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Das Literaturhaus feiert Geburtstag

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Von: Katja Sturm

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Seit zwölf Jahren leitet Hauke Hückstädt das Literaturhaus an der Schönen Aussicht - und hat es schon zum zweiten Mal runderneuert. FOTO:
Seit zwölf Jahren leitet Hauke Hückstädt das Literaturhaus an der Schönen Aussicht - und hat es schon zum zweiten Mal runderneuert. FOTO: © sauda

Vor 30 Jahren wurde das Literaturhaus gegründet, vor zehn Jahren modernisiert, in der Corona-Pandemie erfand es sich neu. Nun feiert es seinen Geburtstag nach.

Frankfurt -Als er selbst noch als Student zur Buchmesse nach Frankfurt kam und Veranstaltungen im alten Literaturhaus besuchte, konnte Hauke Hückstädt sich nicht vorstellen, hier irgendwann heimisch zu werden. Nun leitet der gebürtige Brandenburger die mittlerweile an der Schönen Aussicht ansässige Einrichtung seit zwölf Jahren. Diese Zeit bezeichnet er als "Erfolgsgeschichte": Die Zahl der Besucher der Lesungen und anderen Veranstaltungen habe man verdreifachen können. 2019 wies die Statistik mit 19 000 Gästen eine Rekordsumme auf. Dann kam die Pandemie, und auch in der Alten Stadtbibliothek blieben die Türen erst einmal geschlossen. Die Arbeit einstellen wollte das aus sieben Mitarbeitern bestehende Team aber nicht.

Frankfurter Literaturhaus mit Anspruch

"Es ist der Anspruch des Hauses, möglichst offen und breit darzustellen, was gegenwärtig auf dem Buch- und Ideenmarkt gedacht, geschrieben, publiziert wird", sagt Hückstädt. Jederzeit. Denn auch vor der Corona-Krise hatten Autoren und Verlage an neuen Werken gearbeitet, die dann "unter erschwerten Bedingungen" auf den Markt gebracht werden mussten. "Wir wollten in dieser Phase ein verlässlicher Partner bleiben." Wenn nicht live, dann zumindest per Stream.

Einfach nur eine Kamera auf einen Autor und seinen Gesprächspartner zu halten oder die Kreativen womöglich nur aus der Ferne zu befragen, kam für Hückstädt und seine Kollegen nicht infrage. "Wir wollten die Nervosität, die Aufregung." Und das gewohnte Streben nach Perfektion. Die Bilder, die aus dem Literaturhaus in die Welt gesendet werden, wollten die Initiatoren selbst kreieren. Also eigneten sie sich alles Notwendige dafür an.

Fast so viele Zuhörer wie vor Corona - dank moderner Technik

Sieben Kameras sind heute beim Streaming im Einsatz, an einem Schnitttisch wird entschieden, welche Ausschnitte gezeigt werden. Das Ergebnis kam bei Literaturinteressierten so gut an, dass auch im vergangenen Jahr 18 000 Zuhörer und Zuhörerinnen gezählt werden konnten. Nur 3500 davon waren vor Ort gewesen. Dieses beeindruckende Resultat allein wäre schon ein Grund zu feiern. Doch es wird in diesen Wochen, mit einem Jahr Verspätung, auch der 30. Geburtstag des Literaturhauses zelebriert, mit Lesungen, die Hückstädt als "exemplarisch" bezeichnet, und einem Schiffsausflug am 24. Juni.

Mehr als 700 Mitglieder weist das Literaturhaus auf. Die Zahl ist laut Hückstädt sei Jahren konstant und eher leicht steigend. Die Beiträge stellen einen Teil der auf sechs Säulen stehenden Finanzierung dar, zu der noch die Stadt, Mäzenaten, die Stiftung sowie die Einnahmen durch Ticketverkauf und Vermietungen der Räume gehören. Die beiden letzten Elemente waren zeitweise eingebrochen.

Das Streaming, das nur 72 Stunden nach einer Veranstaltung zur Verfügung steht, soll neben dem nun wieder möglichen Live-Erlebnis beibehalten werden. "Es hat uns gerettet und einmal mehr in die Mitte der Stadt gerückt", sagt Hückstädt. "Wir waren eine der wenigen Institutionen, die trotz widriger Umstände sichtbar geblieben sind." Doch Dauerpräsenz bei Youtube helfe weder den Autoren noch dem Literaturhaus selbst.

Ausländische Autoren kommen gerne nach Frankfurt

Bei der Live-Kultur von Büchern sei Deutschland weltweit führend. Ausländische Autoren kämen deshalb gerne hierher, wo es zahlreiche Player gebe. Das Bewusstsein habe sich in der jüngeren Vergangenheit verändert: "Ein Buch ist nicht fertig, wenn es gedruckt ist. Es beginnt dann eine neue Existenzform", sagt Hückstädt.

Früher seien Lesungen mit dem geringsten Aufwand betrieben worden, sahen "nach Ordnungsamt" aus. Heute setze man die Autoren und ihre Werke ebenso in Szene, wie es in anderen Kunstformen schon lange selbstverständlich ist. "Das performative Bewusstsein der Autoren hat sich zum Guten verändert", sagt Hückstädt. Die Leser bekämen die Chance, "innerhalb von 80 Minuten schon in einer Autorin gelesen zu haben, ehe sie ein Buch aufschlagen." Dieses Erfolgsrezept soll auch in Zukunft funktionieren. Das Haus öffnet dieser Tage immer weiter seine Türen. Eigentlich, sagt Hückstädt, sei es selbst mit seinen Räumen der Star.

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