Steine, die Geschichten erzählen: 1979, anlässlich der 1200-Jahrfeier Kalbachs, wurde die Säule des Bildhauers Reiner Uhl im Freizeitpark aufgestellt. FOTO: privat
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Steine, die Geschichten erzählen: 1979, anlässlich der 1200-Jahrfeier Kalbachs, wurde die Säule des Bildhauers Reiner Uhl im Freizeitpark aufgestellt.

Frankfurter Amtsschimmel

Säulen-Geheimnis in Frankfurt wirft Fragen auf - was dahinter steckt

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Die Bitte um einen Hinweisschild bringt die Stadt Frankfurt in die Bredouille. Ist die Säule im Kalbacher Freizeitpark tatsächlich so geheimnisvoll?

Frankfurt - Unübersehbar steht die Steinsäule im Kalbacher Freizeitpark, in unmittelbarer Nähe des Basketballplatzes. Sie besteht aus einem Sockel, sowie sechs unterschiedlich hohen und breiten darauf gestapelten Quadern, die wiederum Szenen aus der Geschichte des 779 erstmals urkundliche erwähnten Dorfes Kalbach, damals noch Caltebach. Entworfen hat die 4,80 Meter hohe Säule in Frankfurt der Harheimer Bildhauer Reiner Uhl, aufgestellt wurde sie 1979, anlässlich der 1200-Jahr-Feier Kalbachs.

All diese Informationen findet man im Internet, quasi mit einem Klick. Unter anderem auf der Seite des Kulturamtes Frankfurt zur Kunst im öffentlichen Raum. Dort hat die Säule, oder der Erzählstein, wie sie auch bezeichnet wird, gar einen eigenen Eintrag. Umso verwunderlicher ist deshalb eine jüngst veröffentlichte Stellungnahme des Magistrats, die sich auf einen Antrag des Ortsbeirates 12 (Kalbach, Riedberg) bezieht. Darin wünschten sich die Stadtteilpolitiker eine Informationstafel zur Herkunft und Geschichte der Säule. Denn die sei vielen Besuchern des Freizeitparkes nicht bekannt.

Säule in Frankfurt sorgt für viele Fragezeichen

Und damit sind sie nicht allein. Denn auch der Magistrat und das Fachamt sind unwissend. "Dem flächenverwaltenden Amt sind zum derzeitigen Zeitpunkt die geschichtlichen Hintergründe, sowie die Beweggründe zur Aufstellung der Stele nicht bekannt", heißt es in der Stellungnahme. Deshalb werde man den Kontakt mit dem Bürgerverein suchen, um die notwendigen Informationen in Erfahrung zu bringen. Seien diese ausreichend, könne man über ein Schild nachdenken.

Den Kontakt mit dem Bürgerverein suchen? Ist das wirklich nötig, wo es doch auf der städtischen Seite ausreichend Informationen gibt? Das fragte sich auch die Stadtverordnete und langjährige Ortsvorsteherin Carolin Friedrich (CDU), als sie die Stellungnahme las. "Einmal im Internet gesucht und man findet die Geschichte und die Herkunft der Säule", sagt sie. Die Antwort des Fachamtes könne sie deswegen nicht nachvollziehen. "Das ist wirklich peinlich", fügt sie kopfschüttelnd hinzu.

Hinter Säule in Frankfurt verbirgt sich spannende Geschichte

Dabei ist die Geschichte der Säule oder besser gesagt sind die Geschichten, die sie "erzählt", äußerst spannend. Aus Muschelkalk-Kernstein, der wiederum aus der Nähe von Würzburg stammt, bestehen sowohl der Sockel, als auch die sechs Blöcke. Eine Seite zeigt den Bachlauf des Kalbachs mit Wiesen, Feldern und Landwirtschaft. Auf der anderen Seite sieht man den Durchzug des heiligen Bonifatius, die Gerichtsbarkeit mit dem Kalbacher Galgen, die Gänsewiese, den Zehntscheuer sowie Weinpressen und das weiß-rote Wappen von Kalbach.

Vor allem der Heilige Bonifatius hat eine besondere Bedeutung für Kalbach. Wurde bei der Überführung seiner Gebeine von Mainz nach Fulda 754 doch an der Kalbacher Höhe auf dem heutigen Riedberg, ein Stopp eingelegt. Der Legende nach entsprang unweit des damaligen Nachtlagers Wasser eines Baches aus der Erde - der heutige Bonifatiusbrunnen. Zugleich lässt sie darauf der ursprüngliche Name Kalbachs, Caltebach, zurückführen.

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Säule in Frankfurt wird zum Thema: Was sich hinter dem Bauwerk verbirgt

Weil der Riedberg auch aus der Ferne gut zu sehen war, sich aber außerhalb der Kalbacher Dorfgemeinde befand, stand nahe des Bonifatiusbrunnens zudem ein Galgen. Auch dieser ist auf der Steinsäule im Freizeitpark abgebildet. An diesem wurden bis zum Jahr 1806 Todesurteile vollstreckt. Innerhalb der Gemeinden, an einem belebten Marktplatz etwa, wurden nur als ehrenhaft angesehene Hinrichtungen mit dem Schwert durchgeführt.

Geschichten und Informationen, die allesamt gut auf der vom Ortsbeirat angeregten Tafel Platz finden könnten. Aber selbst wenn diese dem Magistrat irgendwann vorliegen sollten, so gibt es noch mehr Steine, die der Umsetzung im Weg liegen. Denn: Dem Fachamt stehen derzeit weder für die Herstellung, noch für die Aufstellung eines solchen Schildes ausreichend Mittel zu Verfügung, endet dessen Stellungnahme. (Judith Dietermann)

Ein Schriftzug in Khmer und die Zahlen 012 816 337 zieren die Frankfurter Kunstsäule in Sachsenhausen. Der Schriftzug gibt Rätsel auf.

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