Sarah Keßler und ihr Lieblingsort im Niedwald: Es ist der Grill'sche Altarm. Das Projekt "Stadtnischen.de" basiert auf den versteckten Lieblingsorten von Frankfurter Bürgern, erzählt persönliche Geschichten und verrät einige Geheimtipps.
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Sarah Keßler und ihr Lieblingsort im Niedwald: Es ist der Grill'sche Altarm. Das Projekt "Stadtnischen.de" basiert auf den versteckten Lieblingsorten von Frankfurter Bürgern, erzählt persönliche Geschichten und verrät einige Geheimtipps.

Frankfurts versteckte Ecken

Das Projekt "Stadtnischen" stellen Lieblingsorte vor

  • VonSabine Schramek
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Bürger der Mainmetropole verraten, wo sie sich am liebsten in der Stadt aufhalten und laden so zum Entdecken ein.

Sarah Keßler (36) fährt am liebsten Rad, wenn sie nicht spazieren geht. Sie ist neugierig und gerne auf Entdeckungsreise. Als Corona das öffentliche Leben weitgehend stilllegte, traf es auch die Mediengestalterin und Fotografin, die seit zehn Jahren selbstständig im Filmbereich und im Dokumentarbereich hinter der Kamera arbeitet. "Als alle Aufträge abgesagt wurden, bin ich viel spazieren gegangen. Meistens in meiner Gegend. Das wurde mir irgendwann langweilig, obwohl Frankfurt mit seinen völlig unterschiedlichen Ecken total spannend und vielseitig ist", sagt Keßler.

Menschen erzählen dazu etwas von sich

Die besten Ideen kommen ihr, wenn sie ihre Gedanken schweifen lässt. "Alle haben die Nase voll und möchten etwas Schönes erleben, Neues entdecken und vor allem den nervigen Corona-Trott vergessen", sagt Keßler. Und so suchte sie in den sozialen Medien zwei Gleichgesinnte für das neue Projekt wwww.stadtnischen.de. "Wir kannten uns nicht. Aber Sarah Gräftner, Designerin und Illustratorin, und Tharsan Parameswaran, Programmierer und Web-Entwickler - wir haben uns gesucht und gefunden", schwärmt sie. Die drei Selbstständigen haben drei Monate lang Menschen gesucht und gefunden, die ihnen ihre Lieblingsplätze in der Stadt nicht nur zeigen, sondern auch von sich und den Orten erzählen. Mitsamt interaktiver Karten und auf Instagram unter @stadtnischen gibt es dazu Fotos und Geschichte(n). "Es sind Leute zwischen 30 und 60 Jahren, die zwar nicht in Frankfurt aufgewachsen sind, aber völlig begeistert sind von der Stadt", sagt Keßler, die aus Gießen kommt und "der Liebe wegen" ins Gallusviertel gezogen ist.

Ministerium unterstützte

"Alteingesessene Frankfurter haben sich leider bislang nicht gemeldet, aber vielleicht klappt das ja in einer zweiten Runde des Projektes", hofft Keßler. "Stadtnischen.de" ist den Entwicklern ein Herzensprojekt geworden, jetzt ist es online. Gezeigt werden Orte, die man zu Fuß oder mit dem Rad kostenlos besuchen kann. Darunter der alte Sender Heiligenstock in Seckbach, faszinierendes Graffiti, der Börsenplatz, verborgene Weiher oder verträumte Stellen an der Nidda. Unterstützt wird das Projekt vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Keßler läuft durch das Landschaftsschutzgebiet Niedwald. Die Bärlauchteppiche wogen, Spechte hämmern, Enten dümpeln über den Grill'schen Altarm der Nidda. "Hier ist man in einer anderen Welt. Man kann abschalten, Luft holen, Pflanzen und Tiere beobachten und den Kopf frei kriegen", sagt sie. Der Altarm, rund 600 Meter lang, ist mit einer Wasserfläche von 29 000 Quadratmetern der größte Altarm der Nidda. Keßler braucht mit dem Rad nur 15 Minuten bis hierher. "Das ist ein ganz anderes Erlebnis als meine übliche Strecke im Gallus, völlig anders als das Europaviertel und auch kein bisschen wie das Westend", sagt sie. Eine ihrer Protagonistinnen hat diese Ecke entdeckt und auch Keßler zieht es regelmäßig hierher. "Jeden Tag sieht man Neues. Derzeit kann man die Natur beim Aufblühen beobachten." Die Tipps auf www.stadtnischen.de zeigen die Vielfalt der Stadt und Räume zum Erleben und Aufatmen.

"Alles ist im Wandel"

Keßler blickt auf das Corona-Jahr 2020 inzwischen zufrieden zurück. "Meine Aufträge und Jobs wurden zwar abgesagt, aber daraus hat sich Neues entwickelt." Beim Entdecken versteckter Lieblingsorte in Frankfurt hat sie nämlich nicht nur die neue Plattform geschaffen, sondern auch die Seiten gewechselt. Für Dokumentationen macht sie nun Konzeption und Organisation. "Es war Glück dabei, aber auch Loslassen und Wandel. Bei meinen Spaziergängen sind mir neue Ideen gekommen. Beim Beobachten der Natur stellt man fest, dass alles im Wandel ist. So wie hier im Niedwald. Aus dem dunklen, kahlen Winter entstehen neue Knospen. Jede Stadtnische und jeder Lieblingsplatz wandelt sich. Und das macht Mut - auch in Corona-Zeiten."

Auf der interaktiven Karte der Macher von "Stadtnischen.de" sind sämtliche bisher gesammelten Lieblingsorte von Frankfurter Bürgern mitsamt ihren Geschichten dazu verzeichnet.

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