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Zumindest einige Stunden war auf.

Toiletten-Irrsinn

Das stinkt vielen Frankfurtern: Klo soll verschwinden

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Sanitäranlage am Höchster Bahnhof wird dicht gemacht - über Jahre aus Kulanz betrieben

Wer im neuen Jahr S-Bahn oder Regionalzüge nutzt und im Höchster Bahnhof ein dringendes Bedürfnis verspürt, wird vor verschlossenen Türen stehen: Zum Jahresende wird die Toilette in der Bahnhofshalle dicht gemacht. Der Grund ist die Insolvenz der SFG gGmbH (Servicegesellschaft für Frankfurt und Grüngürtel), unter deren Dach die ffmtipptopp arbeitet, eine Servicegesellschaft zur Gebäudereinigung. Denn dort sind - nur noch bis Jahresende - die Frau und der Mann beschäftigt, die die Toilettenanlage im Höchster Bahnhof zumindest in den Hauptverkehrszeiten am Laufen halten.

Die Bahn fühlt sich nicht zuständig

Denn das Klo gehört - wie der Bahnhof - zwar der Deutschen Bahn, doch sieht die das Betreiben eines Lokus' für ihre Kunden nicht als ihr Kerngeschäft an. Die Toilette, die in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrfach über längere Zeit verschlossen war, hatte die Bahn zuletzt der Stadt zum Betrieb zur Verfügung gestellt. Gezahlt hat dafür die "Stabsstelle Sauberes Frankfurt".

Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle, bezeichnet die bevorstehende Schließung als "extrem bedauerlich", sieht aber keine andere Möglichkeit. Die Stabsstelle habe die Finanzierung der Öffnung der Toilette schon unter ihrem Vorgänger übernommen, weil die Bahn das mit Hinweis auf die häufigen Vandalismus-Schäden abgelehnt hatte. Tatsächlich hat die Bahn der Stabsstelle die "Erlaubnis" erteilt, das Klo zu öffnen. Mit mehr will der bundeseigene Eisenbahnkonzern allerdings nichts zu tun haben und blendet offenbar aus, dass zu einem Bahnhof auch eine öffentliche Toilette gehört - zumal der Höchster Bahnhof mit zwölf Bahnsteig-Gleisen der zweitgrößte Bahnhof der gesamten Mainmetropole und der wichtigste Knotenpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Frankfurter Westen ist. "Der Bahnhof Höchst gehört mit rund 28 000 Reisenden an Werktagen zu den am stärksten frequentierten Bahnhöfen in Hessen", hatte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) noch medienwirksam gesagt, als das Land den inzwischen erfolgten Umbau des südlichen Bahnhofsvorplatzes mit rund 1,9 Millionen Euro bezuschusst hat. Dieser Vorplatz wird wohl wie der Fußgängertunnel, die Ecken und Nischen an den Aufzügen und die Bahndämme in Zukunft verstärkt als öffentliches Urinal genutzt werden.

Dementsprechend mehr Geld werden die Bahn und die Stadt in den Reinigungsaufwand investieren müssen. Die beiden Beschäftigten der SFG, welche die Toilette noch bis Ende Dezember betreuen, haben ihren Job offenbar gut gemacht: Mehrfach ist das Bahnhofs-Klo bei Tests im Internet gut beurteilt worden. Jetzt hat ein vorläufiger Insolvenzverwalter bei der SFG die Geschäftsführung übernommen.

Insolvenzverwalter führt die Geschäfte

Was passiert mit der gGmbH? Es gebe zwei Interessenten - einer wolle die Aufträge von der Stadt übernehmen, der andere begehre das Umlaufvermögen und die Anlagen. Es stehen noch Preisverhandlungen an, und auch mit dem Betriebsrat der SFG befinde man sich in Verhandlungen: Es könne sein, dass die rund 20 festen Mitarbeiter zum 31. Dezember gekündigt würden und zum 1. Januar einen neuen Vertrag bekämen. Interessantes Detail am Rande: In den bereits mehrfach verschobenen Plänen zum Umbau des denkmalgeschützten und völlig heruntergekommenen Bahnhofsgebäudes ist nach Informationen dieser Zeitung überhaupt keine Toilette mehr vorgesehen. Holger Vonhof

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