Dackel Schorschi zum ersten Mal im "Pool" der Hundepension am Flughafen. Betreiber und Hundetrainer Florian Vogel redet ihm gut zu. Er weiß, dass es in diesem Sommer eng werden wird in seiner Pension, wie in vielen anderen Tierpensionen auch.
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Dackel Schorschi zum ersten Mal im "Pool" der Hundepension am Flughafen. Betreiber und Hundetrainer Florian Vogel redet ihm gut zu. Er weiß, dass es in diesem Sommer eng werden wird in seiner Pension, wie in vielen anderen Tierpensionen auch.

Frankfurter und ihre Haustiere

Das trübt die Urlaubsvorfreude: Wohin bloß mit Hund, Katze und Maus?

  • VonMichelle Spillner
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Tierpensionen in und um Frankfurt erleben einen enormen Ansturm. Die meisten sind in der Ferienzeit längst ausgebucht.

Frankfurt -Wohl dem, der schon gebucht hat: mit Vollpension - Truthahngeschnetzeltes zum Frühstück und Hühnerfleisch mit Reis zum Abendbrot -, Wellnessprogramm in 17 Areas mit zwei Dutzend Pools, terminierten Waldspaziergängen und der Möglichkeit, das etwa zwölf Quadratmeter große Einzelzimmer für den vorübergehenden Aufenthalt ganz nach eigenen Wünschen auszustatten. "Wir stellen alles rein, was geht", betont Florian Vogel. Nur einmal habe ein Gast seinen Riesenlieblingssessel mitgebracht, und der habe einfach nicht durch die Tür gepasst. "Wir haben alles hier, man muss nichts mitbringen", so Vogel, der die Wünsche seiner Pensionsgäste kennt. Die Gäste sind bisweilen etwas speziell. Da kann es beispielsweise vorkommen, dass sie ansetzen, den Pool leerzutrinken, statt in ihn hineinzusteigen.

Dieses Jahr wird es eng: nicht in den Hotels, sondern auch in den Tierpensionen. Florian Vogel, neuer, privater Betreiber der Hundepension am Flughafen, die bis Juni zur Fraport gehörte, ist einer der wenigen im Frankfurter Raum, der in den bevorstehenden Sommerferien noch Urlaubsgäste aufnehmen kann, und zwar ganze fünf bis sechs Hunde im August. Ansonsten sind die rund 60 Plätze seiner Hundepension alle belegt. "Da sind wir froh", sagt der gelernte Hundetrainer und tätschelt den Kopf seiner Dackeldame Zwiebel, die ihm auf Schritt und Tritt folgt und ein wenig die "Mutter der Kompanie" gibt. Zweidrittel Einbuße habe die Hundepension im vergangenen Jahr gehabt. Jetzt brumme es wieder. Viele wollen endlich in den Urlaub.

Viele - gerade Städter - haben sich Tiere angeschafft. Die Nachfrage nach einem Haustier war in den vergangenen zwölf Monaten so groß wie nie, das spiegeln die Registrierungen beim bundesweiten Haustierregister Tasso wider. Im November und Dezember 2020, als der zweite Lockdown begann, wurden im Vergleich zum Vorjahr 20 Prozent mehr Hunde und 25 Prozent mehr Katzen angemeldet.

Es gibt mehr Haustiere, aber weniger Betreuungsplätze. Manche Tierpensionen haben die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie nicht überstanden, mussten schließen, was die Betreuungssituation verschärft. Wer sich noch nicht um einen Tierpensionsplatz gekümmert hat, könnte vor Urlaubsantritt vor einem Problem stehen: Wohin mit dem Hund? Mitnehmen? Oder den Urlaub canceln?

Ein kurzer Rundruf zeigt: Die Hundepension Eckenheim ist ausgebucht. Ebenso das Tier-Hotel Rhein-Main in Langen und Egelsbach, das nach eigenen Angaben aktuell täglich bis zu 100 Anrufe mit Nachfragen erhält.

Das Doggyhouse in Offenbach hat eine Warteliste bis Anfang August. Die Katzenpension Easy-Cats in Schwanheim hat schon auf der Homepage stehen, dass sie für die Sommerferienzeit keine Einzelzimmer mehr bieten kann und von 1. bis 21. August restlos ausgebucht ist. Etwas besser sieht es aus, je weiter man sich von Frankfurt entfernt. Die Tierpension Overländer in Rödermark-Oberroden, die Katzen, Kleintiere und Vögel beherbergt, habe "noch ein bisschen Kapazität", so Angelika Overländer. Das könne sich aber schnell ändern, das Geschäft sei in diesem Jahr kurzfristiger geworden. Manchmal kämen Tiere von heute auf morgen.

Während manche Tierbesitzer sich also um die Unterbringung für ihren Liebling noch gar nicht gekümmert haben, sind bei Florian Vogel längst die ersten Urlaubsgäste angekommen.

Ja, man könne durchaus von Urlaub sprechen. In der Hundepension erlebe mancher Hund bessere Zeiten als daheim, wenn das Herrchen ihn wegen seiner Berufstätigkeit viel allein lassen müsse. Manche Hunde haben noch nie einen Pool - genaugenommen eine Bademuschel - gesehen. "Soll ich schamponiert werden? Ist das ein riesiger Wassernapf?" Rauhaardackel-Gast Schorschi wirkt bei seiner ersten Begegnung mit dem Pool argwöhnisch. Der Hundetrainer lässt Schorschi sich dem Wasser in seinem Tempo nähern. Erfahrungsgemäß wird Schorschi bald planschen. Die Fellnasen gewöhnen sich schnell an Ablauf und Annehmlichkeiten in der Hundepension.

Preise und Angebot sind sehr unterschiedlich

Gegen 6.30 Uhr gibt es Frühstück, dann noch eine halbe Stunde ausruhen, während Vogel und seine drei Mitarbeiter den Tagesplan besprechen - wer kommt, wer geht, wie werden die Hundegruppen zusammengestellt, wer passt zu wem? Dann geht es für die Vierbeiner raus auf die 6000 Quadratmeter Spielfläche, "am besten den ganzen Tag", so Vogel. Und abends, nach dem Nachtmahl, seien die Hunde platt und schliefen zufrieden ein.

Jede Pension hat andere Programme und Konzepte - und andere Preise. Bei Florian Vogel geht es mit 28 Euro pro Tag inklusive Futter los. Andere starten mit 40 Euro, nehmen bei Notfällen sogar 50 Euro für einen Hund am Tag. Auch die Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich: Die Hunde müssen geimpft sein, sonst nichts, so Florian Vogel. Er wisse von Pensionen, die Rüden nur dann annähmen, wenn diese kastriert seien. Davon hält er nichts: "Die Kastration macht den Rüden nicht ruhiger oder weniger aggressiv, aber sie verstößt gegen das Tierschutzgesetz."

Die Besorgnis der Besitzer, wenn sie ihre Tiere in die Pension geben, verstehe er gut, sagt Vogel, der selbst fünf Hunde hat. Deshalb rate er, sich Pension und Mitarbeiter vorher genau anzusehen und ausführlich mit ihnen zu sprechen. Gerade hat sich Vogels Mitarbeiterin Svenja zu einem kleinen Wusel in die Box gesetzt, um dessen Besitzer per Handy einen Film vom Liebling rüberzuspielen, damit er sieht, dass er sich keine Sorgen machen muss. Die Dackeldame Zwiebel wirkt, als beobachte sie den kurzen Videochat aus der Box wohlwollend. Sie genießt täglich den Luxus, "im Urlaub" zu sein, ohne erst einen Pensionsplatz finden zu müssen.

Darauf sollten Tierhalter achten

Auch wenn es in den Tierpensionen in diesem Jahr eng wird und man vielleicht nicht mehr die große Auswahl hat, sollte man bei der Wahl der Betreuung seines Haustieres einige Punkte beachten. Das Haustierregister Tasso rät Haltern, sich bei Tierpensionen und auch von Tiersittern den Sachkundenachweis (nach §11 TierSchG) zeigen zu lassen. "Er ist Pflicht und gibt über die Seriosität Auskunft", so Tasso. Tierhalter sollten sich Pensionen und Betreuungsplätze unbedingt vorher ansehen und darauf achten, wie die Tiere dort leben. Haben sie genügend Auslauf? Gibt es Zugang zu Freiflächen? Wie sicher ist man im Umgang mit dem Tier?

Wichtig ist - auch mit einem Tiersitter -, einen schriftlichen Betreuungsvertrag festzusetzen. Darin sollten unter anderem folgende Punkte geklärt werden: Umfang der Leistung, Dauer der Betreuung, Bezahlung, Gewohnheiten und Krankheiten des Tieres, und natürlich aktuelle Kontaktdaten beider Parteien. Für Katzen ist es ohnehin am besten, sie in ihrer vertrauten Umgebung zu belassen. Ist das nicht möglich, sollten Halter so viel Vertrautes wie möglich, wie Spielzeug, Decken, Kissen, Körbchen, mit zur Betreuung geben. Tierhalter sollten ihr Tier mit einem Transponder kennzeichnen und registrieren lassen.

Im Falle des Entlaufens hat die "Urlaubsvertretung" die besten Chancen, den Vierbeiner wiederzufinden.

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