Holbeinsteg mit Blick aufs Städel: Das Museumsufer ist Aushängeschild Sachsenhausens. foto: rüffer
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Holbeinsteg mit Blick aufs Städel: Das Museumsufer ist Aushängeschild Sachsenhausens.

Sachsenhausen: Bürgergespräch

Das Museumsufer noch erweitern

  • vonStefanie Wehr
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Kulturdezernentin plädiert für Kunst im Freien

"Kultur für alle" - der Leitspruch des Erfinders des Museumsufers, Hilmar Hoffmann, habe sie angetrieben, sagte Ina Hartwig, SPD-Kulturdezernentin gestern im Bürgergespräch des SPD-Ortsvereins Sachsenhausen. Deshalb habe sie das "Kufti" eingeführt - das Kultur- und Freizeitticket, das Kindern unter 12 Jahren aus Haushalten mit wenig Einkommen freien Eintritt in alle städtischen Museen und den Zoo gewährt. "Wir wollen allen Kindern ermöglichen, ins Museum zu gehen, egal, woher sie kommen und welchen Bildungshintergrund sie haben", sagte Hartwig.

Das Museumsufer - "Identitätsmarke Sachsenhausens" vom Ikonenmuseum übers Museum Angewandte Kunst, Museum für Weltkulturen, Film- und Architekturmuseum bis zu Städel und Liebieghaus - stehe für eine "Politik der offenen Türen", sagte Hartwig, selbst Sachsenhäuserin. Das Ergebnis seien doppelte Besucherzahlen in den Museen gewesen.

Wenn alles gut laufe, werde das Museumsufer um eine weitere, neue Kulturmeile auf der anderen Seite des Mains erweitert, so die Kulturdezernentin: Vom erweiterten Jüdischen Museum über das MMK 2 im Taunusturm und dem English Theatre bis hin zu zwei getrennten Neubauten für Schauspielhaus und Oper entlang des Anlagenrings, die sie, Hartwig, favorisieren würde. "Der Willy-Brandt-Platz darf nicht ausverkauft werden. Dort können wir den Anlagenring wieder ausbauen und den Bürgern als Aufenthaltsort zurückgeben." Die Optionen Sanierung, Neubauten, am Willy-Brandt-Platz und Neuer Mainzer Straße sowie im Osthafen seien geprüft geworden. "Nach der Wahl kann sehr bald eine Entscheidung getroffen werden", so Hartwig.

Was indes in Sachsenhausen fehlt, sagte eine Zuschauerin: Ein Familienzentrum mit Betreuungsangebot für Jugendliche und Kinder, das sie, eine Sachsenhäuserin, gerne gründen würde und wofür sie Fördermittel brauche. "Darüber würde ich mich sehr freuen und würde mich gerne mit Ihnen darüber unterhalten", antwortete Hartwig. Ein Freiraum für Jugendliche sei enorm wichtig, denn gerade in der Pandemie seien die Jugendlichen schlecht weggekommen.

"Man hat ihnen alles genommen: die Schule, die Cafés, die Vereine, die Clubs, die Discotheken". Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig der öffentliche Raum sei, wo sich jeder draußen treffen kann, wie etwa am Mainufer. Deshalb soll es mehr Möglichkeiten geben, den öffentlichen Raum zu nutzen: Ausbaufähig seien etwa die Wallanlagen, die man "als Kulturraum entwickeln könnte", so die Dezernentin. "Museen voller Menschen werden wir so schnell nicht haben, aber Freiräume draußen zu nutzen ist das Gebot der Stunde", so Hartwig. Parkplätze von Großmärkten, die nicht genutzt würden, könne man als Drive-In-Kunst-Orte verwandeln, schlug ein Zuhörer vor. "Wenn Sie eine Idee haben, wo, freue ich mich über Anregungen", so Hartwig.

Corona habe gerade der Kunst und der Kultur einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. "Das ist traurig," sagte Hartwig, "nicht nur für die Künstler, sondern auch fürs Publikum, die Gesellschaft." Sie wünscht sich, dass im Frühjahr Theater und Museen wieder öffnen können. Hygienekonzepten seien schon im November längst ausgearbeitet gewesen, "der Winter war sehr frustrierend und hart". Mit Mitteln des Kulturdezernats und Zustiftungen sei es gelungen, Künstlern schnell unter die Arme zu greifen. Noch immer könnten sie formlose Anträge ans Kulturamt stellen. Stefanie Wehr

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