kampf verloren. Die Ära der Squash-Insel geht zu Ende – die Erinnerungen bleiben.

Eine Ära geht zu Ende. Die Squash-Insel Frankfurt schließt zum Monatsausklang mit der großen Abrissparty am 31. Juli ihre Pforten. Für immer. Am 15. August rollen die Bagger an: Dann startet der Abriss des Gebäudes, das so etwas wie einen Kultstatus hat. Stattdessen werden in der Rossittener Straße Mietwohnungen entstehen.

Squash-Insel Frankfurt 1981 mit sieben Courts gebaut

Gebaut wurde die Squash-Insel 1981. Der in Frankfurt lebende Österreicher Luggi Etschmann, dessen Frau Astrid selbst Squash spielte, baute die Anlage mit sieben Courts auf dem Grundstück der Familie Thiele. Um Leben in die Bude zu bekommen, lockte er den Ersten Frankfurter Squash-Club (EFSC), damals einziger Squash-Verein in Frankfurt, in die Anlage. Das erste Highlight war 1984 ein Schaukampf zwischen dem für den EFSC spielenden Nationalspieler Michael Schmoll und dem jungen Profi Stuart Sinclair.

Der Mann, der die Geschicke der Squash-Insel später lenken sollte wie kein anderer, erinnert sich: "Ich kam 1983 als 17-Jähriger nach Lübeck, um als einer der ersten Profis überhaupt mein Glück in der Bundesliga zu versuchen. Luggi las in der Zeitschrift Squash Player, dass dort im Norden ein junger schottischer Profi spielt, kontaktierte mich und lud mich ein. Später fragte er mich, ob ich nicht nach Frankfurt wechseln wollte."

Squash-Insel Frankfurt: Profi aus Schottland als Glücksfall

Sinclair, damals Nummer 43 der Welt, sagte spontan zu, wurde Spieler und Trainer in der noch jungen Anlage. 1987 stieg der EFSC in die Bundesliga auf. Squash boomte damals regelrecht. Doch die Anlage in der Rossittener Straße erfuhr einen Dämpfer. Während 1992 im frisch gebauten Nordwestzentrum mit dem SC Monopol ein weiterer Frankfurter Verein entstand, blieb der EFSC in der "Insel". Nach einigem hin und her unterschrieb dann am 1. Oktober 2003 Stuart Sinclair einen Pachtvertrag für zunächst zehn Jahre, den er später bis 2024 verlängerte.

Am Anfang lief es gut. Doch der führende Club in Frankfurt war inzwischen der SC Monopol, der mit den Herren wie Damen in der Ersten Bundesliga spielte. Dort war inzwischen auch Sinclair aktiv, der aber Trainerstunden nach wie vor in inzwischen seiner Insel gab. Nachdem der Verein einige Male seine Wirkungsstätte wechseln musste, holte der "Schotte", wie Sinclair genannt wird, im März 2004 den SC Monopol in seine Anlage. Dort war der Verein bis jetzt beheimatet. Nun gehen die Spieler zum Makkabi Tennis & Squash Park nach Ginnheim.

Bundesliga und Dudel Open in der Squash-Insel Frankfurt

Stuart Sinclair hauchte der Anlage Leben ein. Wer spielen wollte, musste vorbestellen, denn die sechs Courts - der siebte wurde in einen Fitnessraum umgewandelt, waren bis heute den ganzen Tag immer sehr gut frequentiert. 2013 stieg der SC Monopol wieder in die Bundesliga auf, in der er seitdem spielt. Großes Echo fanden die von dem Pächter eingeführten Turniere. Nur vier Wochen nach der Übernahme der Anlage 2003 fand das erste Highlight statt. "Ich wollte die Veranstaltung als Werbung für die Anlage nutzen. Da die Rechte an dem Namen Frankfurter Stadtmeisterschaft beim EFSC lagen, suchte ich einen prägnanten Namen. Was lag für mich als Schotten näher als Dudel Open. Es war ein Turnier für die Profis ebenso wie für die Breitensportler. Über 150 Teilnehmer in sieben Klassen kämpften um die Titel."

Doch es ging dabei nicht nur um Sport. Sinclair lag auch die Geselligkeit am Herzen. Er führte Grillabende ein. Erst nur für die Spieler, dann auch für die Nachbarn, die zwar mit Squash nichts am Hut hatten, aber fragten, ob sie zu der Feier nicht auch kommen dürften. Da gab es auf dem Parkplatz nicht nur Essen und Trinken, sondern im Zelt auch eine Leinwand mit Vorführungen, Musik und gute Laune. 2014 wurden in Deutschland Ranglistenturniere eingeführt, die Squash-Insel übernahm sofort ein solches.

Alle Versuche vergeblich: Squash-Insel Frankfurt wird abgerissen

Die Geselligkeit wurde aber auch beim neuen Turnier groß geschrieben. Die Squash-Insel wurde auch sonst das Kommunikationszentrum in der Gegend. "Ich habe gegrillt, für die Kids gab es Currywurst und Pommes. Die Kinder bekamen kostenlos Schläger und Bälle ausgeliehen und durften spielen. Viele Menschen aus der Gegend fragen mich nun, wo sie künftig feiern sollen." Das kann Stuart Sinclair nicht beantworten. Im März 2020 kaufte eine Baufirma das Gelände sowie das Gebäude vom Verpächter ab. Sinclair versuchte alles, um den Abriss zu verhindern. Vergeblich. Im Mai 2021 wurde ein Aufhebungsvertrag seines bis 2024 laufenden Pachtvertrages gegen eine Abfindung unterzeichnet. Bis zum 15. August muss das Gebäude leer sein.

Und damit endet auch der langjährige Streit, ob Squash in Rödelheim oder in Bockenheim gespielt wird. "Vom Industriehof aus gehörte die Rossittener Straße zu Bockenheim, vom Brentanobad aus zu Rödelheim", erklärt Stuart Sinclair, der hofft, als Manager für die Squashplätze dem Verein SC Monopol in den Makkabi Tennis & Sport Park folgen zu können. "Die Entscheidung muss in den nächsten Wochen fallen. Was ich sonst machen würde, weiß ich nicht", sagt der Mann, der die Squash-Insel 18 Jahre lang mit viel Herz erfolgreich am Leben hielt. (Michael Löffler)

Auch eine andere Instituion in Frankfurt musste nach 100 Jahren kürzlich schließen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare