Bananenfalter auf Bananen gefällig? Gärtnermeisterin Justine Hillebrand und ihr Kollege Alexander Becker kümmern sich um das neue Blüten- und Schmetterlingshaus. Und rücken dazu schon mal einen Bananenfalter ins rechte Licht.
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Bananenfalter auf Bananen gefällig? Gärtnermeisterin Justine Hillebrand und ihr Kollege Alexander Becker kümmern sich um das neue Blüten- und Schmetterlingshaus. Und rücken dazu schon mal einen Bananenfalter ins rechte Licht.

150 Jahre Frankfurter Palmengarten

Das neue Blüten- und Schmetterlingshaus entpuppt sich: Ende Juli soll es endlich öffnen

  • VonUte Vetter
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Vier Jahre später als geplant wird das Ensemble aus mehreren Glashäusern wohl demnächst Besucher empfangen können. Wir haben uns umgesehen.

Frankfurt -Der Bananenfalter mit dem typischen goldenen Kringel auf seinen Flügeln macht seinem Namen alle Ehre. Hockt einfach auf überreifen Bananenstückchen auf einem Tellerchen und mampft. Er ist derart beseelt vom Zucker, dass ihn der Gärtner und "Schmetterlingsbeauftragte" Alexander Becker zum Fotoshooting mit seiner Kollegin Justine Hillenbrand tragen kann. Beide kümmern sich im neuen Blüten- und Schmetterlingshaus (BSH) im Palmengarten um die Flattermänner. Noch ist es für das Publikum geschlossen, doch etliche Pflanzen sind schon prächtig gediehen, ein Wasserfall plätschert, und die Technik sorgt für konstante 24 Grad Celsius Wärme und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Sonnenschutzglas und sogenannte "Energieschirme" (ausziehbare Tuchrollen unterm Glasdach) schützen die Flattermänner vor allzu starker Sonneneinstrahlung. Einige Schmetterlinge tummeln sich zwischen und auf zahlreichen Nektar- und Futterpflanzen wie Bromelien und Ficusbäumen, die Gäste können mitten hindurchspazieren. Auch Duftstationen sind geplant.

Im direkt benachbarten Kalthaus wird die neue Ausstellung "Abgestaubt - von Blüten und ihren Besuchern" die Welt der Insekten und anderer Bestäuber wie Vögel und Säuger ausführlich darstellen. Sie zeigt ihre Vielfalt, ihre Form- und Farbenpracht sowie ihre - für Natur und Menschen unverzichtbare - Verbindung zum Pflanzenreich. Denn Falter, Käfer, Bienen und Co. sind wichtige Bestäuber, ohne deren "Dienstleistung" kein Obst, kein Korn, kein Gemüse wachsen kann. Dieses wichtige Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen beleuchtet der Palmengarten mit seinem Leitthema Blütenökologie, die Ausstellung im BSH bildet das Kernelement des Themas.

Sprühnebel und poröse Lavasteine

"Die Kokons kommen aus Costa Rica", erklärt Becker, es werde meist ein Mix aus 60 Arten bestellt. Zuerst kommen sie in den "Puppenkasten", wo sie an Korkwänden hinter Glastüren wachsen dürfen. Natürlich auch das wohltemperiert. Bis zu 300 Stück passen da hinein, sie puppen zu unterschiedlichen Zeiten. Im Schnitt bleibt jede Puppe zwei Wochen im Schrank. Gerade ist ein Königsschwalbenschwanz geschlüpft. Immer wieder wird das Warmhaus in einen feinen Sprühnebel aus Wasser gehüllt - das gefällt den Tieren. Schließlich kommen sie aus Mittelamerika.

"Sie fressen durch ihre Saugrüssel und schmecken mit den Beinen", erklärt Hillenbrand. Sie ist fasziniert von den Tierchen, hat sich wie das ganze BSH-Team intensiv mit dem Thema befasst, zuvor andere Schmetterlinghäuser in Deutschland besucht. "Wir waren etwa auf der Insel Mainau, in Erfurt und Potsdam."

Was futtern Flatterer? "Gern von unseren Girlanden aus reife Orangen- und Bananenstücken", so Becker. Hauptnahrung ist der Blütennektar. Einige Exemplare ernähren sich von Pflanzensäften aus Blättern, Honigtau von Läusen oder Saft von faulendem Obst. Hauptsache, es ist flüssig.

Aber sie brauchen auch Mineralien, etwa aus Steinen. Oder von den Hautflächen schwitzender Besucher... Die Beete sind mit Lavasteinen eingefasst. "Sie sind porös, darauf entwickeln sich Moose, und auf denen sitzen Schmetterlinge, um zu trinken", sagt Hillenbrand. Ein Tigerpassionsfalter lässt sich derweil auf einer blühenden Ruellia Brunfelsia nieder und zittert ein bisschen mit den Flügeln. Die Gärtnermeisterin erklärt, es komme noch weitere "Blühware", um den Beeten mehr Tiefe zu verleihen, sie spricht von der Wegeführung, dem Turbulator, den Orchideenhäusern und dass hier alles biologisch sei; Stichwort Nützlinge. Als sie wegen der Hitze die Hemdärmel hochkrempelt, fällt ihr Unterarm-Tattoo ins Auge. Es zeigt - einen Schmetterling.

Das neue Prunkstück

Das Blüten- und Schmetterlingshaus im Palmengarten ist ein großes Ensemble aus mehreren Glashäusern mit insgesamt 2200 Quadratmetern Nutzfläche. Davon entfallen rund 800 Quadratmeter auf das Warmhaus, wo die Puppen, Raupen und Schmetterlinge leben. Der Rest ist für die Gärtnerei, Seminar- und Wirtschaftsräume. Rund 8 Millionen Euro hat das Ganze gekostet, die Stadt zahlte etwa 5,5 Millionen, den Rest gab die Palmengarten-Stiftung dazu.

Das Projekt hatte länger gedauert als geplant. Probleme mit der Ausschreibung der Arbeiten verzögerten den Bau, der ursprünglich 2017 eröffnet werden sollte. Das nächste Zieldatum war der 16. März 2021 - genau zum 150. Geburtstag des Palmengartens. Doch die Corona-Pandemie ließ dann auch diesen Termin platzen. Jetzt ist Ende Juli anvisiert.

Fürs Pädagogikprogramm sammelte die Stiftung Palmen- und Botanischer Garten jahrelang Geld mit dem Frühlingsball. Die Besucher sollen zum Thema Blüten- und Bestäuberbiologie viel Spannendes erfahren.

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